Heimathafen verlassen vor 1862 Tage 20 Stunden 39 Minuten

Tonga im Wandel

Megayacht „Aquijo“; 87x15m; Cayman Islands

 

Neiafu hat nur einen kleinen Hafen. Kreuzfahrtschiffe und Megayachten müssen deshalb vor Anker liegen. Tausende von Besuchern werden aber mit Börtebooten (Tender) übergesetzt und im Hafen mit einem traditionellen Kunsthandwerk-Markt empfangen und die Brass-Band der Schule spielt Rock‘n Roll und Glenn Miller Hits dazu.

 

 

Die drei Inselketten von Tonga wurden schon vor 2000 Jahren bevölkert und sind trotz vieler Übernahmeanstrengungen stets unabhängig geblieben. Allerdings tobten auf den Inseln bis zur Errichtung eines Königreichs Mitte des 19.Jh. erbitterte Stammesfehden. Zunächst zeigten die Niederlande und Großbritannien Interesse, 1876 auch Deutschland, das Kriegsschiffe stationieren durfte. Tonga erhielt jedoch 1900 in einem Freundschaftsvertrag den Schutz der Briten, ist Mitglied im Commonwealth und in den UN.

 

Erinnerung an die Rückgabe der Insel

 

Im Park von Neiafu auf Vava’u stoßen wir auf ein Denkmal. Es erinnert an die Übergabe der 160 Inseln an Gott durch König George Tupou V. Damit wurde das Feudalsystem im Jahre 2008 beendet und eine Demokratie eingeführt. Die Christianisierung zeigt auch heute noch deutliche Auswirkungen bei den 120.000 Einwohnern Tongas, aber wohl noch stärker ausgeprägt auf Samoa, das nördlich liegt. Die Kleidung ist nicht so freizügig wie in anderen Ländern des Pazifiks. Sonntags dürfen keine Geschäfte gemacht werden, auch sportliche Aktivitäten sind verboten. Und angeblich taucht man auch nicht unter einem Schiff durch, wenn eine Frau an Bord ist.

Das Leben ist sehr gemächlich und die Menschen sind sehr freundlich. Die Infrastruktur ist trotz enormer Zuschüsse, auch aus der EU, noch stark verbesserungsbedürftig. Geschäfte, Restaurants, Tauchschulen und Bootscharter (z.B. Sunsails und Moorings Yacht Charter) werden zumeist von Zugezogenen oder Firmen aus Europa und China geführt. Auch viele Neuseeländer und Australier haben sich hier niedergelassen und machen hier Geschäfte. Hier finden die Einheimischen Arbeit, lokale Selbstständige sind die Ausnahme. Noch zählt Tonga zu den ärmsten pazifischen Ländern.

 

Abendstimmung

 

Die Seglergemeinde trifft sich abends in den am Hafen gelegenen Lokalitäten, die unterschiedliche Veranstaltungen von der Regatta bis zum Tanz anbieten.

Wir melden uns bei einer Session im „Refuge“ an. Vor uns spielt „Inki“ auf verschiedenen Flöten und asiatischen Instrumenten. Nach uns zur fortgeschrittenen Zeit spielt ein Altrocker.

Unsere „Band“ besteht aus Karen (Gesang), Martin (Bass) und mir (Keybord, Gitarre, Akk.). Wir spielen Jazz-Standards, Songs der 60er und 70er Jahre und Shantys. Das Auditorium singt teilweise bei den Songs lautstark mit und schunkelt sogar zur Akkordeonmusik. Unser Einsatz wird mit freiem Essen und Trinken belohnt.

Im Dinghy können wir aber selbst bei totaler Finsternis noch unser Schiff finden und die Instrumente und uns selbst trocken heimbringen.

 

Open Mic

 

 

Tonga – Wale und mehr

Landfall In Tonga

 

Die Segelbedingungen sind seit Französisch-Polynesien deutlich rauher geworden: Viel Wasser ist über gekommen, die See oftmals hoch und unruhig, der Wind bisweilen in Sturmstärke und die Nächte so kühl, dass wir mehrere Lagen Kleidung tragen mussten.

Auf dem Törn nach Vava’u/ Tonga haben wir endlich wieder angenehme Segelbedingungen. Es scheint, dass wir am Ende der „dangerous middle“ genannten Strecke angekommen sind. Nur die Kühle in der Nacht ist geblieben.

Wir haben Niue an einem Freitag verlassen und kommen nach zwei Tagen am Montag an. Den Sonntag haben wir verloren, als wir die Datumsgrenze überschritten haben. Nachdem wir in den letzten Jahren immer weiter hinter die deutsche Zeit zurück gefallen sind, sind wir nun UTC +13 Stunden voraus.

Das Einklarieren erfolgt in Neiafu/Vava’u (Nordinsel vom Königreich Tonga) problemlos und noch gerade rechtzeitig vor dem Ende der Bürozeiten, weshalb wir von hohen Overtime Fees (Gebühren) verschont bleiben.

Wir liegen nun im großen Mooringfeld der „Refuge Bay“ und genießen in vollen Zügen an einem Ort zu sein, an dem es endlich wieder ein „Social Life“ gibt.

 

Refuge Bay

 

Wir treffen uns mit Freunden zum mexikanischen Abend im Restaurant „Refuge“, besuchen die „Fakalady Night“ (zu Deutsch: Travestieshow) im „Dancing Rooster“, erfreuen uns an der Gemüsevielfalt auf dem Markt (endlich wieder Tomaten) und ordern extra gestaltete FindUs-T-Shirts bei „Coffee and Tees“.

 

 

Jeden Morgen gibt es um 8:30 Uhr eine Funkrunde mit guten Informationen zu lokalen Geschäften und aktuellen Veranstaltungen und nach all den ruhigen Orten macht es einfach wieder Spaß, ein bisschen Rummel zu haben. Und dazu sind die Preise hier deutlich niedriger als in Französisch-Polynesien, auf den Cookinseln und auf Niue.

 

Da mein letzter Tauchgang mit Flasche schon lange her ist, buche ich einen Tauchgang bei Beluga-Diving. Zum Glück hat der niederländische Inhaber Huib recht, dass man Tauchen genauso wenig verlernt wie Fahrradfahren. Und so komme ich nach ca. 45 Minuten wieder munter an der Wasseroberfläche an.

 

Aufstieg

 

Neben Tauchen hat Beluga auch „Whale-Watching“ im Programm. Das gibt es in vielen Ländern. Die Besonderheit in Tonga ist, dass man hier auch mit den Walen schwimmen kann. Das steht definitiv auf meiner „Bucket List“ und da es nur mit entsprechenden Profis in kleinen Gruppen erlaubt ist, buchen wir gemeinsam mit unseren Freunden von „Sarayu“ den nicht ganz günstigen Ausflug. Diese Chance bietet sich wohl nur einmal im Leben.

Morgens früh um 7:15 Uhr geht es los. Wir sind vorbereitet, dass es eine Weile dauern kann, bis wir den ersten „schwimmbaren“ Wal finden: Zum einen bewegen sich Wale ziemlich schnell fort und zum anderen tauchen sie ab, wenn sie keine Gesellschaft möchten.

Wir sehen eine Gruppe von drei Walen, die sich an der Oberfläche tummeln und spielerisch ihre Schwanzflossen auf das Wasser schlagen. Auch das ist nicht der richtige Ort, um ins Wasser zu gehen. Nach mehrstündiger Fahrt und mehreren bereits beeindruckenden Walsichtungen ist es dann so weit: Wir sind im Wasser und unter uns schwimmt eine Gruppe aus vier Walen durch. Es ist atemberaubend, wie diese riesigen Tiere einem Raumschiff gleich anmutig durch das Wasser gleiten. Sogar den Aufstieg zum Atmen erleben wir hautnah mit.

 

Giganten der Meere

 

An anderer Stelle schwimmen wir mit kleineren Gruppen, aber sie sind so schnell, dass wir sie schon nach wenigen Sekunden aus den Augen verlieren. Doch ihren Gesang können wir auch noch aus großer Entfernung hören.

Überhaupt muss es immer ganz schnell gehen. Kaum hat unser Guide Wale gesichtet, heißt es mit Schnorchel und Flossen aus dem noch langsam fahrenden Boot zu springen und hinter dem Guide her zu schwimmen.

Nachdem wir alle glücklich, geschafft und durchgefroren sind, bekommen wir noch die Gelegenheit, an zwei weiteren besonderen Spots zu schnorcheln: Coral Gardens und Mariner‘s Cave.

Beim Coral Gardens schwimmen wir ca. 900 m am Riff entlang und haben auch bei größerer Tiefe eine klare Sicht auf den Korallenhang, der erfreulicher Weise noch aus vielen lebenden Korallen besteht. Leider keine Selbstverständlichkeit.

 

Coral Gardens

 

Um in die Mariner‘s Cave zu kommen, muss man, je nach Wasserstand, 2-6m tief und weit tauchen, um unter einem Felsvorsprung hindurch in eine Grotte zu gelangen. Auf dem Weg nach innen herrscht dazu noch Dunkelheit.

Ich passe, aber Reinhard, der auch sonst ohne Flasche bis zu 8 m tief tauchen kann, taucht durch. In der Grotte, die gute 10 m tief ist, sieht es im Licht einer Taschenlampe so aus, als ob ein Sternenregen von der steinernen Kuppel fällt. Und auch aus der Grotte heraus ist der Blick beeindruckend. Ein schöner Abschluss eines unvergesslichen Tages.

 

Grotteneingang

 

Blick ins Helle

 

 

Niue – größte Koralleninsel der Welt

17 Mooringe für Segler

 

Wir nähern uns noch vor Sonnenaufgang bei dichter Bewölkung und gutem Ostwind Niue, jedoch ohne Sternen- und Mondlicht. Die Insel steht auf einem Sockel, der aus 5000m Tiefe steil nach oben führt. Hier sind schon einige Schiffe unerwartet gegen die Insel gefahren, weil die unbewohnte Ostseite einfach nicht zu sehen ist. Unser Radarbild zeigt aus 10sm Entfernung, dass die Lage der nur 69 m hohen und unbeleuchteten Insel tatsächlich mit dem elektronischen Kartenstandort übereinstimmt. Das beruhigt erst einmal.

Wir umsegeln die Insel südlich und kurz vor Sonnenaufgang können wir die Umrisse erkennen. An einer der ausgelegten Mooringbojen machen wir an der geschützten Westseite vor der Hauptstadt Alofi fest und können glücklicherweise sogleich einklarieren. Die Beamten kommen nach dem Funkkontakt zum Anleger, den wir mit unserem Dinghy erreichen. Allerdings muss es mit einem kleinen Kran auf die Mole gehievt werden, da die Wellen am Anleger zu stark sind. Das gilt generell auch für die kleinen Fischer- und Tauchboote.

 

Auf dem Trockenen

 

Die Formalitäten werden schnell und freundlich erledigt, wobei wir bei der Bio-Security unterschreiben müssen, dass wir keine Lebensmittelreste und Abfall über Bord werfen. Eigentlich selbstverständlich, denn die Korallen sollen geschützt werden; deshalb ist auch Ankern nur in einem bestimmten Gebiet notfalls erlaubt. Wir sind weiterhin erfreut zu hören, dass es hier keine von Mücken übertragbare Krankheiten gibt.

Da sind wir nun auf der größten Koralleninsel der Welt und gleichzeitig auch im kleinsten Inselstaat, der allerdings mit Neuseeland assoziiert ist. Die Uferstraße ist gerade mal 64 km lang. Viele der ehemaligen 30.000 Einwohner sind ausgewandert. Heute leben nur noch 1400 Menschen hier. Die Insel wird jetzt gern von den Neuseeländern im Winter angeflogen, da es dann keine Zyklone und nur selten Regen gibt, die Temperatur mit 25° Grad erträglich ist und die Flugzeit nur etwa 3,5 Std. beträgt. Vom Massentourismus ist die Insel aber verschont geblieben.

 

Die schönsten Stopps sind ausgeschildert

 

Nachdem wir ein paar Mal freundlicherweise als Anhalter – einmal sogar auf einer LKW-Ladefläche mit über den Rand baumelnden Beinen – mitgenommen worden sind, wollen wir uns selbst motorisieren. Auf Anraten von befreundeten Seglern mieten wir ein Auto und kein Zweirad, da es zu viele tiefe Schlaglöcher gibt. Den Schildern nach sind nur Höchstgeschwindigkeiten von 40 und 60 km/h zugelassen, in der Realität kann man aber manchmal nur Schritttempo fahren. Es fällt weiter auf, dass nicht nur Tsunami-Hinweisschilder zu sicheren Höhen weisen, sondern auch Sirenen installiert sind.

 

Mit einem „Japaner“ auf Inseltour

 

Mietautos sind Mangelware, die vorbestellt werden müssen. Das läuft alles sehr locker. Name und Bootsname aufschreiben und wenn man einen Führerschein hat, diesen vorzeigen. Im Übrigen wird im Info-Material darauf hingewiesen, dass der Fahrersitz im Auto rechts ist und dass man sich vor der Fahrt anschnallt und dann links fährt. Übrigens ist ein Führerschein (Niue Driver´s License) bei der Niue Police für NZD 22,50 erhältlich.

 

 

 

Höhlen und Schluchten am Wasser

 

Die Ostküste ist wild und steilabfallend, das ändert sich auch nicht an der Westküste. Schon Kapitän James Cook konnte hier 1774 nicht anlanden, da die polynesischen Einwohner, deren Vorfahren schon vor 1800 Jahren nachweislich hier lebten, dies zu verhindern wussten. Nach dem Anlandungsversuch benannte er die Insel „Savage Island“ (Insel der Wilden).

 

Die bunte Unterwasserwelt zeigt sich schon beim Schnorcheln

 

Im Gegensatz zu den weißen Stränden des Pazifiks, gibt es hier von der Natur geschaffene Riesenbadewannen mit glasklarem Wasser und bis zu 30m Sicht. Damit ist Niue ein tolles Tauchparadies, was es auch wegen der Umsichtigkeit wohl bleiben wird. Die Korallen sind nicht wie auf vielen anderen pazifischen Inseln abgestorben, sondern bieten den Unterwasserlebewesen ein paradiesisches Zuhause. Die Fischer landen u.a. große Thunfische und Marlins an. Auch manche Segler machen größere Beute. Manchmal bekommt man sogar etwas ab, da die Menge für eine Crew viel zu groß ist.

Die große Attraktion sind aber die Wale. Wir kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus, als unerwartet ein Riesenwal hinter unserem Schiff auftaucht, bläst und wieder in den Tiefen verschwindet. Schon nach ein paar Tagen ist einem dieser Anblick vertraut. Nimmt man gerade ein Bad und hat ein bisschen Glück, kann man in unmittelbarer Nähe mit diesen Tieren schwimmen. Manchmal ist auch der Gesang der Männchen im Boot zu hören.

Eines Abends fällt uns auf, dass außer dem roten Ober- und Unterfeuer der Anlandestelle die Insel im Dunkeln liegt. Es ist ein totaler Stromausfall. Kein elektrisches Gerät funktioniert mehr, die Telefon- und Internetverbindung ist tot, die Wasserversorgung bricht zusammen. Ein Anlanden ist auch nicht möglich, da der Kran nicht funktioniert. Selbst die Behörden können nicht arbeiten. So können wir auch nicht ausklarieren. Nur über Funk erfahren wir den Stand der Dinge. Mal wieder müssen wir unsere Planungen verwerfen.

Der Südpazifik gilt allgemein als schwierige Passage. Es gibt viele Kleinstinseln und Riffe, aber auch neue Untiefen, die durch Unterwasservulkane entstehen. Es bilden sich zudem überraschend Wetterfronten, die ihren Ursprung in den südlichen „brüllenden Vierziger“ haben und Einfluss auf das Wettergeschehen nördlich von Neuseeland nehmen.

Aber für die nächsten Tage ist erstmal Flaute angesagt. Das bringt Zeit für Arbeiten am Schiff, wie mal wieder Rost und Salz entfernen, Luken abdichten, Motor inspizieren und Probleme mit dem Wassermacher lösen.

 

 

 

Palmerston, das Atoll der Marsters

Palmerston-Shuttle

 

Auf unserem Weg nach Westen liegt Palmerston. Eine kleine Insel in einem zu den Cookinseln gehörenden Atoll.

Als Captain Cook im Jahr 1774 hier kurz landete, benannte er die Insel nach Lord Palmerston, dem damaligen First Lord der Admiralität. Zu diesem Zeitpunkt war die Insel noch unbewohnt. Dies änderte sich im Jahr 1863, als der englische Zimmermann William Marsters mit seiner polynesischen Frau, deren Schwester und einer weiteren Frau, die sie unterwegs getroffen haben auf Palmerston anlandete. Er unterteilte die Insel in drei gleich große Bereiche, für jede Frau ein Drittel. Mit diesen Frauen gründete er seine „Marsters-Dynastie“ mit 26 Kindern.

Heute leben noch 42 Nachfahren auf Palmerston und verwalten sich nach den von William Marsters aufgestellten Regeln nach wie vor selbst. Viele weitere Nachfahren leben mittlerweile in Australien oder Neuseeland. Auf den drei Inselabschnitten wohnen die Familien von Bill Marsters, Edward Marsters und Bob Marsters. Sie leben hauptsächlich vom Fang von Papageifischen, die nach Rarotonga verkauft werden.

Nähert sich eine Yacht Palmerston, beginnt ein Wettrennen zwischen den Familien, wer Gastgeber der Crews ist. Dabei ist der erste Kontakt entscheidend, egal ob per Funk oder durch persönlichen Empfang und Zuweisung einer Mooring am Außenriff.

Bei uns und den Crews von Beachland und Sarayu ist Bob Marsters an erster Stelle. Nach den auf Palmerston geltenden Regeln holt er uns jeweils am Vormittag mit seinem Aluminium Fischerboot von Findus ab und bringt uns am Nachmittag zurück. Der Weg durch das Riff bedarf schon einiger Ortskenntnis und so nehmen wir diese Möglichkeit gerne wahr. Aber damit nicht genug der Gastfreundschaft: Wir werden am ersten Tag um die Insel geführt und erhalten einen kurzen Einblick in die Geschichte der Marsters.

 

Bob skizziert die Regierung Palmerstons

 

Hauptstraße

 

Wohnhaus von William Marsters

 

Die letzte Ruhestätte finden die Bewohner auf dem Friedhof ihres Inselabschnitts.

 

Friedhof

 

Grabstein von William Marsters

Es gibt eine Schule für die Kinder von 7 bis 15 Jahren. Die weitere Schulbildung findet dann auf der Hauptinsel Rarotonga statt.

 

Palmerston Lucky School

 

An einem kleinen Häuschen können wir sogar einen Zugangscode für das Internet erwerben.

 

Telekommunikationsstation

 

Viele Familien haben Palmerston in den letzten Jahren verlassen. Die Häuser wurden einfach aufgegeben. Auch die Jugendlichen zieht es zum großen Teil nach Australien oder Neuseeland. Auch drei der sechs Kinder von Bob leben in Australien und Rarotonga. Nur die Nachbarstochter von Bob hält ein Leben außerhalb von Palmerston für zu gefährlich.

Nach dem Rundgang geht es zum Lunch zu Bob. Seine Frau Tepou hat reichlich vorbereitet: Es gibt u. a. Papageifisch, Huhn, Schwein und herzhafte Pfannkuchen. Eine große Auswahl für uns Yachties, obwohl wir gar nicht erwartet wurden; mit Ausnahme von Sararyu, die auf ihrem Katamaran eine große Lieferung Obst und Gemüse von Aitutaki mitbringen. Organisiert wurde der Transport über das Zollbüro. Wir hatten ebenfalls angeboten, Sachen nach Palmerston zu transportieren, unsere Findus wurde aber als zu klein befunden. Bei den Mengen, die unsere Nachbarn in Bobs Boot befördern, können wir die Einschätzung nur teilen.

 

Essplatz im Freien

 

Ein bisschen gewöhnungsbedürftig ist, dass die Gastgeber uns beim Essen zusehen und erst selbst essen, nachdem wir fertig sind. Sie leisten uns Gesellschaft, genauso wie einige der zahlreichen Hühner.

 

Kleine Versammlung

 

Jeden Tag werden wir abgeholt und ausgiebig verpflegt. Auch unsere Wäsche dürfen wir hier waschen. Ansonsten sind wir frei, die Insel zu erkunden. Wir umrunden sie, was im langsamen Tempo einen Spaziergang von 30 Minuten bedeutet. Dabei sehen wir das Wrack der RiRi, die im Jahr 2011 Schiffbruch erlitt, als der Wind auf West drehte und die Mooring am Außenriff nicht hielt. Den Ratschlag Bobs, einen zusätzlichen Anker auszubringen, wollte der Captain nicht befolgen. Das zum Glück unverletzte Skipperpaar wurde von anderen Seglern mit nach Tonga genommen. Aber für das Boot gab es keine Rettung.

 

RiRi

 

Am Strand treffen wir auch auf eine der vielzähligen Krabben. Natürlich zieht sie sich sofort in ihr Haus zurück. Aber was bei Schnecken im Wattenmeer funktioniert, funktioniert auch auf der anderen Seite der Welt. Leichte Schaukelbewegungen locken den Bewohner für ein Foto aus dem Haus.

 

Hamcrab

Wir fühlen uns wie auf einer verlassenen Insel. Und so versucht Reinhard auch gleich, eine Kokospalme zu erklimmen.

 

Hoch hinaus

 

Nach zwei Tagen haben die anderen beiden Crews Palmerston verlassen. Wir warten lieber auf ein besseres Wetterfenster, denn der Wind ist so stark, dass Bob uns an einer zweiten Mooring vertäut. Bei unserer Nähe zum Riff und dem anscheinend zweifelhaften Zustand der Moorings sind wir über einen zusätzlichen Halt dankbar. Außerdem sind wir, wie alle Bewohner Palmerstons auch, zum Geburtstag eines Zweijährigen eingeladen. Eine der vielen Gelegenheiten, um gemeinsam zu essen. Vorher machen wir noch mit Bob, Tepou und den beiden Töchtern Musik. Mit der Ukulele in der Hand, marschiert Bob anschließend voraus zur Geburtstagsfeier, wo Reinhard auch mit seinem Akkordeon aufspielt.

 

Musik, Musik, Musik

 

Wir werden auch bei der Feier herzlich aufgenommen und am Ende des Nachmittags dürfen wir nicht gehen, ohne uns ein paar Portionen des guten Essens mit aufs Boot zu nehmen.

Wir revanchieren uns für die Gastfreundschaft u. a. mit Lebensmitteln, Angelequipment, Kosmetikartikeln, Kugelschreiber, Buntstiften und der Bezahlung der Mooring. Das Versorgungsschiff kommt nur alle paar Monate und es gibt keine Möglichkeit, in der Zwischenzeit etwas einzukaufen. Wir empfinden den Besuch auf Palmerston als eine große Bereicherung. Einerseits, weil es so ungewöhnlich ist, von Fremden in dieser Form aufgenommen zu werden, andererseits, weil wir sehen, welche harten Bedingungen ein Leben im vermeintlichen Paradies haben kann. Neben den Versorgungsschwierigkeiten und der fehlenden ärztlichen Versorgung – es gibt lediglich eine Krankenschwester, die Tabletten ausgibt – ist es auch die fehlende Mobilität. Einfach die Insel zu verlassen, um der Nachbarinsel einen Besuch abzustatten, ist nicht möglich. Möchte man nach Rarotonga, muss man dort auch in der Regel mindestens zwei Monate bleiben, bevor das Versorgungsschiff einen auf einer zweitägigen Fahrt wieder zurück bringt. Und kommt ein Zyklon, was zum Glück nicht so oft der Fall ist, binden sich die Bewohner in der Mitte der Insel an den Palmen fest. Da haben wir es doch deutlich einfacher.

 

 

Cookinseln – Ankunft auf Aitutaki

Air Rarotonga

 

Nach vier Tagen Überfahrt kommen wir kurz nach Sonnenaufgang und bei ablaufendem Wasser an der Küste Aitutakis an. Die Insel liegt im Norden der südlichen Cookinseln in einem Atoll und es gibt nur zwei Möglichkeiten, direkt anzulanden: Mit einem kleinen Flugzeug oder einem kleinen Schiff. Durch das Riff ist ein künstlicher Kanal gebaut, der in den kleinen Hafen führt. Bei Niedrigwasser beträgt die Wassertiefe ca. 1,40 m. Das ist auch für uns zu flach und so warten wir fünf Stunden beigedreht vor der Passeinfahrt mit back gestellter Fock. Genügend Zeit, um ausgiebig zu frühstücken, zu duschen und den Salon, der in den letzten Tagen zum Schlafen diente, wieder aufzuräumen. Schließlich kommen auf Aitutaki der Health-Officer und ein weiterer Mitarbeiter der Biosecurity an Bord.

Als wir den Pass gegen 13:00 Uhr befahren, stehe ich vorne am Bugkorb und dirigiere Reinhard mit Handzeichen durch den engen Kanal, der mit Untiefen und Korallenköpfen gespickt ist. Hochwasser ist erst in drei Stunden, aber für uns reicht die Wassertiefe bereits jetzt aus. Letztendlich ist bei unserer Einfahrt die flachste Stelle 1,90 m tief und alles verläuft unproblematisch.

Damit die Offiziellen an Bord kommen können, machen wir zuerst an der Hafenmauer fest. Dort wartet schon Jeffrey von der „Flying Fish“, den wir bereits von Bora Bora kennen, auf uns. Kurz nach dem Anlegen kommt Lenny, der Health-Officer, mit seinem Scooter angefahren. Im Gepäck hat er eine Sprayflasche in Reisegröße gegen Ungeziefer. Um die Cookinseln auch weiterhin von den durch Mücken übertragenen Krankheiten wie Dengue, Zika usw. frei zu halten, wird gesprayt. Zum Glück nicht in der Vorderkajüte, in der wir schlafen und auch nicht in der Pantry. Viel Raum zum Sprühen bleibt da nicht mehr und nach fünf kurzen Sprühstößen werden im Cockpit die Formalien erledigt. Mit der kleinen Sprayflasche kommt er wohl ein ganzes Jahr aus. Sein Kollege Kenneth, der gerade vom Fischen kommt, konfisziert wegen der Fruchtfliegengefahr unsere letzten beiden Zitronen und dann dürfen wir auch schon die gelbe Zoll- und Quarantäneflagge runternehmen und Land betreten. Die nächste Station ist eigentlich der Zollbeamte, aber der ist schon um 14:30 Uhr nicht mehr in seinem Büro. Uns wird gesagt, dass er morgens um 9 Uhr besser erreichbar ist. Also wird die Einklarierung dann am nächsten Tag erledigt.

Wir verholen uns von der Kaimauer an den kleinen Ankerplatz neben „Flying Fish“. Da hier durch die Tide eine starke Strömung herrscht, ist es nicht ratsam, nur vor Anker zu liegen. Wir bringen deshalb am Heck noch eine Leine aus, die an einer Kokospalme befestigt wird.

 

Festmachen in der Südsee

 

Über Aitutaki haben wir gelesen, dass die Möglichkeiten zur Verproviantierung sehr eingeschränkt sind. Einen großen Supermarkt gibt es in der Tat nicht, aber direkt um die Ecke ist ein Markt. Und hier finden wir zum ersten Mal nach zwei Monaten wieder Tomaten. Später entdecken wir weitere Einkaufsmöglichkeiten, vom Biogärtner bis zum Warehouse und viele kleine Lebensmittelgeschäfte.

 

Aitutaki Market

 

Die 1.200 Einwohner Aitutakis fahren eher Scooter als Auto. Dabei gibt es weder eine Altersbegrenzung nach unten oder oben. Schon die Kleinsten werden auf dem Sozius mitgenommen. Und so mieten auch wir uns für drei Tage zum Preis von insgesamt 60 NZD (ca. 36 Euro) ein etwas altertümliches Exemplar, um die Insel zu erkunden. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt auf der gesamten Insel 40 km/h. Die müssen wir aber eher schätzen, da der Tacho nicht mehr funktioniert. Und auch die Bremsen haben schon bessere Tage gesehen. Da muss Reinhard schon das ein oder andere Mal die Motorbremse betätigen, indem er die schwergängigen Gänge runter schaltet. In Neuseeland, zu denen die Cookinseln von 1901-1965 gehörten und mit dem sie seit ihrer Unabhängigkeit in freier Assoziation verbunden sind, ist schon das Fahrradfahren ohne Helm verboten; hier brauchen wir keinen für den Scooter und die Normalbekleidung besteht aus Shorts, T-Shirt und Flip Flops. Mein Sicherheitsbedürfnis wird im Linksverkehr und auf zeitweise steilen Straßen auf eine harte Probe gestellt. Zum Glück herrscht kaum Verkehr und nach einer kurzen Eingewöhnung kann ich unsere Ausflüge genießen.

 

 

Die Insel hat lange weiße Strände und die Lagune mit mehreren kleinen Inseln wie „One Foot“ oder „Honeymoon“ ist ein echter Hingucker.

 

Ein Stück vom Himmel

 

Wer mag, kann mit Blick auf das Außenriff und unter Palmen eine Runde Golf auf dem kleinen Golfplatz spielen.

 

Golfplatz unter Palmen

 

Da in den nächsten Tagen mit schlechtem Wetter und stürmischem Wind zu rechnen ist, werden wir wohl noch etwas länger als ursprünglich geplant auf Aitutaki bleiben. Aber das macht uns gar nichts. Schließlich heißt es hier nicht umsonst: „Slow down you are in heaven.“

 

Findus im Himmel