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Niue – größte Koralleninsel der Welt

17 Mooringe für Segler

 

Wir nähern uns noch vor Sonnenaufgang bei dichter Bewölkung und gutem Ostwind Niue, jedoch ohne Sternen- und Mondlicht. Die Insel steht auf einem Sockel, der aus 5000m Tiefe steil nach oben führt. Hier sind schon einige Schiffe unerwartet gegen die Insel gefahren, weil die unbewohnte Ostseite einfach nicht zu sehen ist. Unser Radarbild zeigt aus 10sm Entfernung, dass die Lage der nur 69 m hohen und unbeleuchteten Insel tatsächlich mit dem elektronischen Kartenstandort übereinstimmt. Das beruhigt erst einmal.

Wir umsegeln die Insel südlich und kurz vor Sonnenaufgang können wir die Umrisse erkennen. An einer der ausgelegten Mooringbojen machen wir an der geschützten Westseite vor der Hauptstadt Alofi fest und können glücklicherweise sogleich einklarieren. Die Beamten kommen nach dem Funkkontakt zum Anleger, den wir mit unserem Dinghy erreichen. Allerdings muss es mit einem kleinen Kran auf die Mole gehievt werden, da die Wellen am Anleger zu stark sind. Das gilt generell auch für die kleinen Fischer- und Tauchboote.

 

Auf dem Trockenen

 

Die Formalitäten werden schnell und freundlich erledigt, wobei wir bei der Bio-Security unterschreiben müssen, dass wir keine Lebensmittelreste und Abfall über Bord werfen. Eigentlich selbstverständlich, denn die Korallen sollen geschützt werden; deshalb ist auch Ankern nur in einem bestimmten Gebiet notfalls erlaubt. Wir sind weiterhin erfreut zu hören, dass es hier keine von Mücken übertragbare Krankheiten gibt.

Da sind wir nun auf der größten Koralleninsel der Welt und gleichzeitig auch im kleinsten Inselstaat, der allerdings mit Neuseeland assoziiert ist. Die Uferstraße ist gerade mal 64 km lang. Viele der ehemaligen 30.000 Einwohner sind ausgewandert. Heute leben nur noch 1400 Menschen hier. Die Insel wird jetzt gern von den Neuseeländern im Winter angeflogen, da es dann keine Zyklone und nur selten Regen gibt, die Temperatur mit 25° Grad erträglich ist und die Flugzeit nur etwa 3,5 Std. beträgt. Vom Massentourismus ist die Insel aber verschont geblieben.

 

Die schönsten Stopps sind ausgeschildert

 

Nachdem wir ein paar Mal freundlicherweise als Anhalter – einmal sogar auf einer LKW-Ladefläche mit über den Rand baumelnden Beinen – mitgenommen worden sind, wollen wir uns selbst motorisieren. Auf Anraten von befreundeten Seglern mieten wir ein Auto und kein Zweirad, da es zu viele tiefe Schlaglöcher gibt. Den Schildern nach sind nur Höchstgeschwindigkeiten von 40 und 60 km/h zugelassen, in der Realität kann man aber manchmal nur Schritttempo fahren. Es fällt weiter auf, dass nicht nur Tsunami-Hinweisschilder zu sicheren Höhen weisen, sondern auch Sirenen installiert sind.

 

Mit einem „Japaner“ auf Inseltour

 

Mietautos sind Mangelware, die vorbestellt werden müssen. Das läuft alles sehr locker. Name und Bootsname aufschreiben und wenn man einen Führerschein hat, diesen vorzeigen. Im Übrigen wird im Info-Material darauf hingewiesen, dass der Fahrersitz im Auto rechts ist und dass man sich vor der Fahrt anschnallt und dann links fährt. Übrigens ist ein Führerschein (Niue Driver´s License) bei der Niue Police für NZD 22,50 erhältlich.

 

 

 

Höhlen und Schluchten am Wasser

 

Die Ostküste ist wild und steilabfallend, das ändert sich auch nicht an der Westküste. Schon Kapitän James Cook konnte hier 1774 nicht anlanden, da die polynesischen Einwohner, deren Vorfahren schon vor 1800 Jahren nachweislich hier lebten, dies zu verhindern wussten. Nach dem Anlandungsversuch benannte er die Insel „Savage Island“ (Insel der Wilden).

 

Die bunte Unterwasserwelt zeigt sich schon beim Schnorcheln

 

Im Gegensatz zu den weißen Stränden des Pazifiks, gibt es hier von der Natur geschaffene Riesenbadewannen mit glasklarem Wasser und bis zu 30m Sicht. Damit ist Niue ein tolles Tauchparadies, was es auch wegen der Umsichtigkeit wohl bleiben wird. Die Korallen sind nicht wie auf vielen anderen pazifischen Inseln abgestorben, sondern bieten den Unterwasserlebewesen ein paradiesisches Zuhause. Die Fischer landen u.a. große Thunfische und Marlins an. Auch manche Segler machen größere Beute. Manchmal bekommt man sogar etwas ab, da die Menge für eine Crew viel zu groß ist.

Die große Attraktion sind aber die Wale. Wir kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus, als unerwartet ein Riesenwal hinter unserem Schiff auftaucht, bläst und wieder in den Tiefen verschwindet. Schon nach ein paar Tagen ist einem dieser Anblick vertraut. Nimmt man gerade ein Bad und hat ein bisschen Glück, kann man in unmittelbarer Nähe mit diesen Tieren schwimmen. Manchmal ist auch der Gesang der Männchen im Boot zu hören.

Eines Abends fällt uns auf, dass außer dem roten Ober- und Unterfeuer der Anlandestelle die Insel im Dunkeln liegt. Es ist ein totaler Stromausfall. Kein elektrisches Gerät funktioniert mehr, die Telefon- und Internetverbindung ist tot, die Wasserversorgung bricht zusammen. Ein Anlanden ist auch nicht möglich, da der Kran nicht funktioniert. Selbst die Behörden können nicht arbeiten. So können wir auch nicht ausklarieren. Nur über Funk erfahren wir den Stand der Dinge. Mal wieder müssen wir unsere Planungen verwerfen.

Der Südpazifik gilt allgemein als schwierige Passage. Es gibt viele Kleinstinseln und Riffe, aber auch neue Untiefen, die durch Unterwasservulkane entstehen. Es bilden sich zudem überraschend Wetterfronten, die ihren Ursprung in den südlichen „brüllenden Vierziger“ haben und Einfluss auf das Wettergeschehen nördlich von Neuseeland nehmen.

Aber für die nächsten Tage ist erstmal Flaute angesagt. Das bringt Zeit für Arbeiten am Schiff, wie mal wieder Rost und Salz entfernen, Luken abdichten, Motor inspizieren und Probleme mit dem Wassermacher lösen.

 

 

 

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