Heimathafen verlassen vor 2414 Tage 11 Stunden 1 Minute

Ausflug-Arbeit-Abschied

Hafen von Ciutadella

Hafen von Ciutadella

 

Neben der geschützten Lage war einer der Gründe uns für die Marina Menorca als Winterquartier zu entscheiden, dass wir hier Arbeiten am Schiff erledigen können, ohne dass sich jemand gestört fühlt. Nach den Jahren in tropischen und subtropischen Gefilden sowie knapp 20.000 sm gibt es einiges an Bord zu erledigen, was über die übliche Pflege hinausgeht. Unter anderem haben unsere Bodenpaneele sehr gelitten und benötigen dringend ein Refit. Die Relingsdrähte sollen erneuert werden, die Bilge neu gestrichen und unsere Matratzen sind auch durchgelegen. Für Letztere gibt es zum Glück IKEA und so kaufen wir das gleiche Modell, auf dem wir die letzten Jahre gut geschlafen haben nebst zusätzlichen Toppern.

 

Matratzenzuschnitt

Matratzenzuschnitt

 

Nun haben wir in unserer geräumigen Vorderkajüte auf einer Auflagefläche von 2,50/0,80 x 2,00 m in 65 cm Höhe Matratzen mit Topper von insgesamt 25 cm Höhe. Zusätzlich befindet sich zwischen Auflagefläche und Matratzen noch 1 cm Hightech-Gittergewirke für maximale Luftzirkulation. Quasi ein Boxspringbett, das wir für die Nacht mehr oder weniger erklimmen müssen. Doch der Schlaf ist hervorragend.

Lange Zeit, uns an den neuen Matratzen zu erfreuen, haben wir allerdings nicht. Beim täglichen Aufstellen der Matratzen finden wir nach einer Regennacht eine kleine Pfütze am Fußende. Die einzige Möglichkeit, woher das Wasser kommen kann, ist der Bereich hinter dem Fußende. Ich erinnere mich dunkel daran, beim Putzen eine dünne Lackschicht zwischen Holzwand und Auflagefläche entfernt zu haben. Tatsächlich ist es genau an dieser Stelle feucht. Also müssen der Kleiderschrank und die Wand raus. Reinhard ist optimistisch und meint, es seien doch nur sechs Schrauben. Erfahrungsgemäß bedeutet das, dass es Stunden dauern wird. Und richtig: Natürlich müssen vor der Entfernung der sechs Schrauben die Teakholzpfropfen aufgebohrt werden. Dann sind noch Leisten abzunehmen und so weiter und so fort. Als dann endlich der Bereich hinter der Wand frei liegt, sind wir erstmal begeistert, wie sauber und spakfrei es dort ist. Das ist der Doppelschalen-Bauweise des Schiffes zu verdanken, die nicht nur Steifheit bringt, sondern auch gut isoliert.

 

6 Schrauben später ...

6 Schrauben später …

 

Dann geht die Suche nach der undichten Stelle los: Ist es die Ankerwinsch? Ist es die Klampe im Ankerkasten, die auf Mallorca getauscht wurde? Oder ist es die Durchführung des Stromkabels? Die Lecksuche verläuft nach dem üblichen Schema: Einer (Reinhard) steht draußen und hält den Wasserschlauch auf die potentiell undichte Stelle, die andere (ich) liegt unten im Kasten und brüllt, je nach Ergebnis: Dicht, tropft, läuft. In diesem Falle bildet sich ein Rinnsal am Borddurchlass vom 220 V-Kabel. „Läuft!“ ist also der Ausruf. Der Durchlass wird zügig abgedichtet, gewartet, bis alles getrocknet ist, nochmal Wasser drauf – „Dicht!“. Dann alles wieder zurück bauen und der Tag ist um. Zum Glück haben wir das ganze rechtzeitig entdeckt, sonst wären unsere schönen neuen Matratzen gleich hin gewesen Trotzdem sind wir genervt, denn wir haben uns für drei Tage ein Auto gemietet. Dieser Tag ist also im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser gefallen. Zum Glück waren wir schon am Vortag mit dem Auto unterwegs, unter anderem in Ciutadella.

 

historisches Ciutadella

historisches Ciutadella

 

Ciutadella ist die älteste und größte Stadt der Insel. Lange Zeit war sie auch die Hauptstadt, bis sie diesen Status im Jahr 1722 unter der britischen Herrschaft aus strategisch-politischen Gründen an Maó abgeben musste. Die reiche Geschichte und Kultur dieser schönen Stadt, spiegeln sich an jeder Ecke. Aber auch aktuelle Wandmalereien schmücken die Stadt an verschiedenen Ecken.

 

Wandmalerei

Wandmalerei

 

Doch so sehr uns Ciutadella auch gefällt, als Winterliegeplatz wäre der kleine Hafen nicht in Frage gekommen. Auf den Balearen gibt es regelmäßig ein „Rissaga“ genanntes Naturphänomen, das mit einem Tsunami vergleichbar ist. Anders als bei einem Tsunami wird die Rissaga allerdings nicht durch ein Seebeben ausgelöst sondern durch bestimmte Luftdruckverhältnisse. Aufgrund seiner schmalen kurzen Zufahrt ist Ciutadella bei einer Rissaga stärker gefährdet als Maó. So hob sich im Juni diesen Jahres der Meeresspiegel in kürzester Zeit um 1,75 m und überflutete das Hafengebiet in Ciutadella. Ganz gefeit sind wir vor einer derartigen Gefahr in Maó allerdings nicht. 2003 löste ein schweres Erdbeben in Algerien einen Tsunami im Mittelmeer aus, dessen 2 m hohe Flutwelle vor allem Mallorcas Südküste traf, aber die auch dafür sorgte, dass im Hafen von Maó mehrere Schiffe sanken. Statistisch gesehen ist die Wahrscheinlichkeit für einen solchen Tsunami jedoch deutlich geringer. Und hundertprozentige Sicherheit gibt es sowieso nie.

Nachdem der zweite Tag der Automiete mit der Suche nach dem Leck vergangen ist und der letzte Tag traditionell für Großeinkäufe und den Besuch des Waschsalons reserviert ist, verschieben wir weitere Inseltouren auf später. Nun werden erstmal die Bodenbretter in Angriff genommen. Damit der abgeschliffene alte Lack und Holzstaub nicht durch die Luft und ins Wasser wirbeln, bauen wir eine selbstkonstruierte Absauganlage an das Schleifgerät. Wir kaufen einen Staubsauger für Kaminöfen, ein Abflussrohr aus dem Sanitärbereich und verbinden das ganze mit festem Tape am Schleifgerät. Schon kann die Arbeit beginnen.

 

Schleifarbeiten

Schleifarbeiten

 

Während Reinhard sich mit dem Boden beschäftigt, nehme ich mir unseren Fäkalientank vor. Vor Jahren hatten wir das müffelnde Kunststoffmodell durch einen Edelstahltank ausgetauscht. Ein kluger Schachzug, dachten wir damals. Schließlich lässt Edelstahl keinen Geruch durch und Rost sollte kein Problem sein. Heute sind wir schlauer. Das gute Stück hat an den Schweißnähten und merkwürdiger Weise an einer glatten Seitenwand zu rosten angefangen. Dass auch die beste Edelstahllegierung bei dem hohen Salzgehalt von Atlantik- und Pazifikwasser nicht zwingend von Rost verschont wird, haben wir bereits nach unserer Atlantiküberquerung festgestellt. Das regelmäßige Entrosten unserer Edelstahlteile an Deck gehört quasi zum normalen „Hausputz“. Aber von außen sichtbarer Rost an einem im Schiff befindlichen Tank? Die Luft hat natürlich auch einen höheren Salzanteil und Schweißnähte sind anfälliger, also hoffe ich sehr, dass das Problem mit den üblichen Mitteln behoben werden kann, auch wenn insbesondere wegen der Stelle an der Tankseite leichte Zweifel an mir nagen. Und riecht es nicht auch etwas muffig? Die Rostentfernung verläuft gut und auch an der Seite verschwindet der Rost, hinterlässt aber einen oxidierten Kreis. Mit einer Vertiefung in der Mitte. Unter Zuhilfenahme eines Zahnstochers versuche ich heraus zu finden, wie tief diese ist. Schon ein wenig Druck reicht aus, damit der Rost nachgibt. Der Zahnstocher ist durchgestoßen. Da bleibt wohl nur der Ausbau des Tanks.

 

Unangenehme Überraschung

Unangenehme Überraschung

 

Dabei entdecken wir auch einen weiteren Grund für die Rostschäden. Um eine Kontrolle zu haben, wie weit der Tank schon gefüllt ist, haben wir vor Jahren einen elektrischen Fühler installiert. Schließlich ist nichts unangenehmer, als den Inhalt des Tanks über das Entlüftungsrohr auf das Nachbarschiff zu pumpen. Durch die Installation dieses Fühlers ist es vermutlich zu Elektrolyse in dem Tank gekommen und das Schicksal nahm seinen Lauf. Wir entscheiden uns gegen die Reparatur des alten Tanks, da er von innen noch mehr verrostet ist. Wir kehren zurück zu einem Kunststofftank, mit dem sich auch erheblich Gewicht einsparen lässt. Damit ist unsere To-Do-Liste um den Einbau eines neuen Tanks erweitert.

Aber all das spielt keine Rolle mehr, als uns aus Deutschland die traurige Nachricht vom Tod meines Vaters erreicht. Wir sind froh und dankbar, dass wir noch vor Kurzem viel gemeinsame Zeit mit ihm verbringen konnten. Natürlich reisen wir zurück nach Deutschland, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Tschö Papa, mach et joot!

 

 

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