Heimathafen verlassen vor 1893 Tage 12 Stunden 48 Minuten

Kollision mit einem Wal

Wal ganz nah

 

Bevor wir unsere Reise angetreten haben, war eine unserer Sorgen, mit einem Container oder einem Wal zu kollidieren. Beides Risiken, die mehr unter der Wasseroberfläche lauern und trotz größter Sorgfalt so gut wie garnicht im Voraus zu erkennen sind.

Als wir auf dem Weg von Tonga nach Suva auf Fidschi sind, müssen wir wegen absoluter Flaute eine längere Strecke mit Motor fahren. Das macht einen unheimlichen Lärm und sollte zumindest Wale schon aus weiter Entfernung auf uns aufmerksam machen.

Vielleicht funktioniert das auch, aber definitiv nicht so, wie wir es erwartet hätten: Wir kollidieren an einem schönen Sonntagmorgen kurz nach Sonnenaufgang mit einem Wal. Es rumpelt einmal durch das ganze Boot, dann noch einmal und wir glauben unseren Augen nicht zu trauen, als vor unserem Bugkorb ein Wal senkrecht aus dem Wasser kommt und eine kurze Zeit so stehen bleibt. Mittlerweile wissen wir, dass ein Wal sich mit diesem sogenannten „Spyhopping“ einen Überblick über die Lage verschafft.

Was auch immer der Wal gesehen hat scheint bei ihm zu dem Entschluss geführt zu haben, dicht bei uns zu bleiben. Und zwar ganz dicht. Er begibt sich wieder in die Waagerechte und schubst das Boot, schiebt das Boot am Rumpf, taucht unter dem Boot her, hebt es hoch und blockiert dabei das Ruder, schubst auf der anderen Seite und taucht wieder zurück.

Wir stellen fest, dass wir keine Fahrt mehr unter Motor machen und dümpeln ein paar Stunden vor uns hin. Immer mit dem schnaubenden Wal an unserer Seite. Als ein bisschen Wind aufkommt, können wir mit etwas über einem Knoten segeln, aber nur unter der Begleitung.

Der Wal entscheidet sich beim Mitschwimmen meistens für die Luvseite, so dass sich sein regelmäßig ausgestoßener Blas über das Boot und auch uns verteilt. Was im Fernsehen faszinierend aussieht, ist aus dieser Distanz reichlich unangenehm: Es ist eine hochkonzentrierte Salzflüssigkeit, die nicht sonderlich gut riecht und zudem noch mit Schleim versetzt ist.

 

Schleimiges Nass

 

Außerdem gefällt ihm der von uns eingeschlagene Kurs nicht richtig und er scheint bewusst in unseren Weg zu schwimmen und die Fahrtrichtung zu ändern. Wir stellen mit unserer Unterwasserkamera fest, dass wir den Propeller verloren haben.

 

Video: Wal unter Wasser

 

Die nächsten 24 Stunden bedeuten für uns ein Wechselbad der Gefühle. Egal wieviel Krach wir machen, der Wal bleibt. Egal wie sich unsere Geschwindigkeit entwickelt, der Wal bleibt. Wir wissen nicht, wie sich die Situation entwickelt und bereiten alles für den Fall vor, dass wir auch noch das Ruder verlieren und es dadurch zu einem Wassereinbruch kommt.

Auch der Einbruch der Nacht kann den Wal nicht davon abhalten, uns permanent auf die Pelle zu rücken. Im Gegenteil, er behindert uns immer mehr und macht es uns unter den gegebenen Wetter- und Strömungsbedingungen unmöglich, den eigentlich geplanten Kurs nach Westen zu halten.

Wir müssten durch eine Passage zwischen den Riffen, die Fidschi umgeben. Auf Anraten der Fiji Navy ändern wir den Kurs nach Norden und fahren Richtung Vanua Balavu, eine Insel der nördlichen Lau Gruppe, die man normalerweise nicht anlaufen darf bevor man einklariert und ein Cruising Permit hat.

Diese Kursänderung gefällt unserem „Begleitwal“ allerdings auch nicht. Es kostet uns einige Mühe, Richtung Norden zu segeln und der Wal taucht in regelmäßigen Abständen dicht unter uns durch. Das Anheben des Ruders können wir deutlich am Steuer spüren.

Erst am nächsten Morgen verliert er plötzlich das Interesse an uns und bleibt zurück. Wir können nicht behaupten, dass wir seine Gesellschaft vermissen.

 

Video: Wal über Wasser

 

Als wir Vanua Balavu erreichen, müssen wir vier Stunden vor der Tongan Passage kreuzen, bis das Government Schiff „Sigavou“ ankommt, um uns durch die Riffpassage zu schleppen. Zum Glück versteht der Captain seinen Job hervorragend.

 

Im Schlepp

 

Nach der Passdurchfahrt entscheidet er, wegen der Wetterbedingungen und der Dunkelheit, die Nacht vor Anker zu verbringen. Wir bleiben für diese Nacht an der Schleppleine hängen. Am frühen Morgen geht es dann weiter bis zum Hauptort Lomaloma, wo wir den Anker werfen.

Die Geschichte, die folgt, ist so unglaublich und ist im nächsten Beitrag zu lesen.

 

 

 

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