Heimathafen verlassen vor 1770 Tage 7 Stunden 46 Minuten

Findus an Land

 

Unser letzter Werftaufenthalt liegt schon anderthalb Jahre zurück und so ist es dringend an der Zeit, Findus wieder mal an Land zu bringen. Zunächst überlegen wir, dies auf Tahiti zu tun. Aber so richtig überzeugen uns weder die Werft in Papeete noch in Taravao. Dagegen haben wir viel Gutes über die Werften auf Raiatea gehört, welche unmittelbar nebeneinander liegen. Außerdem soll die kleinere Werft „Chantier Naval des Iles sous le Vent“, kurz C.N.I., auch deutlich günstiger als die Werften auf Tahiti sein. Für Anfang Mai bekommen wir hier einen Termin.

Zu der Werft gehört ein Teil der Marina Uturaerae, sowie mehrere Mooringe vor der Marina. Zwei Tage vor und zwei Tage nach dem Slippen können wir theoretisch umsonst in der Marina liegen. Da vor dem Slippen aber kein Platz frei ist, legen wir uns für eine Nacht an eine Mooring. Ebenfalls kostenlos. Hier lässt es sich gut auf das Slippen warten.

 

Guter Platz

 

Gemanagt wird der Betrieb von Karin, die tatsächlich sehr gut Deutsch spricht. Wie schon auf Grenada erfolgt das Slippen mit einem Traktor, der über eine Seilwinde einen Hubwagen mit Bock ins Wasser lässt. Als wir uns mit Findus dem Bock nähern, steht tatsächlich ein Einweiser direkt vor uns im Wasser, der später auch tauchend die richtige Position überprüft und Findus sichert.

 

Ungewöhnliche Einweisung

 

Alles verläuft reibungslos. Pünktlich zum Feierabend stehen wir an Land. Trotzdem kommt noch ein Mitarbeiter um das Unterwasserschiff mit dem Hochdruckreiniger zu säubern. Er arbeitet bis Sonnenuntergang. Für uns besteht also erstmal keine Möglichkeit, am Schiff zu arbeiten und so gönnen wir uns lieber ein kaltes Hinano auf das erfolgreiche Slippen.

 

Fernsterln bei Seglern

 

Bislang habe ich mich erfolgreich vor der Erfahrung gedrückt, während des Werftaufenthaltes an Bord zu schlafen. Die sanitären Anlagen sind in der Regel wenig einladend und alles an Bord ist ein wenig umständlicher. Aber der Preis für das uns von Freunden empfohlene und in der Nähe liegende Hotel beträgt 200 Euro pro Nacht und die Ferienwohnungen in der Nähe sind schon belegt. Außerdem bräuchten wir dann die ganze Zeit ein Auto. Wir entschließen uns, dieses Geld lieber für andere Dinge zu sparen. Eines davon ist der am nächsten Tag spontan gefasste Beschluss, das Antifouling diesmal streichen zu lassen, zumal das Produkt für Profis hergestellt wird und bestimmte Sicherheitsvorkehrungen zu beachten sind. Zum Glück ist das so kurzfristig möglich. Allerdings auch nur, weil der Mitarbeiter anbietet, die Arbeiten am Wochenende auszuführen. Wir bereiten also das Unterwasserschiff für den Anstrich vor. Es muss an einigen Stellen angeschliffen und gespachtelt werden. Außerdem wird der alte Antifoulinganstrich der auch Elektrolyse verhindernden Spezialfarbe vom Propeller und der Welle abgeschliffen, ein Primer aufgetragen und dann neu beschichtet.

Da klar ist, dass wir nicht vor Montag zurück ins Wasser kommen, nutzen wir den Freitag für einen Ausflug mit dem Auto. Es regnet sowieso immer wieder, weshalb das noch anstehende Polieren des Rumpfes an diesem Tag auch nicht möglich ist. Also machen wir uns auf, Raiatea auf ihrer 98 km langen Küstenstraße zu umrunden.

Raiateas ursprünglicher Name lautet Havai’i. Sie wird als die heilige Insel bezeichnet, denn für die Polynesier gilt sie als die Wiege der Mā‘ohi Zivilisation. Von hier aus startete vor über tausend Jahren die Besiedlung Polynesiens u.a. bis nach Neuseeland, Tonga und Hawaii. Das Gebiet wird durch eine Krake symbolisiert, deren Zentrum in Havai‘i, also Raiatea, liegt.

 

Polynesische Krake

 

Die Insel war das Machtzentrum. Auf dem größten Marae Polynesiens, Taputapuātea, wurde die Entscheidung zur Besiedlung anderer Länder getroffen. Die Stätte gehört seit 2017 zum Weltkulturerbe und ist natürlich Ausflugsziel. Ein beeindruckender Ort.

 

Taputapuātea

 

Weiter geht es, vorbei an grüner Landschaft und Wasserfällen.

 

Grüne Insel

 

Zwischendurch lässt sich auch mal die Sonne blicken. Das ist besonders gut für die Unterstützer der Parteien, die bei der am Sonntag stattfindenden Territorialwahl antreten. Im Hauptort Uturoa stehen viele Menschen direkt an der Straße und schwenken die Fahnen ihrer Partei vor den vorbeifahrenden Autos. Man stelle sich so eine Wahlwerbung in Deutschland vor.

 

Wahlwerbung

 

Am nächsten Tag hat der Schlendrian ein Ende. Das Wetter ist trocken. Zeit, für die dringend notwendige Politur des Rumpfes. Bei unserem letzten Werftaufenthalt haben wir uns dazu entschlossen, Findus nicht an Land sondern später vom Dinghy aus zu polieren. Eine wirklich schlechte Idee, die wir nicht wiederholen möchten. Dreimal müssen wir den Rumpf bearbeiten: Mit Wasser abwaschen, erstes Produkt für die Beseitigung ausgekreideter Stellen, zweites Produkt für den Glanz und den UV-Schutz. Bei der Hitze ein ziemlich strammes Programm. Alle 1,5 m muss das Gerüst abgebaut und umgestellt werden. Das trainiert ordentlich die Oberarme, wie das Polieren an sich natürlich auch. Irgendwie muss ich immer an „Karate Kid“ denken.

 

Polierarbeiten

 

Zum Glück ist es nur ein kurzer Fußweg bis zu dem kleinen Restaurant Snack Mimosa, ein absolutes Highlight für alle Segler an Land. Hier gibt es für einen günstigen Preis unglaublich große Portionen. Und das Essen schmeckt auch noch sehr gut. Besonders zu empfehlen ist der Thunfischspieß mit Pommes und Salat, aber nach einem langen Poliertag ist mir nach einer Portion „Chao Men“.

 

Belohnungsessen

 

Am Sonntag ist dann der Antifoulinganstrich dran. Dem Mitarbeiter eilt ein sehr guter Ruf voraus. Von anderen Seglern haben wir in den letzten Tagen immer wieder gehört, wie unglaublich fleißig und gut er arbeitet. Wir können das nur bestätigen.

 

Streicharbeiten

 

Am Montagmorgen ist Findus wie neu und bereit zum „Splash“.

 

Wieder schick

 

Bevor es aber zurück ins Wasser geht, bezahlt Reinhard die Rechnung. Und staunt nicht schlecht: Es ist der bislang günstigste Werftaufenthalt unserer Reise. Und zwar inklusive Antifoulingfarbe, die wir nach Verbrauch bezahlt haben. Das Slippen ins Wasser verläuft reibungslos. Und bevor wir endgültig vom Haken gelassen werden, kontrollieren Taucher noch, ob der Propeller einwandfrei im Vorwärts- und Rückwärtsgang läuft. Alles funktioniert tadellos und auch alle Ventile sind dicht. Für die Aufräumarbeiten an Bord bleiben wir noch ein paar Tage in der Marina. Wir können die Werft „Chantier Naval des Iles sous le Vent“ – C.N.I. absolut empfehlen.

 

 

Ankunft auf Raiatea

 

Nach einer unspektakulären zwanzigstündigen Überfahrt, die mit gutem Wind startet, aber letztendlich doch zu einer langen Motorfahrt wird, erreichen wir Raiatea. Raiatea und ihre Nachbarinsel Tahaa teilen sich eine von einem Riff umgebene Lagune. Die Zufahrt ist durch mehrere Pässe möglich. Wir entscheiden uns für den im Osten von Raiatea gelegenen Irihu Pass. Zwischen zwei kleinen Motus geht es durch die schmale Einfahrt.

 

Motu Irihu

 

Wir wollen in die Fa’aroa Bucht, wo man mit dem Dinghy den Fluss Fa’aroa befahren kann. Ziemlich weit unten finden wir einen gut geschützten Ankerplatz, direkt vor dem „Kopf der schlafenden Frau“, wie die Einheimischen den Berg nennen.

 

Schlafende Frau

 

In der Bucht ist es angenehm kühl und Findus liegt fast bewegungslos. Optimale Bedingungen, um nach der Überfahrt richtig erholsam zu schlafen.

Am nächsten Tag geht es mit dem Dinghy auf den Fluss. Würden nicht überall Palmen stehen, könnten wir auch auf einem deutschen Gewässer unterwegs sein.

 

Video: Flussfahrt

 

Für uns stellt die Landschaft eine willkommene Abwechslung dar.

 

Impressionen vom Fa’aroa

 

Am Rande des Flusses soll auch ein botanischer Garten sein. Wir sehen auf der rechten Seite einen offensichtlich neu gebauten Anleger, aber keinen Hinweis, dass sich dahinter ein für die Öffentlichkeit zugänglicher Ort befindet. Wir setzen unsere Fahrt daher erstmal fort und fragen kurz darauf einen Mann, der uns freundlich vom Ufer zuwinkt, wo wir den Garten finden. Er zeigt In die Richtung, aus der wir kommen. Also doch hinter dem neuen Betonsteg. Wir fahren trotzdem weiter den Fluss hinauf, bis es zu flach wird und vom Ufer immer mehr Baumstämme ins Wasser ragen. Auf der Rückfahrt treffen wir wieder auf den freundlichen Polynesier, der uns zu verstehen gibt, dass der botanische Garten geschlossen sei. Aber wenn wir möchten, zeigt er uns seinen Garten, der genau gegenüber der Anlegestelle vom botanischen Garten liegt. Der „Garten“ von André ist 2 ha groß. Eingebettet in die Landschaft baut er hier, ausschließlich für seine Familie und nicht für den Verkauf, Orangen, Papaya, Mango, Auberginen, Pacay, verschiedene Sorten Taro und Süßkartoffeln, Tomaten, Ingwer und noch vieles mehr an. Auch exotische Blumen gibt es in großer Zahl. Eine davon ist die Pinocchio-Blume. Und warum sie so heißt, demonstriert uns André gerne.

 

Polynesischer Pinocchio

 

André buddelt für uns auch Taro aus und holt frische Kokosnüsse vom Baum. Frischer geht es nicht.

 

Frisch vom Baum

 

Eine andere Sorte Kokosnuss wird geöffnet, die gar kein Wasser, sondern nur einen süßlich schmeckenden weichen Kern enthält, der in der Konsistenz an Zuckerwatte erinnert. Ummantelt ist dieser Kern von festem Kokosfleisch. André klärt uns darüber auf, dass dies die Kokosnuss zur Herstellung von Kokosmilch sei.

 

Und noch eine Kokosnuss

 

Die Überreste benutzt er zum Anlocken von Schweinen, die er mit einer simplen Falle fängt. Dabei gerät das Schwein mit dem Fuß in eine Schlinge, die sich zuzieht und es quasi an die Leine legt. Verletzt wird es dabei nicht.

André ist sehr stolz auf seinen Garten im Paradies, der seine Familie mit zwei Kindern komplett ernährt und wir freuen uns über die Gastfreundschaft, die uns zuteil wird. Zum Dank bietet Reinhard seine Dienste als neue Hühnerscheuche an.

 

Hühnerscheuche

 

Aber davon will André nichts wissen. Lieber lässt er uns zum Abschied frischen Hibiskusnektar probieren. Der wird direkt aus dem Ansatz der Blüte gesaugt. Ein ganz besonderer Nachtisch.

 

 

Brille über Bord

 

Nun ist es soweit: Wir haben Tahiti verlassen. Zuerst überlegen wir, die Abfahrt zu verschieben, da das Wetter ziemlich schlecht ist. Aber die Marina füllt sich zunehmend mit Booten der ARC-World, unser Cruising Permit, das wir für die Fahrt zu den sogenannten „Inseln unter dem Winde“ benötigen, enthält das Abreisedatum und von unseren Freunden haben wir uns auch schon endgültig verabschiedet. Also werfen wir in einer Regenpause die Leinen los und machen uns ein letztes Mal auf den Weg nach Moorea. Hier wollen wir auf das passende Wetter für die Weiterfahrt nach Raiatea warten, wo wir Anfang Mai einen Termin in der Werft haben.

Die Fahrt überstehen wir überraschend trocken. Und auch auf unserem Ankerplatz in der Lagoone der Cooks-Bay ist es einigermaßen ruhig. Zunächst jedenfalls. Gegen 3:00 Uhr in der Nacht nimmt der Wind plötzlich zu. Mit bis zu 8 Bft pfeift er in die Bucht. Zum Glück sind wir schon auf, als wir ein unheilvolles Geräusch hören. Binnen Sekunden ist uns klar, dass sich die doppelt gesicherte Fock gelöst hat. Der Wind hat einen Weg gefunden, um in das Segel zu packen und zunächst das obere und dann das untere Tauwerk zum Reißen gebracht. Da keine Schot angeschlagen ist, rollt sie sich von der Furlex. Dadurch nimmt unsere Findus Fahrt auf und der Anker droht auszubrechen. Die Fock kann nur auf dem Vorschiff eingerollt werden und Reinhard spurtet sofort los. Vorher setzt er noch seine drei Monate alte Multifokalbrille auf. Schließlich will er gut gucken können.

Die Kräfte, die auf die Fock einwirken, sind enorm. Der Wind packt immer wieder in das Segel und schließlich schlägt es Reinhard so unglücklich gegen den Kopf, dass die Brille von der Nase fällt. Erst auf das Deck und mit dem nächsten Windstoß ins Wasser.

Nachdem das Segel wieder gebändigt, dreifach gesichert und nun auch mit einer Schot aus dem Cockpit zu bedienen ist, ist der Frust bei Reinhard groß. Wir ankern zwar nur auf 3-4 m Tiefe, aber hinter uns ist ein Abhang, der Steil auf 17 m runter geht. Doch man soll die Hoffnung ja nie aufgeben und so starten wir am frühen Morgen mit der Suchaktion. Der Bereich, auf dem die Brille liegen könnte, beträgt irgendetwas zwischen 316 qm und 500 qm. Wir haben 20 m Kette draußen, aber wir müssen auch Wind und Strömung berücksichtigen.

 

Halbes Suchgebiet

 

Ich bin trotzdem optimistisch, da ich im Licht unserer Decksbeleuchtung immer den Eindruck hatte, dass wir die ganze Zeit wenigstens im flachen Bereich der Bucht waren. Doch trotz systematischen Suchens bleibt die Brille verschwunden. Dafür findet Reinhard einen Teil der Sicherung der Achterliekspannleine (damit kann der hintere Teil des Segels getrimmt werden). Das ist durchaus ein Hoffnung machender Teilerfolg. Schließlich ist das gute Stück nur 7 cm lang und dazu auch noch weiß.

 

Aus dem Pazifik gefischt

 

Getrübt wird die Hoffnung durch den Fundort, der sich direkt an der Kante ins Tiefe Wasser befindet. Nach zwei Stunden brechen wir ab. Wir planen eine erneute Suchaktion für den Nachmittag, die wir aber wegen des Wetters verschieben müssen. Als dann auch noch ein Katamaran seinen Anker an einer potenziellen Fundstelle fallen lässt, steigt unser Optimismus nicht gerade an.

Am nächsten Tag herrscht Starkwind und das Wasser ist für eine Suchaktion zu aufgewühlt. Erst am Tag darauf sind morgens optimale Sicht- und Windbedingungen. So geht es direkt aus der Koje ins Wasser. Wieder schnorcheln wir systematisch den Bereich ab. Aufgeben liegt mir nicht, aber nach einer Stunde fange ich im Geiste einen Blogtext über die leider auf ewig im Pazifik versunkene Brille an. Da taucht sie plötzlich links in meinem Gesichtsfeld auf. In circa 3 m Tiefe liegt sie unbeschadet auf dem Grund. Danach ist klar, wer heute für das Frühstück zuständig ist.

 

 

Besuch aus Sydney

 

Unsere Nichte Sandra, die es ebenfalls vor drei Jahren in die Ferne nach Australien zog, hat sich für einen Besuch angekündigt. Über diese ganz besondere Abwechslung in unserem Bordalltag zu zweit freuen wir uns sehr. Damit Findus ihr wenigstens ein bisschen räumlichen Komfort bieten kann, wird die Achterkajüte um- bzw. ausgeräumt. Jetzt hat zwar der Salon einen etwas eigentümlichen Charme, aber unser Leben spielt sich sowieso mehr draußen ab.

Um auch seglerisch nicht gebremst zu werden, muss vor ihrer Anreise noch dringend das Schiff von grünen grasartigen Fäden befreit werden, die sich schon wieder kurz unterhalb des Wasserpasses angesiedelt haben. Unser Nachbar Jean-Yves bietet uns hierfür seinen Kärcher Hochdruckreiniger (in französischer Aussprache eher ein „kehr-Cher“ mit der Betonung auf dem „Cher“) an. Ein Großteil ist dann auch bequem von Land zu reinigen.

 

Reinhard mit „kehr-Cher“

 

Für den schlechter zugänglichen Bereich, der unter Wasser ist, kann sich Reinhard endlich der Lösung der Frage widmen, ob ein Hochdruckreiniger auch effizient unter Wasser arbeitet. Es funktioniert tatsächlich, aber nur, wenn man die Lanze unmittelbar vor die zu reinigende Stelle hält. Zudem ist der Rückstoß durch den Druck nicht zu verachten. Ohne steten Flossenschlag würde er wahrscheinlich durch das Hafenbecken sausen.

Nachdem alles soweit vorbereitet ist, geht es auf zu einer Testfahrt. Als Proviant erstehen wir diesmal auch die Früchte Ramboutan und Abiu. Ramboutan schmeckt wie Lychee, Abiu ist wie eine Mischung aus Birne und Apfel.

 

Ramboutan mit Abiu

Ramboutan im Rock

 

Zum Glück gibt es keine besonderen Vorkommnisse und so sind wir rechtzeitig am Ankerplatz in der Nähe der Marina Taina. Hier liegen wir nur fünf Minuten vom Flughafen entfernt.

Wie bei so vielen Flügen, ist auch die Ankunftszeit des Flugzeugs mit Sandra an Bord sehr spät am Abend. Gegen Mitternacht können wir sie endlich in Empfang nehmen. Natürlich mit den traditionellen Blumenkränzen. Die Freude über das Wiedersehen ist groß. Ihre erste Seereise beginnt weit nach Mitternacht von der Marina Taina mit dem Dinghy zu unserem Ankerplatz unter einem klaren Sternenhimmel. Noch am Mittag sind wir mit unserem Großeinkauf bei Gegenwind und kleinen Wellen ziemlich nass geworden. Zum Glück ist die See jetzt ganz ruhig. Trocken an Bord angekommen, gibt es trotz der späten Stunde noch einen Begrüßungscocktail.

 

Willkommen an Bord

 

Da der Rückflug schon neun Tage später stattfindet, haben wir uns für eine „Rund-Moorea-Tour“ entschieden. Wir starten an der SW-Seite mit der Bucht vor Haapiti. Hier gibt es zwischen dem Riff nur einen kleinen, unbetonnten Pass, der erst kurz vor der Einfahrt zu sehen ist. Eine beeindruckende Einfahrt, denn rechts und links brechen sich hohe Wellen. Surfer liegen auf der Lauer, um eine optimale Welle zu ergattern. Dazwischen aber ist es vollkommen ruhig. So gelangen wir auch problemlos an den Ankerplatz, der gut geschützt hinter dem Riff liegt. Hier geht es gleich zum Schnorcheln ins Wasser und tatsächlich kommt sofort ein Rochen vorbei. Schon am nächsten Tag geht es weiter in die Opunohu Bay, denn wir wollen von dort einen Ausflug zu den Rochen und Haien machen. Früh am Morgen brechen wir ohne Frühstück auf. Das haben wir als Picknick dabei. Die Dinghyfahrt dauert mit unserem kleinen Motor über eine halbe Stunde. Das Wetter ist traumhaft und wir entschließen uns, erst zu frühstücken. Auf einem kleinen Motu (Insel) finden wir hierfür ein gutes Plätzchen.

 

Frühstück am Dinghy

 

Auf dem Weg hierhin, kommen wir an einem merkwürdigen Verbotsschild vorbei. Haben die Fische hier wohl die Badenden belästigt?

 

Fische verboten

 

Anschließend geht es zurück zu den Rochen. Sie tummeln sich, genau wie die Haie, wieder in großer Zahl in dem flachen Wasser.

 

Begegnungen unter Wasser

 

Über eine Stunde verbringen wir im Wasser. Das macht natürlich hungrig und so fahren wir nochmal zurück Richtung Frühstücksplatz. Diesmal stoppen wir allerdings am ersten Motu. Hier befindet sich das „Coco Beach Café“. Unsere französischen Freunde haben uns den Platz empfohlen. Ein sehr guter Tipp, denn hier sitzt man direkt am glasklaren Wasser und sieht vorbei ziehende Rochen. Zur Entspannung gibt es sogar eine Hängematte. Und auch das Essen ist gut und nicht überteuert.

 

Coco Beach Café

 

Am nächsten Tag erkunden wir die Opunohu Bay von der Landseite, machen einen Stopp in Lilikois Café, schnorcheln am Ankerplatz und genießen das Bordleben.

 

Schwerer Bordalltag

 

Für den nächsten Tag planen wir eigentlich einen Abstecher in die Cooks Bay. Aber das Wetter macht uns einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Es regnet wie aus Kübeln und der Wind ist auch kräftig. Wenigstens bringt das ein wenig Kühle ins Boot. Zum Glück verziehen sich die Wolken am nächsten Tag. Unsere Sundowner nehmen wir diesmal im Nahe gelegenen Hilton ein, da dort am Abend auch eine Tanz- und Feuershow stattfindet. Ein Muss, wenn man Französisch-Polynesien besucht. Selbst wenn es, wie im Hilton, etwas touristisch ist.

Da wir durch den Regentag einen Tag länger als geplant in der Opunohu Bay waren, ändern wir unsere Planungen und beschliessen, Moorea nicht ganz zu umrunden. Es geht weiter in die Cooks Bay und von dort werden wir direkt nach Papeete fahren. Schließlich soll auch noch Gelegenheit zum Shoppen sein.

In der Cooks Bay haben wir schon bei unserem letzten Aufenthalt das „Moorea Beach Café“ für uns entdeckt. Die Küche ist hervorragend, das Personal überaus freundlich und das Restaurant mit seiner Lage und Ausstattung einfach ein schöner Ort. Man erkennt es schon von weitem an seinen orangen „Veuve Cliquot“-Fahnen. Wer möchte, kann hier fast zum Ladenpreis (immerhin 100 Euro) den gleichnamigen Champagner trinken oder im angegliederten Shop Handtücher, Sektkühler, Gläser etc. in orange mit entsprechendem Aufdruck kaufen. Mit einem eigenen kleinen Schwimmdock bietet das „Moorea Beach Café“ zudem die beste Möglichkeit, um an Land zu kommen.

 

Moorea Beach Café

 

Danach heißt es Abschied nehmen von Moorea. Nach einer schaukeligen Überfahrt erreichen wir die Marina de Papeete, wo zu unserer großen Freude unserer alter Platz noch frei ist. Jean-Yves ist auch gerade zurück von einer Segeltour und so werden wir mit großem „Hallo“ in Empfang genommen.

Zurück in der Zivilisation freut sich Sandra am meisten über eine ausgiebige Süßwasserdusche, nachdem sie sich in der letzten Woche vorbildlich mit unserem „Wassersparplan“ arrangiert hat und wie wir nach ausgiebigem Salzwasserbad nur Süßwasser in homöopathischer Dosis zum Abspülen der Salzkristalle verwendet hat. Nach einem Shoppingtag im heißen Papeete, einem nachmittäglichen Spaziergang im Park und einem Abschiedsessen im „Les 3 Brasseurs“, eine Brauerei mit angeschlossenem Restaurant, ist der Besuch auch schon vorbei. Morgens um 7:00 Uhr kommt das Taxi.

Die Zeit ging viel zu schnell um. Wir freuen uns nun auf unser Wiedersehen, spätestens im Herbst in Sydney!

 

 

 

La Tahitienne 2018

Alles grünt und blüht

 

François, unser Nachbar und Freund, nimmt uns auf einen Ausflug ins Landesinnere mit. Über 15 km Buckelpiste und durch Wasserläufe, die nur mit geländegängigen Fahrzeugen zu meistern sind, geht es vorbei an wunderschönen Wasserfällen.

 

 

Allerdings hat sich wegen abnehmender Regengüsse die Anzahl der Wasserfälle schon reduziert und die reißenden Flüsse bleiben zumeist wieder in ihrem Flussbett. Bei „Hochwasser“ ist ein Teil der Strecke unbefahrbar. Dies wird durch Markierungen auf Steinen angezeigt. Steht das Wasser bis „rot“, gibt es kein Durchkommen. Doch auch ohne Wasserstand bis zu den roten Markierungen ist die Fahrt dank der vielen Schlaglöcher und teilweise überfluteten Straßen abenteuerlich.

 

Rot heißt „Stopp“

 

Auf meiner Liste der Freizeitaktivitäten taucht ein ganz besonderer Punkt auf: Die Teilnahme am Wohltätigkeitslauf „La Tahitienne 2018“.

Die über 5.500 Teilnehmerinnen unterstützten mit ihrer Teilnahme den Kampf gegen Brustkrebs. Die Strecke ist mit 3 km zwar kurz, aber bei den hiesigen Temperaturen und einer Luftfeuchtigkeit um die 80% sind die Anforderungen an den Kreislauf deutlich erhöht. Auf jeden Fall ist es eine schweißtreibende Angelegenheit.

Umso erfrischender sind gekühlte Apfel- und Orangenviertel, die nach dem Zieleinlauf auf die Teilnehmerinnen warten.

 

La Tahitienne 2018

 

An Bord laufen weiterhin auch die Vorbereitungen für die neue Segelsaison, denn das Ende der Zyklon- und Regenzeit naht. Findus wird von innen und außen geputzt. Polieren gehört selbstverständlich ebenso zum Programm. Auch technisch muss das Schiff in Ordnung sein. Schoten, Fallen und Rollen werden teilweise erneuert. Das gilt auch für die Lazyjacks. Natürlich wird der Mast und das stehende Gut inspiziert und der Motor gewartet.

Letztlich benötigen auch die Bodenbretter einen neuen Anstrich. Während Reinhard die Lackierarbeiten früher in der Wintersaison wegen der niedrigen Temperauren im häuslichen Wohnzimmer erledigte, muss nun der Salon herhalten. Trotz genauem Hinsehen, ließen sich hier aber im Gegensatz zu früher keine Lackspuren an Gardinen und Polstern finden…

 

Frisch gestrichen