Heimathafen verlassen vor 1801 Tage 1 Stunde 30 Minuten

Endlich Bora-Bora!

 

„Endlich Bora Bora!“ sagt der Captain.

Dabei geht die Meinung unter den Langfahrtseglern über Bora Bora sehr auseinander. Immer wieder hören wir, dass die Insel viel zu touristisch sei und die Einheimischen unfreundlich wären. Einige Segler haben diese Insel sogar auf dem Weg zu den Cook Inseln ausgelassen. Das kommt für uns gar nicht in Frage. Sang doch Tony Marshall schon vor vielen, vielen Jahren in der deutschen Version von „Bora Bora“ … „mein Paradies im Sommerwind, wo alle Menschen glücklich sind“. Klingt echt kitschig, aber die Polynesier besingen ihre Insel selbst als Perle der Südsee. Da kann es doch gar nicht so schlecht sein. Und das ist es auch nicht.

Natürlich läuft hier nicht jeder mit einem Dauerlächeln durch die Gegend, aber man sollte vielleicht auch bedenken, dass die Menschen im Paradies ebenfalls einen Alltag zu bewältigen haben, der nicht nur aus Blumenkränzen, Tänzen und Gesang besteht. Trotzdem begegnen wir fast ausschließlich überaus freundlichen und hilfsbereiten Menschen und oft werden mit „Iaorana“ (Hallo) gegrüßt. Prachtvolle Hotelanlagen, Privatvillen und -strände konterkarieren aber auch das Leben in armseligen Hütten.

 

 

Mehrmals sind wir im Hauptort Vaitape, der keinen besonderen Charme hat. Durch den Ort führt zwar eine Asphaltstraße, Zugänge und Wege sind aber wie auf den anderen Inseln auch eher staubig und steinig. Es gibt zwei Supermärkte, einige Textilgeschäfte, einen kleinen Baumarkt und natürlich Souvenirläden und Perlengeschäfte. Unser Ankerplatz in der Lagune ist dagegen mit Abstand der schönste unserer bisherigen Reise.

 

Traumhafter Ankerplatz

 

Dieser Platz gefällt nicht nur uns Seglern. Auch Mantarochen kommen hier zu den größeren Korallen, um sich von den dort lebenden Fischen putzen zu lassen. Wir können unser Glück nicht fassen, als zwei dieser beeindruckenden Tiere mit einer Spannweite von 3-4 m direkt unter uns durchgleiten.

 

Mantarochen

 

Eine ganz andere Unterwasserattraktion liegt gegenüber von unserem Ankerplatz: Hier ist ein Segelschiff gesunken. Vermutlich vor nicht allzu langer Zeit, denn es noch nicht allzu stark bewachsen.

 

Boot unter Wasser

 

Für uns ist ganz klar, dass Bora Bora auf jeden Fall ein Traumziel ist.

Doch für uns heißt es nun Abschied nehmen. Ein Jahr waren wir in Französisch-Polynesien. Jetzt haben wir ausklariert, was hier bedeutet, dass man sieben verschiedene Formulare ausfüllen muss, die unterschiedlich aufgebaut sind, aber im Ergebnis immer wieder die gleichen Angaben abfragen. Die Bürokratie existiert auch im Paradies in ihrer schönsten Ausprägung.

Nun wollen wir sehen, ob wir noch Abstecher nach Maupiti und Maupihaa auf unserem Weg zu den Cook Inseln machen können. Beide haben schmale Pässe: Den Pass nach und von Maupiti kann man nur durchqueren, wenn die Welle aus Südost maximal 2 m ist. Aus dem Pass nach Maupihaa strömt immer das Wasser nach außen und im ungünstigen Fall beträgt die Geschwindigkeit 9 Knoten. Das wäre für uns nicht zu schaffen.

 

Tahaa

 

Tahaa

 

Tahaa, die Insel, die sich mit Raiatea eine Lagune teilt, ist bekannt für ihre Vanille. Was liegt da näher, als eine Vanille-Tour zu machen? Einen entsprechenden Anlauf haben wir schon kurz nach unserem Werftaufenthalt gemacht. Als wir dann aber die Zusage für eine Tour erhielten, hatten wir bereits das gute Wetterfenster für den Törn nach Huahine genutzt. Zurück auf Tahaa versuchen wir es erneut. Ein paar Tage Wartezeit müssen wir wohl einplanen. Die nutzen wir für verschiedene Aktivitäten:

Wir schnorcheln im Korallengarten beim Motu Maharare beim Außenriff auf der Westseite von Tahaa. Die Fische scheinen es gewohnt zu sein, hautnah Menschen um sich zu haben. Sie lassen sich überhaupt nicht von unserer Anwesenheit stören. Im Gegenteil: Ein Exemplar kommt ganz nah und glotzt direkt in das GoPro-Objektiv.

 

Näher ran geht nicht

 

Gegenüber vom Motu Maharare liegt die Bucht Tapuama. Hier können wir an einer der drei ausgelegten Moorings festmachen. Bezahlen müssen wir nichts. Ein guter Service, da die Bucht fast 30 m tief ist. Von unserem Platz haben wir einen wunderbaren Blick auf Bora Bora.

 

Bora Bora

 

Außerdem können wir bequem mit dem Dinghy an Land, wo es ein kleines Geschäft mit dem nötigsten, aber auch die Ma‘a Viti Pizzeria gibt. Einfach, aber gut.

 

Pizzeria á la Südsee

 

Das beste ist für uns aber der Besuch der „Iaorana Pearl Farm“. Sie liegt in der Vaiora-Bucht, südlich von uns, und ist gut mit dem Dinghy zu erreichen. Hier dürfen wir die Ernte der Perlen miterleben. Die „Iaorana Pearl Farm“ ist die größte Perlenfarm der Gesellschaftsinseln. Sie hat 1.000.000 Austern auf 52 ha. Täglich werden die Körbe unter Wasser gesäubert, alle drei Monate jede einzelne Auster. Letzteres geschieht an Land. Die endemischen Austern bekommen am Anfang kleine gelbe Süßwasserperlen einer Muschel aus dem Mississippi eingesetzt. Nach 18 Monaten hat sich hierum eine Schicht gebildet und eine kleine Südseeperle ist reif für die Ernte. Die Farbe entspricht der dominierenden Farbe im Regenbogen der Austernschale. Mehr grau, schwarz, grün oder gelb; je nachdem, für welchen Markt sie bestimmt sind, denn in Deutschland werden die grauen Perlen, in China die schwarzen und in den USA die grün schimmernden Perlen bevorzugt. An die Stelle der geernteten Perle wird eine neue Süßwasserperle eingesetzt, die in ihrer Größe dem geernteten Exemplar entspricht. Nach weiteren 18 Monaten wird auch diese Perle geerntet und wieder eine der Größe entsprechende Süßwasserperle eingesetzt. Kann die Auster nicht mehr für die Perlenzucht verwendet werden, wird das Perlmutt in China zu Knöpfen, das getrocknete Fleisch in China zu Austernsoße und der obere getrocknete Muskel in Australien zu Suppe verarbeitet.

 

Perlenfarm

 

 

Was aber nicht so recht klappt, ist unsere Vanille-Tour. Für den nächsten freien Termin müssten wir immer noch einige Tage auf Tahaa bleiben. Nachdem wir schon seit Tagen auf die Silhouette von Bora Bora geblickt haben, wollen wir endlich los. Wahrscheinlich wären wir nach der Überfahrt von Huahine besser gleich in die Haamene Bucht auf der Ostseite gefahren und von dort aus zu Fuß ins Vanilletal gewandert, um eine Vanillefarm zu besuchen. Aber umkehren möchten wir auch nicht mehr. Also verzichten wir auf diese Attraktion und segeln nach Bora Bora.

 

 

Pfingsten auf Huahine

Tahiti Pearl Regatta 2018

 

Nachdem Findus wieder gut im Wasser gelandet ist, verbringen wir noch ein paar Tage in der Marina. Wir fühlen uns prompt in die heimische Ostsee zurück versetzt: Es regnet in Strömen und zu beiden Seiten liegen Boote aus Dänemark. Die Sprache ist uns vertraut und wir stellen uns Hörup Hav vor. Allerdings hätte uns der Nachbar in Dänemark sicherlich keine Bananen geschenkt, weil alle Früchte an der Staude, die bei ihm am Großsegelbaum hängen, gleichzeitig reif werden.

Zunächst planen wir, rund Tahaa zu fahren, aber ein Blick in die Wettervorhersage zeigt uns, dass wir für lange Zeit die letzte gute Möglichkeit haben, Richtung Osten nach Huahine zu segeln. Und so machen wir uns hoch am Wind auf den Weg. Dabei kreuzen wir den Kurs der Boote, die an der jährlichen Tahiti Pearl Regatta teilnehmen.

Fünf Stunden später liegt Findus direkt vor Fare, dem Hauptort auf Huahine, sicher an einer Mooring. Von hier aus ist die Insel Tahaa bei guter Sicht zu sehen. Auch die Entfernung nach Bora Bora ist nicht weit. Eine Marina gibt es nicht, wohl aber den Huahine Yacht Club, an dessen Dinghysteg man unkompliziert anlanden kann.

 

Huahine Yacht Club

 

Die Regenzeit scheint allerdings nicht enden zu wollen. Mit 4-6 Bft. und 8 in Böen peitscht der Wind den Regen auf das Boot. Wir nutzen das Wasser und füllen unsere Tanks auf, …kostenlos.

Huahine sollte auf jeden Fall besucht werden, da sie als die ursprünglichste der Gesellschaftsinseln gilt. Es sind tolle Ankerbuchten vor 600m hohen Bergen in der schützenden Lagune zu finden, die sich hinter den Korallenriffen um die Insel zieht, und der Strand ist teilweise weiß. Die 6400 Einwohner bauen die typischen Südseefrüchte an und sind für ihren einfachen ländlichen Lebensstil bekannt. Die meisten Arbeitsplätze gibt es wohl im Tourismusbereich.

Der jetzige Name Huahine bezieht sich auf das Geschlecht der Frauen, wohl weil Frauen in der Geschichte der Insel eine wichtige Rolle spielten. So war die Königin der Insel zurzeit ihrer „Entdeckung“ durch James Cook Tahaapapa und ihre Ur-Ur-Enkelin Pomare IV, die Königin von Tahiti während des französischen Protektorats. Ursprünglich hieß die Insel allerdings Matairea (Happy Wind). Dieser Name erscheint uns im Moment der passendere zu sein. Wir können uns nur im Boot aufhalten und ausschließlich bei trockenen Tagesphasen an Land begeben. Nachdem wir unsere Vorräte gescheckt haben, entsteht eine lange Einkaufsliste.

 

Super U Fare Nui

 

Direkt vor dem größten Supermarkt legen wir mit dem Dinghy an. Das Einkaufserlebnis kann beginnen. Sowohl die Einrichtung des Super U’s als auch die Waren sind zwar nicht ganz mit denen der tollen Carrefour-Märkte auf Tahiti vergleichbar, aber wir bekommen alles Nötige und müssen an der Kasse 27690 XPF (232,04 € ) bezahlen. Fazit: Die Verproviantierungsmöglichkeit auf Huahine ist recht gut und die Preise liegen im französisch-polynesischen Rahmen, nämlich im Schnitt wohl das 1,7 fache der in Frankreich üblichen Lebenshaltungskosten. Die Preise einiger Lebensmittel vermitteln hiervon einen Eindruck.

 

Kassenquittung

 

1,5 l Mineralwasser still –> 0,84€ 0,33l lokales Dosenbier Hinano –> 1,94€ 0,7l Gin (günstig) –> 60,00€ 125g Joghurt –> 0,80 € 150g Fol Epi Käse –> 2,47€ 10 Scheiben Serrano Schinken –> 4,99€ 100g Salami geschnitten –> 1,63€ 1 Dose Chili con carne –> 4,15€ 200g Steak –> 4,40€ 600 g Broccoli –> 3,59€ 1 Baguette –> 0,44€

 

Fahrt zur Baie d’Avea

 

Gut verproviantiert verbringen wir so die Pfingsttage am südwestlichen Teil der Insel an einer Mooring. Als der Wind mal Luft holt schnorcheln wir im nahen Korallengarten. Ein gekennzeichneter Weg führt hier durch das Flachwasser auf die südöstliche Seite der Lagune und ist mit dem Dinghy befahrbar.

 

Korallengarten

 

Die Nächte sind kaum erholsam. Immer wieder pfeift der östliche Wind, der hier durch den Kapeffekt je nach Stärke auch umgelenkt wird, und reißt einmal sogar unsere drehbare Solarpaneele aus der Verankerung. Das Dinghy samt Motor müssen an Bord geholt und gesichert werden, da die Böen es im Wasser senkrecht in die Luft hieven. Das ist nachts trotz Scheinwerferbeleuchtung nicht ganz so einfach. Als Trost bleiben da nur noch das Hotel in der Bucht, das ab 17:30 Uhr Happy Hour hat und freien Internetzugang bietet, sowie die 28 Grad, die wir mit dem Wind als angenehme Kühle empfinden.

 

 

Findus an Land

 

Unser letzter Werftaufenthalt liegt schon anderthalb Jahre zurück und so ist es dringend an der Zeit, Findus wieder mal an Land zu bringen. Zunächst überlegen wir, dies auf Tahiti zu tun. Aber so richtig überzeugen uns weder die Werft in Papeete noch in Taravao. Dagegen haben wir viel Gutes über die Werften auf Raiatea gehört, welche unmittelbar nebeneinander liegen. Außerdem soll die kleinere Werft „Chantier Naval des Iles sous le Vent“, kurz C.N.I., auch deutlich günstiger als die Werften auf Tahiti sein. Für Anfang Mai bekommen wir hier einen Termin.

Zu der Werft gehört ein Teil der Marina Uturaerae, sowie mehrere Mooringe vor der Marina. Zwei Tage vor und zwei Tage nach dem Slippen können wir theoretisch umsonst in der Marina liegen. Da vor dem Slippen aber kein Platz frei ist, legen wir uns für eine Nacht an eine Mooring. Ebenfalls kostenlos. Hier lässt es sich gut auf das Slippen warten.

 

Guter Platz

 

Gemanagt wird der Betrieb von Karin, die tatsächlich sehr gut Deutsch spricht. Wie schon auf Grenada erfolgt das Slippen mit einem Traktor, der über eine Seilwinde einen Hubwagen mit Bock ins Wasser lässt. Als wir uns mit Findus dem Bock nähern, steht tatsächlich ein Einweiser direkt vor uns im Wasser, der später auch tauchend die richtige Position überprüft und Findus sichert.

 

Ungewöhnliche Einweisung

 

Alles verläuft reibungslos. Pünktlich zum Feierabend stehen wir an Land. Trotzdem kommt noch ein Mitarbeiter um das Unterwasserschiff mit dem Hochdruckreiniger zu säubern. Er arbeitet bis Sonnenuntergang. Für uns besteht also erstmal keine Möglichkeit, am Schiff zu arbeiten und so gönnen wir uns lieber ein kaltes Hinano auf das erfolgreiche Slippen.

 

Fernsterln bei Seglern

 

Bislang habe ich mich erfolgreich vor der Erfahrung gedrückt, während des Werftaufenthaltes an Bord zu schlafen. Die sanitären Anlagen sind in der Regel wenig einladend und alles an Bord ist ein wenig umständlicher. Aber der Preis für das uns von Freunden empfohlene und in der Nähe liegende Hotel beträgt 200 Euro pro Nacht und die Ferienwohnungen in der Nähe sind schon belegt. Außerdem bräuchten wir dann die ganze Zeit ein Auto. Wir entschließen uns, dieses Geld lieber für andere Dinge zu sparen. Eines davon ist der am nächsten Tag spontan gefasste Beschluss, das Antifouling diesmal streichen zu lassen, zumal das Produkt für Profis hergestellt wird und bestimmte Sicherheitsvorkehrungen zu beachten sind. Zum Glück ist das so kurzfristig möglich. Allerdings auch nur, weil der Mitarbeiter anbietet, die Arbeiten am Wochenende auszuführen. Wir bereiten also das Unterwasserschiff für den Anstrich vor. Es muss an einigen Stellen angeschliffen und gespachtelt werden. Außerdem wird der alte Antifoulinganstrich der auch Elektrolyse verhindernden Spezialfarbe vom Propeller und der Welle abgeschliffen, ein Primer aufgetragen und dann neu beschichtet.

Da klar ist, dass wir nicht vor Montag zurück ins Wasser kommen, nutzen wir den Freitag für einen Ausflug mit dem Auto. Es regnet sowieso immer wieder, weshalb das noch anstehende Polieren des Rumpfes an diesem Tag auch nicht möglich ist. Also machen wir uns auf, Raiatea auf ihrer 98 km langen Küstenstraße zu umrunden.

Raiateas ursprünglicher Name lautet Havai’i. Sie wird als die heilige Insel bezeichnet, denn für die Polynesier gilt sie als die Wiege der Mā‘ohi Zivilisation. Von hier aus startete vor über tausend Jahren die Besiedlung Polynesiens u.a. bis nach Neuseeland, Tonga und Hawaii. Das Gebiet wird durch eine Krake symbolisiert, deren Zentrum in Havai‘i, also Raiatea, liegt.

 

Polynesische Krake

 

Die Insel war das Machtzentrum. Auf dem größten Marae Polynesiens, Taputapuātea, wurde die Entscheidung zur Besiedlung anderer Länder getroffen. Die Stätte gehört seit 2017 zum Weltkulturerbe und ist natürlich Ausflugsziel. Ein beeindruckender Ort.

 

Taputapuātea

 

Weiter geht es, vorbei an grüner Landschaft und Wasserfällen.

 

Grüne Insel

 

Zwischendurch lässt sich auch mal die Sonne blicken. Das ist besonders gut für die Unterstützer der Parteien, die bei der am Sonntag stattfindenden Territorialwahl antreten. Im Hauptort Uturoa stehen viele Menschen direkt an der Straße und schwenken die Fahnen ihrer Partei vor den vorbeifahrenden Autos. Man stelle sich so eine Wahlwerbung in Deutschland vor.

 

Wahlwerbung

 

Am nächsten Tag hat der Schlendrian ein Ende. Das Wetter ist trocken. Zeit, für die dringend notwendige Politur des Rumpfes. Bei unserem letzten Werftaufenthalt haben wir uns dazu entschlossen, Findus nicht an Land sondern später vom Dinghy aus zu polieren. Eine wirklich schlechte Idee, die wir nicht wiederholen möchten. Dreimal müssen wir den Rumpf bearbeiten: Mit Wasser abwaschen, erstes Produkt für die Beseitigung ausgekreideter Stellen, zweites Produkt für den Glanz und den UV-Schutz. Bei der Hitze ein ziemlich strammes Programm. Alle 1,5 m muss das Gerüst abgebaut und umgestellt werden. Das trainiert ordentlich die Oberarme, wie das Polieren an sich natürlich auch. Irgendwie muss ich immer an „Karate Kid“ denken.

 

Polierarbeiten

 

Zum Glück ist es nur ein kurzer Fußweg bis zu dem kleinen Restaurant Snack Mimosa, ein absolutes Highlight für alle Segler an Land. Hier gibt es für einen günstigen Preis unglaublich große Portionen. Und das Essen schmeckt auch noch sehr gut. Besonders zu empfehlen ist der Thunfischspieß mit Pommes und Salat, aber nach einem langen Poliertag ist mir nach einer Portion „Chao Men“.

 

Belohnungsessen

 

Am Sonntag ist dann der Antifoulinganstrich dran. Dem Mitarbeiter eilt ein sehr guter Ruf voraus. Von anderen Seglern haben wir in den letzten Tagen immer wieder gehört, wie unglaublich fleißig und gut er arbeitet. Wir können das nur bestätigen.

 

Streicharbeiten

 

Am Montagmorgen ist Findus wie neu und bereit zum „Splash“.

 

Wieder schick

 

Bevor es aber zurück ins Wasser geht, bezahlt Reinhard die Rechnung. Und staunt nicht schlecht: Es ist der bislang günstigste Werftaufenthalt unserer Reise. Und zwar inklusive Antifoulingfarbe, die wir nach Verbrauch bezahlt haben. Das Slippen ins Wasser verläuft reibungslos. Und bevor wir endgültig vom Haken gelassen werden, kontrollieren Taucher noch, ob der Propeller einwandfrei im Vorwärts- und Rückwärtsgang läuft. Alles funktioniert tadellos und auch alle Ventile sind dicht. Für die Aufräumarbeiten an Bord bleiben wir noch ein paar Tage in der Marina. Wir können die Werft „Chantier Naval des Iles sous le Vent“ – C.N.I. absolut empfehlen.

 

 

Ankunft auf Raiatea

 

Nach einer unspektakulären zwanzigstündigen Überfahrt, die mit gutem Wind startet, aber letztendlich doch zu einer langen Motorfahrt wird, erreichen wir Raiatea. Raiatea und ihre Nachbarinsel Tahaa teilen sich eine von einem Riff umgebene Lagune. Die Zufahrt ist durch mehrere Pässe möglich. Wir entscheiden uns für den im Osten von Raiatea gelegenen Irihu Pass. Zwischen zwei kleinen Motus geht es durch die schmale Einfahrt.

 

Motu Irihu

 

Wir wollen in die Fa’aroa Bucht, wo man mit dem Dinghy den Fluss Fa’aroa befahren kann. Ziemlich weit unten finden wir einen gut geschützten Ankerplatz, direkt vor dem „Kopf der schlafenden Frau“, wie die Einheimischen den Berg nennen.

 

Schlafende Frau

 

In der Bucht ist es angenehm kühl und Findus liegt fast bewegungslos. Optimale Bedingungen, um nach der Überfahrt richtig erholsam zu schlafen.

Am nächsten Tag geht es mit dem Dinghy auf den Fluss. Würden nicht überall Palmen stehen, könnten wir auch auf einem deutschen Gewässer unterwegs sein.

 

Video: Flussfahrt

 

Für uns stellt die Landschaft eine willkommene Abwechslung dar.

 

Impressionen vom Fa’aroa

 

Am Rande des Flusses soll auch ein botanischer Garten sein. Wir sehen auf der rechten Seite einen offensichtlich neu gebauten Anleger, aber keinen Hinweis, dass sich dahinter ein für die Öffentlichkeit zugänglicher Ort befindet. Wir setzen unsere Fahrt daher erstmal fort und fragen kurz darauf einen Mann, der uns freundlich vom Ufer zuwinkt, wo wir den Garten finden. Er zeigt In die Richtung, aus der wir kommen. Also doch hinter dem neuen Betonsteg. Wir fahren trotzdem weiter den Fluss hinauf, bis es zu flach wird und vom Ufer immer mehr Baumstämme ins Wasser ragen. Auf der Rückfahrt treffen wir wieder auf den freundlichen Polynesier, der uns zu verstehen gibt, dass der botanische Garten geschlossen sei. Aber wenn wir möchten, zeigt er uns seinen Garten, der genau gegenüber der Anlegestelle vom botanischen Garten liegt. Der „Garten“ von André ist 2 ha groß. Eingebettet in die Landschaft baut er hier, ausschließlich für seine Familie und nicht für den Verkauf, Orangen, Papaya, Mango, Auberginen, Pacay, verschiedene Sorten Taro und Süßkartoffeln, Tomaten, Ingwer und noch vieles mehr an. Auch exotische Blumen gibt es in großer Zahl. Eine davon ist die Pinocchio-Blume. Und warum sie so heißt, demonstriert uns André gerne.

 

Polynesischer Pinocchio

 

André buddelt für uns auch Taro aus und holt frische Kokosnüsse vom Baum. Frischer geht es nicht.

 

Frisch vom Baum

 

Eine andere Sorte Kokosnuss wird geöffnet, die gar kein Wasser, sondern nur einen süßlich schmeckenden weichen Kern enthält, der in der Konsistenz an Zuckerwatte erinnert. Ummantelt ist dieser Kern von festem Kokosfleisch. André klärt uns darüber auf, dass dies die Kokosnuss zur Herstellung von Kokosmilch sei.

 

Und noch eine Kokosnuss

 

Die Überreste benutzt er zum Anlocken von Schweinen, die er mit einer simplen Falle fängt. Dabei gerät das Schwein mit dem Fuß in eine Schlinge, die sich zuzieht und es quasi an die Leine legt. Verletzt wird es dabei nicht.

André ist sehr stolz auf seinen Garten im Paradies, der seine Familie mit zwei Kindern komplett ernährt und wir freuen uns über die Gastfreundschaft, die uns zuteil wird. Zum Dank bietet Reinhard seine Dienste als neue Hühnerscheuche an.

 

Hühnerscheuche

 

Aber davon will André nichts wissen. Lieber lässt er uns zum Abschied frischen Hibiskusnektar probieren. Der wird direkt aus dem Ansatz der Blüte gesaugt. Ein ganz besonderer Nachtisch.