Heimathafen verlassen vor 1953 Tage 3 Stunden

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Findus an Land

 

Unser letzter Werftaufenthalt liegt schon anderthalb Jahre zurück und so ist es dringend an der Zeit, Findus wieder mal an Land zu bringen. Zunächst überlegen wir, dies auf Tahiti zu tun. Aber so richtig überzeugen uns weder die Werft in Papeete noch in Taravao. Dagegen haben wir viel Gutes über die Werften auf Raiatea gehört, welche unmittelbar nebeneinander liegen. Außerdem soll die kleinere Werft „Chantier Naval des Iles sous le Vent“, kurz C.N.I., auch deutlich günstiger als die Werften auf Tahiti sein. Für Anfang Mai bekommen wir hier einen Termin.

Zu der Werft gehört ein Teil der Marina Uturaerae, sowie mehrere Mooringe vor der Marina. Zwei Tage vor und zwei Tage nach dem Slippen können wir theoretisch umsonst in der Marina liegen. Da vor dem Slippen aber kein Platz frei ist, legen wir uns für eine Nacht an eine Mooring. Ebenfalls kostenlos. Hier lässt es sich gut auf das Slippen warten.

 

Guter Platz

 

Gemanagt wird der Betrieb von Karin, die tatsächlich sehr gut Deutsch spricht. Wie schon auf Grenada erfolgt das Slippen mit einem Traktor, der über eine Seilwinde einen Hubwagen mit Bock ins Wasser lässt. Als wir uns mit Findus dem Bock nähern, steht tatsächlich ein Einweiser direkt vor uns im Wasser, der später auch tauchend die richtige Position überprüft und Findus sichert.

 

Ungewöhnliche Einweisung

 

Alles verläuft reibungslos. Pünktlich zum Feierabend stehen wir an Land. Trotzdem kommt noch ein Mitarbeiter um das Unterwasserschiff mit dem Hochdruckreiniger zu säubern. Er arbeitet bis Sonnenuntergang. Für uns besteht also erstmal keine Möglichkeit, am Schiff zu arbeiten und so gönnen wir uns lieber ein kaltes Hinano auf das erfolgreiche Slippen.

 

Fernsterln bei Seglern

 

Bislang habe ich mich erfolgreich vor der Erfahrung gedrückt, während des Werftaufenthaltes an Bord zu schlafen. Die sanitären Anlagen sind in der Regel wenig einladend und alles an Bord ist ein wenig umständlicher. Aber der Preis für das uns von Freunden empfohlene und in der Nähe liegende Hotel beträgt 200 Euro pro Nacht und die Ferienwohnungen in der Nähe sind schon belegt. Außerdem bräuchten wir dann die ganze Zeit ein Auto. Wir entschließen uns, dieses Geld lieber für andere Dinge zu sparen. Eines davon ist der am nächsten Tag spontan gefasste Beschluss, das Antifouling diesmal streichen zu lassen, zumal das Produkt für Profis hergestellt wird und bestimmte Sicherheitsvorkehrungen zu beachten sind. Zum Glück ist das so kurzfristig möglich. Allerdings auch nur, weil der Mitarbeiter anbietet, die Arbeiten am Wochenende auszuführen. Wir bereiten also das Unterwasserschiff für den Anstrich vor. Es muss an einigen Stellen angeschliffen und gespachtelt werden. Außerdem wird der alte Antifoulinganstrich der auch Elektrolyse verhindernden Spezialfarbe vom Propeller und der Welle abgeschliffen, ein Primer aufgetragen und dann neu beschichtet.

Da klar ist, dass wir nicht vor Montag zurück ins Wasser kommen, nutzen wir den Freitag für einen Ausflug mit dem Auto. Es regnet sowieso immer wieder, weshalb das noch anstehende Polieren des Rumpfes an diesem Tag auch nicht möglich ist. Also machen wir uns auf, Raiatea auf ihrer 98 km langen Küstenstraße zu umrunden.

Raiateas ursprünglicher Name lautet Havai’i. Sie wird als die heilige Insel bezeichnet, denn für die Polynesier gilt sie als die Wiege der Mā‘ohi Zivilisation. Von hier aus startete vor über tausend Jahren die Besiedlung Polynesiens u.a. bis nach Neuseeland, Tonga und Hawaii. Das Gebiet wird durch eine Krake symbolisiert, deren Zentrum in Havai‘i, also Raiatea, liegt.

 

Polynesische Krake

 

Die Insel war das Machtzentrum. Auf dem größten Marae Polynesiens, Taputapuātea, wurde die Entscheidung zur Besiedlung anderer Länder getroffen. Die Stätte gehört seit 2017 zum Weltkulturerbe und ist natürlich Ausflugsziel. Ein beeindruckender Ort.

 

Taputapuātea

 

Weiter geht es, vorbei an grüner Landschaft und Wasserfällen.

 

Grüne Insel

 

Zwischendurch lässt sich auch mal die Sonne blicken. Das ist besonders gut für die Unterstützer der Parteien, die bei der am Sonntag stattfindenden Territorialwahl antreten. Im Hauptort Uturoa stehen viele Menschen direkt an der Straße und schwenken die Fahnen ihrer Partei vor den vorbeifahrenden Autos. Man stelle sich so eine Wahlwerbung in Deutschland vor.

 

Wahlwerbung

 

Am nächsten Tag hat der Schlendrian ein Ende. Das Wetter ist trocken. Zeit, für die dringend notwendige Politur des Rumpfes. Bei unserem letzten Werftaufenthalt haben wir uns dazu entschlossen, Findus nicht an Land sondern später vom Dinghy aus zu polieren. Eine wirklich schlechte Idee, die wir nicht wiederholen möchten. Dreimal müssen wir den Rumpf bearbeiten: Mit Wasser abwaschen, erstes Produkt für die Beseitigung ausgekreideter Stellen, zweites Produkt für den Glanz und den UV-Schutz. Bei der Hitze ein ziemlich strammes Programm. Alle 1,5 m muss das Gerüst abgebaut und umgestellt werden. Das trainiert ordentlich die Oberarme, wie das Polieren an sich natürlich auch. Irgendwie muss ich immer an „Karate Kid“ denken.

 

Polierarbeiten

 

Zum Glück ist es nur ein kurzer Fußweg bis zu dem kleinen Restaurant Snack Mimosa, ein absolutes Highlight für alle Segler an Land. Hier gibt es für einen günstigen Preis unglaublich große Portionen. Und das Essen schmeckt auch noch sehr gut. Besonders zu empfehlen ist der Thunfischspieß mit Pommes und Salat, aber nach einem langen Poliertag ist mir nach einer Portion „Chao Men“.

 

Belohnungsessen

 

Am Sonntag ist dann der Antifoulinganstrich dran. Dem Mitarbeiter eilt ein sehr guter Ruf voraus. Von anderen Seglern haben wir in den letzten Tagen immer wieder gehört, wie unglaublich fleißig und gut er arbeitet. Wir können das nur bestätigen.

 

Streicharbeiten

 

Am Montagmorgen ist Findus wie neu und bereit zum „Splash“.

 

Wieder schick

 

Bevor es aber zurück ins Wasser geht, bezahlt Reinhard die Rechnung. Und staunt nicht schlecht: Es ist der bislang günstigste Werftaufenthalt unserer Reise. Und zwar inklusive Antifoulingfarbe, die wir nach Verbrauch bezahlt haben. Das Slippen ins Wasser verläuft reibungslos. Und bevor wir endgültig vom Haken gelassen werden, kontrollieren Taucher noch, ob der Propeller einwandfrei im Vorwärts- und Rückwärtsgang läuft. Alles funktioniert tadellos und auch alle Ventile sind dicht. Für die Aufräumarbeiten an Bord bleiben wir noch ein paar Tage in der Marina. Wir können die Werft „Chantier Naval des Iles sous le Vent“ – C.N.I. absolut empfehlen.

 

 

Ankunft auf Raiatea

 

Nach einer unspektakulären zwanzigstündigen Überfahrt, die mit gutem Wind startet, aber letztendlich doch zu einer langen Motorfahrt wird, erreichen wir Raiatea. Raiatea und ihre Nachbarinsel Tahaa teilen sich eine von einem Riff umgebene Lagune. Die Zufahrt ist durch mehrere Pässe möglich. Wir entscheiden uns für den im Osten von Raiatea gelegenen Irihu Pass. Zwischen zwei kleinen Motus geht es durch die schmale Einfahrt.

 

Motu Irihu

 

Wir wollen in die Fa’aroa Bucht, wo man mit dem Dinghy den Fluss Fa’aroa befahren kann. Ziemlich weit unten finden wir einen gut geschützten Ankerplatz, direkt vor dem „Kopf der schlafenden Frau“, wie die Einheimischen den Berg nennen.

 

Schlafende Frau

 

In der Bucht ist es angenehm kühl und Findus liegt fast bewegungslos. Optimale Bedingungen, um nach der Überfahrt richtig erholsam zu schlafen.

Am nächsten Tag geht es mit dem Dinghy auf den Fluss. Würden nicht überall Palmen stehen, könnten wir auch auf einem deutschen Gewässer unterwegs sein.

 

Video: Flussfahrt

 

Für uns stellt die Landschaft eine willkommene Abwechslung dar.

 

Impressionen vom Fa’aroa

 

Am Rande des Flusses soll auch ein botanischer Garten sein. Wir sehen auf der rechten Seite einen offensichtlich neu gebauten Anleger, aber keinen Hinweis, dass sich dahinter ein für die Öffentlichkeit zugänglicher Ort befindet. Wir setzen unsere Fahrt daher erstmal fort und fragen kurz darauf einen Mann, der uns freundlich vom Ufer zuwinkt, wo wir den Garten finden. Er zeigt In die Richtung, aus der wir kommen. Also doch hinter dem neuen Betonsteg. Wir fahren trotzdem weiter den Fluss hinauf, bis es zu flach wird und vom Ufer immer mehr Baumstämme ins Wasser ragen. Auf der Rückfahrt treffen wir wieder auf den freundlichen Polynesier, der uns zu verstehen gibt, dass der botanische Garten geschlossen sei. Aber wenn wir möchten, zeigt er uns seinen Garten, der genau gegenüber der Anlegestelle vom botanischen Garten liegt. Der „Garten“ von André ist 2 ha groß. Eingebettet in die Landschaft baut er hier, ausschließlich für seine Familie und nicht für den Verkauf, Orangen, Papaya, Mango, Auberginen, Pacay, verschiedene Sorten Taro und Süßkartoffeln, Tomaten, Ingwer und noch vieles mehr an. Auch exotische Blumen gibt es in großer Zahl. Eine davon ist die Pinocchio-Blume. Und warum sie so heißt, demonstriert uns André gerne.

 

Polynesischer Pinocchio

 

André buddelt für uns auch Taro aus und holt frische Kokosnüsse vom Baum. Frischer geht es nicht.

 

Frisch vom Baum

 

Eine andere Sorte Kokosnuss wird geöffnet, die gar kein Wasser, sondern nur einen süßlich schmeckenden weichen Kern enthält, der in der Konsistenz an Zuckerwatte erinnert. Ummantelt ist dieser Kern von festem Kokosfleisch. André klärt uns darüber auf, dass dies die Kokosnuss zur Herstellung von Kokosmilch sei.

 

Und noch eine Kokosnuss

 

Die Überreste benutzt er zum Anlocken von Schweinen, die er mit einer simplen Falle fängt. Dabei gerät das Schwein mit dem Fuß in eine Schlinge, die sich zuzieht und es quasi an die Leine legt. Verletzt wird es dabei nicht.

André ist sehr stolz auf seinen Garten im Paradies, der seine Familie mit zwei Kindern komplett ernährt und wir freuen uns über die Gastfreundschaft, die uns zuteil wird. Zum Dank bietet Reinhard seine Dienste als neue Hühnerscheuche an.

 

Hühnerscheuche

 

Aber davon will André nichts wissen. Lieber lässt er uns zum Abschied frischen Hibiskusnektar probieren. Der wird direkt aus dem Ansatz der Blüte gesaugt. Ein ganz besonderer Nachtisch.