Heimathafen verlassen vor 1770 Tage 7 Stunden 34 Minuten

Archiv für Juli 2017

Haialarm!

Haialarm

 

Wir sind zurück auf Moorea. Diesmal liegen wir am Anfang der Bai d’Opunohu vor Anker. Ein idyllisches Plätzchen.

 

Bai d’Opunohu

 

Ein wenig getrübt wird die Schönheit des Ankerplatzes durch Ausflugsboote und Sea-Doos, die mehrmals täglich durch die Ankerbucht sausen und dabei erheblichen Schwell verursachen. 5 Knoten sind in diesem geschützten Gebiet maximal erlaubt und vor ein paar Tagen hat sogar die Gendarmerie gut getarnt zwischen den Booten auf der Lauer gelegen, aber das führte auch nur zu einer kurzzeitigen Beruhigung. Die Urlauber im nahegelegenen Hilton scheinen das Angebot rege anzunehmen. Wer kann es ihnen verdenken? Im Gegenzug statten wir dem Hilton auch einen Besuch ab.

 

5 Sterne Urlaub

 

Sehr angenehm, aber uns zieht es doch mehr in das „Lilikoi Garden Café“. Laurence bietet hier seit einigen Jahren täglich von 11.00 Uhr bis 15:00 Uhr Lunch an. Zum Nachtisch gibt es selbst hergestelltes Eis und „garniert“ wird der ganze Besuch von dem für uns so kostbaren Wifi. Im kleinen „My little coconut shop“ gibt es Perlenschmuck, T-Shirts und Flohmarktartikel. Eine Oase im Schatten, die zu Recht schon mehrere TripAdvisor Auszeichnungen erhalten hat.

 

Oase unter Palmen

 

Aber vor allem zieht es uns nach so langer Zeit im Hafen von Papeete wieder ins klare Wasser. Endlich wieder vom Boot aus schwimmen gehen. Außerdem gibt es in der Nähe einen Pass, in dem die Rochen ganz nahe ans Ufer kommen. Sogar füttern und anfassen soll möglich sein. Mit dem Dinghy geht es morgens früh zu dem 1,5 Seemeilen entfernten Platz. Wir können an einer Boje festmachen und theoretisch könnten wir im Wasser stehen. Doch man sollte besser aufpassen, wo man hintritt, denn die Rochen sind wirklich überall.

 

Gut getarnt unterm Dinghy

 

Majestätisch ziehen sie ihre Bahnen.

 

Einer von vielen

 

Sie kommen tatsächlich so nah, dass ich sie anfassen kann. Kein bisschen glitschig, eher samtweich. Reinhard hat an soviel Nähe kein Interesse. Insbesondere nicht zu den anderen Meeresbewohnern, die sich hier ebenfalls in großer Zahl und beachtenswerter Größe tummeln: Blacktip Reef Sharks kreisen unter unserem Dinghy. Nachdem die Haie kein großes Interesse an mir zeigen, traut sich auch Reinhard nach einigen Minuten ins Wasser. Dabei vermeidet er penibel jede hektische Bewegung.

 

Reinhard bei den Haien

 

Ein bisschen merkwürdig kommt es uns schon vor, von so vielen Haien umgeben zu sein. Unter Beachtung einiger Verhaltensregeln sollten sie allerdings keine Gefahr darstellen.

 

Video: Rochen gesucht, Haie gefunden

 

Als ich meiner Mutter via Satellitentelefon von diesem Erlebnis berichte und sage: „Die tun nichts, die wollen nur spielen.“ erinnert sie mich daran, dass das einer der meist gesagten Sätze von Hundebesitzern ist. Hoffentlich kommt es nicht zum zweit meist gesagten Satz: „Das hat er ja noch nie getan.“

 

 

 

Eine neue Ankerwinsch für Findus

Winscheinbau

 

67 Jahre alt ist sie. Unsere „mechanische Ankerwinsch“. Nahezu wartungsfrei und anstelle von regelmäßigem Fetten reicht ein Bier, wenn der Anker sitzt. Zuverlässig hat sie in all den Buchten in der Ostsee gearbeitet und auch die meisten Ankerplätze der Karibik waren kein Problem.

Hier im Pazifik, wo wir oftmals auf mehr als 15 m Ankern müssen, hat sie der Enthusiasmus etwas verlassen. Manchmal ist der Ankergrund nur scheinbar gut. Erst wenn der Anker unten ist, merken wir, dass dort nur ein bisschen Sand auf Felsen liegt. Der Anker muss dann wieder hoch.

Spätestens nach dem dritten Mal wird die „Ankerwinsch“ unwirsch. 50 m Kette und der Anker haben ihr Gewicht und wenn der Anker schon über dem Grund schwebt, wird es am schwierigsten. Sitzt der Anker, ist der Captain nicht dazu zu bewegen, in der gleichen Bucht den Ankerplatz zu wechseln. Auch wenn an anderer Stelle das bessere Schnorchelrevier oder die schöneren Palmen sind.

Die Idee, die mechanische Ankerwinsch gegen eine elektrische zu tauschen, wird daher mit Begeisterung aufgegriffen. Und dann gibt es in Papeete bei „Sin Tung Hing – Marine“ auch noch genau die Richtige. Soweit der einfache Part.

Der Einbau hat es dann in sich. Wo das Loch sägen? Wie sollen die Kabel verlegt werden? Und wie die Schrauben durch die neue Inspektionsluke, die nur Platz für eine Hand lässt, anziehen? Wir wollen gar nicht in die Einzelheiten gehen.

Auf jeden Fall hat der Einbau einschließlich Laminierarbeiten fünf Tage gedauert: Viel Kriecherei, viele Kratzer aber auch viele hilfsbereite Mitsegler und zum Schluss einen neuen Akku-Winkelschleifer und eine neue Stichsäge.

Jetzt heißt es endlich: „Leinen los und ab in die nächste Ankerbucht“.

 

Stolzer Captain

 

 

 

Tahiti-Moorea Sailing Rendez-Vous

 

Zum Konzept des Segel-Ereignisses auf Tahiti und Moorea gehören der große Abschluss des „Pacific Puddle Jump“, vielfältige kulturelle Veranstaltungen sowie Promotion vieler Sponsoren, z.B.Tourisme Tahiti, AirTahitiNui, Latitude 38 (Segelmagazin) und Marinas. Zudem bietet sich für Segler die Gelegenheit, andere Pazifiküberquerer zu treffen bzw. wieder zu treffen.

Am Freitag gibt es zunächst jede Menge Informationen. Die Sponsoren von Neuseeland und Fiji präsentieren ihre Marinas und Werften. Der wirtschaftliche Wert der Segler scheint groß zu sein, denn schon vor der Abreise gab es eine Feier mit Präsentationen der Partner in der Shelter Bay Marina in Panama. Hier waren wir allerdings nicht dabei und insofern begrüßen wir die Möglichkeit, Informationsmaterial zu erhalten und Gespräche zu führen.

 

Auftakt

 

Australien ist kein Sponsor und von daher nicht vertreten. Aber schon Tage vorher werden wir von einem australischen Yachthändler angesprochen, der uns ebenfalls Informationsmaterial aushändigt und uns von den Vorteilen der Übersommerung in Australien zu überzeugen versucht. Seglerisch ist es in der Tat die einfachere Strecke und einen Moment sind wir verunsichert. Aber ein kurzer Vergleich der Klimatabellen lässt uns bei unserer Entscheidung bleiben. Die Broschüre von ihm behalten wir trotzdem, da die humorvolle Art der vergleichenden Werbung mit Neuseeland einen echten Unterhaltungswert hat.

Ein Skipperbriefing zum Segeln in den Leeward Islands, zu denen der noch vor uns liegende Teil der Gesellschaftsinseln zählt, gehört ebenfalls zu den Informationen. Auch hier ist die „Slacktide“ (der Stillstand zwischen den Tiden) die richtige Zeit, um in die Pässe einzufahren. Allerdings hat die Rechnerei ein Ende: Auf den Gesellschaftsinseln richtet sich die Tide nicht nach dem Mond. Hier spricht man von der „Sonnentide“ und Hochwasser ist immer um zwölf Uhr mittags und um Mitternacht.

Das Abendprogramm wird von der Begrüßung der Ministerin für Tourismus eingeleitet. Bei ihren Worten geht uns schon ein bisschen das Herz auf, erinnert sie uns doch daran, dass wir eine alte Tradition fortsetzen; einerseits der Polynesier, die von Südostasien zu den Inseln in ihren Auslegerkanus starteten, andererseits die der Entdecker Wallis, Cook, Bligh und Bougainville.

Da Tanz und Trommeln eine große kulturelle Rolle spielen, darf natürlich eine Tanzvorführung zum Abschluss des Abends nicht fehlen. Die eigens von Nuku Hiva/ Marquesas eingeflogenen Tanzgruppen bieten eine beeindruckende Performance.

 

Tänzer von Nuku Hiva

 

Am Samstag startet die Rallye mit 35 Booten von Tahiti zu der 15 Seemeilen entfernten Insel Moorea. Vielleicht hätte es uns stutzig machen sollen, dass bereits angekündigt wird, die Ziellinie vorzuverlegen, falls wir es sonst nicht bis 15:00 Uhr nach Moorea schaffen. So starten wir, übrigens als einziges Boot unter deutscher Flagge, um 10:00 Uhr bei schwachen Winden.

 

Rallyefeld

 

Der Wind kommt direkt von vorn. Das ist ungewöhnlich für Pazifiksegler, die eher mit achterlichen Winden segeln. Für die meist mit zwei Vorsegeln auf Rollanlagen ausgerüsteten Schiffe bedeutet das bei diesen schwachen Winden ein für Regatten doch sehr untypisches Manöver: Die auf der vorderen Rollanlage angebrachte Genua muss erst komplett aufgerollt werden, bevor sie auf der anderen Seite wieder ausgerollt wird. Nur so kann sie an der inneren Rollanlage vorbeigebracht werden.

Aber wir sind ja mehrfach darauf hingewiesen worden, dass es eben keine ernsthafte Regatta, sondern eine Rallye ist. Trotzdem packt uns der Ehrgeiz und mit unserem kleinen Schiff liegen wir auf einem guten mittleren Platz. Dann flaut der Wind ab und die Yachten fahren sich in den Wellen fest.

Nachdem wir fünfmal in fünf Minuten das Segel ein- und ausgerollt haben und wirklich nach jedem Ausrollen feststellen, dass der Wind immer von der Seite kommt, auf der das Segel steht, zweifeln wir schon an unseren Fähigkeiten. Wir sind allerdings nicht die Einzigen, denn über Funk erreicht die Teilnehmer plötzlich die Frage, ob denn wohl irgendjemand wisse, von welcher Richtung der Wind käme.

Nach zweieinhalb Stunden haben wir uns gerade 7,3 sm von Papeete entfernt. Bei jeder Welle, die unter uns durchläuft, schlagen, killen und leiden die Segel laut. Da ist es nicht verwunderlich, dass fast alle Schiffe unter Motor weiterfahren und nur das Großsegel zur Stabilisation stehen lassen. Häufig kann man nur die Masten der Mitsegler in den Wellen sehen.

 

Video: Wo ist der Nachbar?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am Ende erreichen nur zwei Boote unter Segeln Moorea. In dem Fall bedeutet das auch noch zwei erste Plätze in den Kategorien Monohull und Multihull. Dabei sein ist doch alles.

In der Cooksbay werfen wir in der Spitze der Bucht den Anker. Hier liegen wir vollkommen geschützt und, wie die Nacht zeigen wird, in einer kühlen Bucht. Das Dinghy wird aufgepumpt, der ein oder andere Plausch mit den Nachbarliegern gehalten und eine Verabredung zum Musik machen getroffen. Dann heißt es „Klar zum Landgang“. Im Bali Hai Hotel gibt es Cocktails, Dinner und eine Aufführung der Feuertänzer Mooreas steht auf dem Programm.

 

Feuertänzer

 

Der Sonntag startet mit einem besonderen Service: Wir bekommen frische Baguettes kostenlos direkt ans Schiff geliefert. Ein guter Start für einen Tag voller Aktivitäten. Erster Programmpunkt ist ein Rennen der Segelcrews in den typischen polynesischen Auslegerkanus mit sechs Sitzen. Dabei sitzen vorn und hinten einheimische Jugendliche, die für das Tempo und das Lenken zuständig sind. Doch zunächst werden die Boote vom Zeremonienmeister, der uns durch den Tag begleiten wird, gesegnet.

 

Zeremonienmeister

 

Nun gibt es mehrere Starts mit jeweils vier Booten. Die Besten kommen jeweils eine Runde weiter, bis schließlich das Finale stattfindet. Unser Team scheidet leider aus und wir schauen uns die weiteren Läufe an. In einem Boot sitzen wahre ehrgeizige Sportler und wir staunen über die hohe Schlagzahl, den gekonnten Wechsel der Ruder auf die andere Seite und die einwandfreie Wende an der Boje. Unter lautem Gejohle und Klatschen läuft dann im Finale diese Crew auch als Siegerboot ein. Ansonsten stehen Flechten von Palmenwedeln, Tanzen im tahitischen Stil, Wettrennen mit Bananenstauden, Batiken, Kokosnussschälen und die Hebetechnik schwerer Steine auf dem Programm.

 

Aktivitäten

 

Ein traditionelles „Ma’a“ Lunch mit typischen polynesischen Gerichten rundet die Veranstaltung ab. Zum Schluss gibt es noch eine kleine Tanzveranstaltung und ein handgearbeitetes Erinnerungsstück für die Teilnehmer.

 

Skipper mit Muschelkunst

 

Wir finden das „Tahiti-Moorea Sailing Rendez-Vous“ vollkommen gelungen. Nach so vielen Wochen der Einsamkeit auf dem Pazifik ist dies eine perfekte Abwechslung mit vielen neuen Bekanntschaften. Und dann gibt es quasi als privaten Abschluss noch das Musizieren mit anderen Crews.

Gemeinsame Erlebnisse und Interessen verbinden eben weltweit.

 

Abschluss