Heimathafen verlassen vor 1770 Tage 7 Stunden 21 Minuten

Sprachübungen

 

Noch nie habe ich es so sehr bereut wie jetzt, mich entgegen aller guten Ratschläge in der siebten Klasse für Latein und nicht Französisch als zweite Fremdsprache entschieden zu haben. Zwar sind wir auch hier mit Englisch bislang gut zurecht gekommen, aber Gespräche sind doch sehr begrenzt.

So fasse ich den Entschluss, Französisch zu lernen. Die fließend Englisch sprechenden Hafenmeister halten das allerdings für überflüssig: Wenn, dann solle ich doch lieber „Tahitian“ lernen. Damit käme ich auf den übrigen Inseln viel weiter und leichter wäre es auch, da viele Worte aus dem Englischen kämen. Eine kleine Einführung folgt auf dem Fuße. Die Idee finde ich reizvoll. Wer spricht schon Reo Mao‘hi, wie die korrekte Bezeichnung lautet. Aber global betrachtet erscheint Französisch doch die sinnvollere Wahl zu sein.

So lerne ich seit Monaten mit dem Online-Sprachprogramm Duolingo und in letzter Zeit mit in Deutschland erworbenen Französischbüchern. Und tatsächlich stellen sich erste Erfolge ein: Produktinformationen sind verständlich, die ersten Zeitungsartikel ergeben einen Sinn und telefonisch kann ich mich sogar bis zum gewünschten Gesprächspartner durchfragen.

Aber richtiges Lernen findet natürlich nur unter Menschen statt. Und da unsere Nachbarn mich mehrfach fragen, ob ich nicht mit zum Aquabiking kommen möchte, vernachlässige ich die Frage, ob ich wohl so deutlich während unserer Abwesenheit zugenommen habe, und konzentriere mich lieber auf die Chance, mein Hörverständnis weiter zu üben. Das klappt im Großen und Ganzen recht gut, zumal ich auch sehe, was ich tun soll. Und es macht Spaß.

 

So geht Französisch lernen auch

 

Da die Franzosen für gutes Essen bekannt sind, ist ein beachtlicher Teil der Sprachkurse dem Bereich Nahrungsmittel und Kochen gewidmet. Was liegt da näher als ein Restaurantbesuch mit unseren französischen Freunden. Hier kann Reinhard seine Sprachkenntnisse einbringen. Für einen vorbereiteten Toast muss allerdings auch der Google-Translator ran… und alle haben ihn verstanden.

 

Restaurantausflug

 

Das ist nicht selbstverständlich, wenn Google-Translator ins Spiel kommt: Als wir nicht verstehen, welcher Teil des Rinds (z.B. Schulter oder Hüfte) für Bœuf Bourguignon verwendet wird, schlägt das Übersetzungsprogramm „Bohrfutter“ vor. Wie lecker!

 

 

Im wahrsten Sinne Regenzeit

Kreuzfahrt in der Regenzeit

 

Schon während unserer Abwesenheit haben uns unsere Bootsnachbarn berichtet, dass es auf Tahiti viel regnen würde. Und als wir spätabends aus dem Flugzeug steigen, haben wir im ersten Moment den Eindruck, die Tür zu einer Dampfsauna zu öffnen. Aber in den nächsten Tagen herrscht nur eitel Sonnenschein. Findus liegt wohlbehalten und von unserem Nachbarn Jean-Yves sogar am Wasserpass gereinigt in der Box. Die Temperaturen sind erträglich. Beste Voraussetzungen also um anzukommen. Aber nach knapp zehn Tagen ziehen trübe Wolken am Horizont auf.

In der Zwischenzeit ist unser Webmaster Gerald mit seiner Frau Kristina auf Kreuzfahrt in der Karibik unterwegs. Dort ist schließlich auch die richtige Saison dafür und die Fotos, die uns erreichen, zeigen vergnügte Urlauber und bestes Urlaubswetter. Sie haben also alles richtig gemacht. Im Gegensatz zu den Kreuzfahrtpassagieren, die in Papeete einsteigen und die günstige Nebensaison für einen Urlaub in der Südsee nutzen. Es herrscht starker NW-Wind, in Böen bis 8 Beaufort und dazu regnet es in Strömen.

 

Video: Regen, Regen, nichts als Regen

 

Die Zeitschrift des Tourismus-Office enthält eine Übersicht der An- und Ablegezeiten der verschiedenen Kreuzfahrtschiffe. Doch das Wetter scheint dieser Planung einen Strich durch die Rechnung zu machen: Das Kreuzfahrtschiff „Marina“ ist für 5:00 Uhr morgens angekündigt. Tatsächlich legt es aber schon am Vorabend gegen 18:00 Uhr an und einige Passagiere verlassen fluchtartig mit ihren Rollkoffern das Schiff. Scheint kein großer Spaß gewesen zu sein.

Das können wir uns gut vorstellen, denn bei dieser Windrichtung kommt der Schwell auch genau in die Marina. Selbst am Steg schaukelt Findus so stark, als ob wir auf See unterwegs wären. Und das sind nur die Ausläufer. Draußen muss sich eine hohe See aufgebaut haben. Am vorgelagerten Riff brechen sich große Wellen. Wir nutzen die Schaukelei für einen DVD-Abend und schauen „Kon-Tiki“, die Geschichte von Thor Heyerdahls Expedition, die bewies, dass schon vor tausenden von Jahren Menschen mit Flößen von Peru über den Pazifik gefahren sind. Das Floß zerschellte dann am Riff von Raroia, wo wir vor nicht allzu langer Zeit selbst noch waren. Die Kenntnis der Gegebenheiten und die aktuelle Schiffsbewegung lassen uns die Pazifiküberquerung auf dem Floß hautnah miterleben.

 

Video: Schiffsbewegungen

 

 

Blizzard über Tokyo

 

Nichtsahnend machen wir uns am 22. Januar gegen 11:00 Uhr auf den Weg zum Flughafen. Unser Flug nach Auckland via Brisbane ist zwar erst für 19:30 Uhr geplant, aber die Zeit ist zu knapp für einen weiteren Tag in Tokyo.

Es ist kalt, der Himmel ist grau und ein leichter Nieselregen hat eingesetzt. Ungemütlich, aber nicht außergewöhnlich. Wir vertreiben uns den Tag im Narita-Airport. Auf einer großen Leinwand wechselt sich Tourismus-Werbung mit aktuellen Nachrichten aus der ganzen Welt ab. Wir staunen nicht schlecht, als ein Bild von Martin Schulz vom SPD-Parteitag gezeigt wird. Der Text ist für uns leider nicht zu entziffern, da er ausschließlich auf japanisch ist. Zum Glück wechselt die Anzeigetafel für die abgehenden Flüge regelmäßig zwischen japanischer und lateinischer Schrift.

 

Wo steht unser Flug?

 

Wir gehen etwas essen, gucken uns in den Geschäften um und natürlich besuchen wir die Toiletten, in Japan ein ganz besonderes Highlight. Schon die Toilette in unserem Hotel hatte eine besondere Ausstattung: Neben Dusch- und Bidetfunktion ist die Klobrille beheizt. Vermutlich eine ganz besondere Extraausstattung. Für uns fühlt es sich eher so an, als ob da gerade jemand seit Stunden drauf gesessen hätte. Am Flughafen fehlt dieses Extra. Aber dafür gibt es auf der Damentoilette eine andere Besonderheit. Zuerst denke ich, dass hier Musik abgespielt werden kann.

Und ganz verkehrt liege ich damit nicht, denn hier kann der „Flushing Sound“ eingeschaltet werden. Wir hatten schon vor langer Zeit einen Bericht darüber gesehen, dass der Wasserverbrauch in Japan sehr hoch war, weil Japanerinnen während der Toilettenbenutzung ständig auf die Klospülung drücken um damit etwaige Geräusche zu übertönen. Deshalb wurden die Toiletten mit diesem ganz besonderen „Soundsystem“ ausgestattet. Es kommt mir doch ziemlich bizarr vor.

 

Toilettenaustattung in Japan

 

 

Um 16:00 Uhr öffnet der Qantas Schalter und wir checken frohen Mutes ein. Am Gate steht ein Fernseher, auf dem ein Sumoringer-Wettkampf läuft. Während Reinhard sich auf einer Bank ausruht, schaue ich mir das Spektakel eine Weile an. Zwischendurch gibt es immer wieder Berichte von Schneefall irgendwo in Japan. Denke ich. Die Fenster am Gate sind beschlagen, draußen hat die Dämmerung eingesetzt. Eigentlich sollte langsam das Boarding beginnen, tut es aber nicht. Hinter mir steht der Flugzeugkapitän und telefoniert. Ich höre etwas von jeder Menge Probleme und so langsam fangen die Wartenden an zu verstehen, dass es kein Schneefall irgendwo in Japan ist, sondern ein Blizzard, also ein ausgewachsener Schneesturm, über Tokyo und leider auch über dem Narita-Airport.

 

Unsere Maschine im Schnee

 

Die folgende Informationspolitik macht uns nicht gerade glücklich und zufrieden. Regelmäßig gibt es Durchsagen, dass im Moment keiner weiß, wie es weitergehen soll. Danke für Ihre Geduld!

Dann hält der smarte Co-Pilot eine kleine Rede. Der Flug fällt aus, aber es wird noch auf die Entscheidung gewartet, ob unser Gepäck wieder entladen wird. Bitte bleiben Sie am Gate. Danke für Ihre Geduld!

Mittlerweile ist es 23:00 Uhr. Es werden Decken und ca. fünf Kopfkissen verteilt. Langsam werden wir hungrig. Zum Glück hat noch ein kleiner Shop geöffnet. Sandwichs sind natürlich aus, aber Instant-Nudelgerichte gibt es noch. Sie kochen für uns Gestrandete auch das Wasser. Leider ist die Schlange lang und der Wasserkocher erstaunlich langsam. Als ich endlich unsere heißen Nudelportionen in der Hand halte kommt prompt die Durchsage, dass wir jetzt vom Personal hinuntergeführt werden. Was soll das denn heißen?

Captain und Crew sind schon längst weg und die Belegschaft am Schalter weiß auch nicht so richtig was passiert. Auf meine Frage, was uns denn unten erwarten würde, erhalte ich ein wenig aufschlussreiches Schulterzucken.

Wie die Lemminge setzen wir uns in Bewegung. Ich kleckere mit den heißen Currynudeln so vor mich hin. Vorsichtig ausgedrückt war meine Stimmung schon mal besser. Von Qantas ist niemand in Sicht. Das Personal von Japan Airlines gibt sich dagegen redlich Mühe uns weiterzuhelfen. Letztendlich müssen wir unser Gepäck abholen, wieder zur Immigration („nicht ausgereist“ prangt jetzt in unseren Pässen) und durch den Zoll. In der Eingangshalle werden Schlafsäcke, Wasser und Cracker verteilt. Anschließend suchen wir uns ein kuscheliges Plätzchen auf dem kalten Flughafenboden. Gar nicht so einfach, bei mehreren Tausend. Tatsächlich finden wir ein paar Stunden Schlaf.

 

 

In der Zwischenzeit hat meine Schwester Brigitte mit „Reisefieber“, dem Hamburger Reisebüro, das unsere Reise organisiert hat, gesprochen. Im Gegensatz zu Qantas erweist sich „Reisefieber“ als überaus hilfreich und teilt uns unsere voraussichtliche neue Flugzeit mit. Um 14:00 Uhr soll es nach Brisbane gehen. Ankunftszeit dort 23:50 Uhr, Weiterflug nach Auckland am nächsten Tag um 8:15 Uhr. Sollte uns da etwa noch eine weitere Nacht auf einem Flughafen bevorstehen?

Beim Einchecken fragen wir nach einem Hotelgutschein für die bevorstehende Nacht und bitten um Organisation der Unterbringung. Dabei sehen wir unsere Situation schon sehr realistisch: Landen um 23:50 Uhr, Gepäck abholen, Immigration und Zoll und rechtzeitig am nächsten Tag wieder zum Einchecken am Flughafen sein lässt nicht viel Zeit für einen Hotelbesuch. Der scheinbar einzige Mitarbeiter von Qantas ist gegen 11:00 Uhr vor Ort. Er nimmt sich unseres Problems an und tatsächlich werden wir auf einen Direktflug mit Air New Zealand von Tokyo nach Auckland umgebucht.

Was er uns nicht erzählt, ist, dass es natürlich auch bei Air New Zealand einen Flugausfall gab. Vor dem Schalter wartet schon eine riesige Schlange, um für den Flug um 18:30 Uhr einzuchecken. Wir erzählen mehrmals brav unsere Geschichte von Flugausfall und Umbuchung und werden einer Schlange zugewiesen. Da wir auch Opfer des gestrigen Flugausfalls sind, sollen wir selbstverständlich mitkommen. Nach drei Stunden Anstehen wähnen wir uns endlich am Ziel. Der erste Koffer liegt auf der Waage als wir freundlich darüber aufgeklärt werden, dass wir von Qantas auf den heutigen Flug (23.01.) umgebucht worden seien, dieser aber aufgrund der Aufarbeitung des Flugausfalls vom gestrigen Tag auf den 24.01. verschoben sei. Ich glaube, mich zu verhören. Aber mir wird bestätigt, dass wir auch die nächste Nacht auf dem Flughafen verbringen dürfen.

Wir sind seit Tagen unterwegs, das Jetlag ist deutlich zu spüren und bei dieser Aussicht steigt mein Adrenalinspiegel deutlich an. Es folgt eine intensive Diskussion mit dem Chef vom Dienst, an dessen Ende unsere Boardingpässe stehen. (Anm. R.: Seitdem ich Karen kenne, habe ich noch nie so einen „temperamentvollen“ Auftritt von ihr erlebt. Und das noch auf Englisch.)

Mit dem „Final Call“ erreichen wir das Flugzeug und können unser Glück kaum fassen, tatsächlich abzuheben.

Wir kommen gut in Auckland an, unser Gepäck leider nicht. Auch egal. Wir sind so müde, dass wir im Stehen schlafen könnten und ein Blick auf unsere Gepäckscheine zeigt uns, dass das Gepäck bis nach Papeete eingecheckt wurde. Trotzdem bestehe ich zu Reinhards Leidwesen auf einen Besuch beim Serviceschalter. Gegen 13:00 Uhr sind wir endlich im Hotel. Hier wollen wir nur kurz ein bisschen ausruhen und dann mit dem Bus nach Auckland fahren. Um 16:00 Uhr wache ich das erste Mal auf. Allerdings nicht für lange. Um 22:00 Uhr werden wir beide wach. Das war es wohl sowohl mit Auckland als auch mit Abendessen. Wir schlafen weiter.

Zum Glück herrscht beim Abflug klare Sicht, so dass wir noch ein bisschen von Neuseeland zu sehen bekommen.

 

Neuseeland von oben

 

Wir sind im Flugzeug in bester Stimmung. Sind wir doch traditionell polynesisch mit Blumen begrüßt worden.

 

Südseefeeling

 

Und auch am Flughafen in Papeete werden wir wunderbar in Empfang genommen: Eine kleine Musikgruppe spielt und unser Nachbar Françoise, der uns vom Flughafen abholt, hängt uns zur Begrüßung Blumenkränze um den Hals. Wir haben das Gefühl nach Hause zu kommen. Unser Gepäck ist übrigens auch mit uns angekommen. Hat Reinhard ja gleich gesagt.

 

 

Tokyo

 

Wir landen mit einem neuen Finnair Airbus 350-900 morgens in Tokyo. Es ist genauso kalt wie in Helsinki, nur hier liegt kein Schnee. Der liegt aber auf den hohen Bergen.

Freundlich werden wir durch das Einreiseprozedere geleitet. Fotos, digitale Fingerabdrücke, Ausfüllen von Einreise- und Zollfragebögen und immer wieder Warteschlangen sind angesagt. Das japanische Lächeln hält uns bei Laune und irgendwann haben wir in unseren Pässen eine Aufenthaltsgenehmigung für 90 Tage. Unsere Sorgen, jetzt den richtigen Shuttlebus zum Hotel zu finden, entpuppen sich als unbegründet. Nämlich, neben den japanischen Schriftzeichen sind alle Informationen auch in Englisch zu finden.

Die weltweit größte Metropolregion erscheint uns auf den ersten Blick als saubere Stadt. Es gibt auch keinen Smog, der kommt kurioserweise lediglich bei bestimmten Windlagen über die Japanische See von Peking herüber. Die meisten Japaner fahren mit dem Zug oder mit dem Bus. Allein 3,2 Mio. Pendler passieren täglich den Bahnhof Shinjuku.

Das Miteinander hier ist rücksichtsvoll und freundlich. Die Kriminalitätsrate ist niedrig und Frauen können auch nachts alleine unterwegs sein. Bei der Stadterkundung orientiert man sich eher an markanten Hochhäusern, als an Straßennamen. Auffällig sind die vielen Restaurants, die preiswerte Gerichte mit hoher Qualität anbieten. Übrigens, in Japan gibt es auch kein Trinkgeld. Kurzum, uns gefällt es in Japan nach diesem kurzen Einblick.

 

 

Goodbye Germany

 

Unsere Abreise aus Deutschland verzögerte sich leider etwas, da über die Feiertage mit unserem „Round the World Ticket“ keine akzeptablen Anschlussflüge zu bekommen waren. Dank unserer Freunde konnten wir noch einmal in Flensburg unterkommen. Das entwickelte sich aber zunehmend zum „betreuten Wohnen“, denn Nieselregen und Schnee bescherten uns nacheinander eine Erkältung. Temperaturen um die 0 Grad sind wir einfach nicht mehr gewohnt.

Vielen lieben Dank Catrin, Markus und Euren Kindern für die Fürsorge und die tolle Zeit, die wir bei Euch hatten.