Heimathafen verlassen vor 1746 Tage 13 Stunden 1 Minute

Besuch aus Sydney

 

Unsere Nichte Sandra, die es ebenfalls vor drei Jahren in die Ferne nach Australien zog, hat sich für einen Besuch angekündigt. Über diese ganz besondere Abwechslung in unserem Bordalltag zu zweit freuen wir uns sehr. Damit Findus ihr wenigstens ein bisschen räumlichen Komfort bieten kann, wird die Achterkajüte um- bzw. ausgeräumt. Jetzt hat zwar der Salon einen etwas eigentümlichen Charme, aber unser Leben spielt sich sowieso mehr draußen ab.

Um auch seglerisch nicht gebremst zu werden, muss vor ihrer Anreise noch dringend das Schiff von grünen grasartigen Fäden befreit werden, die sich schon wieder kurz unterhalb des Wasserpasses angesiedelt haben. Unser Nachbar Jean-Yves bietet uns hierfür seinen Kärcher Hochdruckreiniger (in französischer Aussprache eher ein „kehr-Cher“ mit der Betonung auf dem „Cher“) an. Ein Großteil ist dann auch bequem von Land zu reinigen.

 

Reinhard mit „kehr-Cher“

 

Für den schlechter zugänglichen Bereich, der unter Wasser ist, kann sich Reinhard endlich der Lösung der Frage widmen, ob ein Hochdruckreiniger auch effizient unter Wasser arbeitet. Es funktioniert tatsächlich, aber nur, wenn man die Lanze unmittelbar vor die zu reinigende Stelle hält. Zudem ist der Rückstoß durch den Druck nicht zu verachten. Ohne steten Flossenschlag würde er wahrscheinlich durch das Hafenbecken sausen.

Nachdem alles soweit vorbereitet ist, geht es auf zu einer Testfahrt. Als Proviant erstehen wir diesmal auch die Früchte Ramboutan und Abiu. Ramboutan schmeckt wie Lychee, Abiu ist wie eine Mischung aus Birne und Apfel.

 

Ramboutan mit Abiu

Ramboutan im Rock

 

Zum Glück gibt es keine besonderen Vorkommnisse und so sind wir rechtzeitig am Ankerplatz in der Nähe der Marina Taina. Hier liegen wir nur fünf Minuten vom Flughafen entfernt.

Wie bei so vielen Flügen, ist auch die Ankunftszeit des Flugzeugs mit Sandra an Bord sehr spät am Abend. Gegen Mitternacht können wir sie endlich in Empfang nehmen. Natürlich mit den traditionellen Blumenkränzen. Die Freude über das Wiedersehen ist groß. Ihre erste Seereise beginnt weit nach Mitternacht von der Marina Taina mit dem Dinghy zu unserem Ankerplatz unter einem klaren Sternenhimmel. Noch am Mittag sind wir mit unserem Großeinkauf bei Gegenwind und kleinen Wellen ziemlich nass geworden. Zum Glück ist die See jetzt ganz ruhig. Trocken an Bord angekommen, gibt es trotz der späten Stunde noch einen Begrüßungscocktail.

 

Willkommen an Bord

 

Da der Rückflug schon neun Tage später stattfindet, haben wir uns für eine „Rund-Moorea-Tour“ entschieden. Wir starten an der SW-Seite mit der Bucht vor Haapiti. Hier gibt es zwischen dem Riff nur einen kleinen, unbetonnten Pass, der erst kurz vor der Einfahrt zu sehen ist. Eine beeindruckende Einfahrt, denn rechts und links brechen sich hohe Wellen. Surfer liegen auf der Lauer, um eine optimale Welle zu ergattern. Dazwischen aber ist es vollkommen ruhig. So gelangen wir auch problemlos an den Ankerplatz, der gut geschützt hinter dem Riff liegt. Hier geht es gleich zum Schnorcheln ins Wasser und tatsächlich kommt sofort ein Rochen vorbei. Schon am nächsten Tag geht es weiter in die Opunohu Bay, denn wir wollen von dort einen Ausflug zu den Rochen und Haien machen. Früh am Morgen brechen wir ohne Frühstück auf. Das haben wir als Picknick dabei. Die Dinghyfahrt dauert mit unserem kleinen Motor über eine halbe Stunde. Das Wetter ist traumhaft und wir entschließen uns, erst zu frühstücken. Auf einem kleinen Motu (Insel) finden wir hierfür ein gutes Plätzchen.

 

Frühstück am Dinghy

 

Auf dem Weg hierhin, kommen wir an einem merkwürdigen Verbotsschild vorbei. Haben die Fische hier wohl die Badenden belästigt?

 

Fische verboten

 

Anschließend geht es zurück zu den Rochen. Sie tummeln sich, genau wie die Haie, wieder in großer Zahl in dem flachen Wasser.

 

Begegnungen unter Wasser

 

Über eine Stunde verbringen wir im Wasser. Das macht natürlich hungrig und so fahren wir nochmal zurück Richtung Frühstücksplatz. Diesmal stoppen wir allerdings am ersten Motu. Hier befindet sich das „Coco Beach Café“. Unsere französischen Freunde haben uns den Platz empfohlen. Ein sehr guter Tipp, denn hier sitzt man direkt am glasklaren Wasser und sieht vorbei ziehende Rochen. Zur Entspannung gibt es sogar eine Hängematte. Und auch das Essen ist gut und nicht überteuert.

 

Coco Beach Café

 

Am nächsten Tag erkunden wir die Opunohu Bay von der Landseite, machen einen Stopp in Lilikois Café, schnorcheln am Ankerplatz und genießen das Bordleben.

 

Schwerer Bordalltag

 

Für den nächsten Tag planen wir eigentlich einen Abstecher in die Cooks Bay. Aber das Wetter macht uns einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Es regnet wie aus Kübeln und der Wind ist auch kräftig. Wenigstens bringt das ein wenig Kühle ins Boot. Zum Glück verziehen sich die Wolken am nächsten Tag. Unsere Sundowner nehmen wir diesmal im Nahe gelegenen Hilton ein, da dort am Abend auch eine Tanz- und Feuershow stattfindet. Ein Muss, wenn man Französisch-Polynesien besucht. Selbst wenn es, wie im Hilton, etwas touristisch ist.

Da wir durch den Regentag einen Tag länger als geplant in der Opunohu Bay waren, ändern wir unsere Planungen und beschliessen, Moorea nicht ganz zu umrunden. Es geht weiter in die Cooks Bay und von dort werden wir direkt nach Papeete fahren. Schließlich soll auch noch Gelegenheit zum Shoppen sein.

In der Cooks Bay haben wir schon bei unserem letzten Aufenthalt das „Moorea Beach Café“ für uns entdeckt. Die Küche ist hervorragend, das Personal überaus freundlich und das Restaurant mit seiner Lage und Ausstattung einfach ein schöner Ort. Man erkennt es schon von weitem an seinen orangen „Veuve Cliquot“-Fahnen. Wer möchte, kann hier fast zum Ladenpreis (immerhin 100 Euro) den gleichnamigen Champagner trinken oder im angegliederten Shop Handtücher, Sektkühler, Gläser etc. in orange mit entsprechendem Aufdruck kaufen. Mit einem eigenen kleinen Schwimmdock bietet das „Moorea Beach Café“ zudem die beste Möglichkeit, um an Land zu kommen.

 

Moorea Beach Café

 

Danach heißt es Abschied nehmen von Moorea. Nach einer schaukeligen Überfahrt erreichen wir die Marina de Papeete, wo zu unserer großen Freude unserer alter Platz noch frei ist. Jean-Yves ist auch gerade zurück von einer Segeltour und so werden wir mit großem „Hallo“ in Empfang genommen.

Zurück in der Zivilisation freut sich Sandra am meisten über eine ausgiebige Süßwasserdusche, nachdem sie sich in der letzten Woche vorbildlich mit unserem „Wassersparplan“ arrangiert hat und wie wir nach ausgiebigem Salzwasserbad nur Süßwasser in homöopathischer Dosis zum Abspülen der Salzkristalle verwendet hat. Nach einem Shoppingtag im heißen Papeete, einem nachmittäglichen Spaziergang im Park und einem Abschiedsessen im „Les 3 Brasseurs“, eine Brauerei mit angeschlossenem Restaurant, ist der Besuch auch schon vorbei. Morgens um 7:00 Uhr kommt das Taxi.

Die Zeit ging viel zu schnell um. Wir freuen uns nun auf unser Wiedersehen, spätestens im Herbst in Sydney!

 

 

 

La Tahitienne 2018

Alles grünt und blüht

 

François, unser Nachbar und Freund, nimmt uns auf einen Ausflug ins Landesinnere mit. Über 15 km Buckelpiste und durch Wasserläufe, die nur mit geländegängigen Fahrzeugen zu meistern sind, geht es vorbei an wunderschönen Wasserfällen.

 

 

Allerdings hat sich wegen abnehmender Regengüsse die Anzahl der Wasserfälle schon reduziert und die reißenden Flüsse bleiben zumeist wieder in ihrem Flussbett. Bei „Hochwasser“ ist ein Teil der Strecke unbefahrbar. Dies wird durch Markierungen auf Steinen angezeigt. Steht das Wasser bis „rot“, gibt es kein Durchkommen. Doch auch ohne Wasserstand bis zu den roten Markierungen ist die Fahrt dank der vielen Schlaglöcher und teilweise überfluteten Straßen abenteuerlich.

 

Rot heißt „Stopp“

 

Auf meiner Liste der Freizeitaktivitäten taucht ein ganz besonderer Punkt auf: Die Teilnahme am Wohltätigkeitslauf „La Tahitienne 2018“.

Die über 5.500 Teilnehmerinnen unterstützten mit ihrer Teilnahme den Kampf gegen Brustkrebs. Die Strecke ist mit 3 km zwar kurz, aber bei den hiesigen Temperaturen und einer Luftfeuchtigkeit um die 80% sind die Anforderungen an den Kreislauf deutlich erhöht. Auf jeden Fall ist es eine schweißtreibende Angelegenheit.

Umso erfrischender sind gekühlte Apfel- und Orangenviertel, die nach dem Zieleinlauf auf die Teilnehmerinnen warten.

 

La Tahitienne 2018

 

An Bord laufen weiterhin auch die Vorbereitungen für die neue Segelsaison, denn das Ende der Zyklon- und Regenzeit naht. Findus wird von innen und außen geputzt. Polieren gehört selbstverständlich ebenso zum Programm. Auch technisch muss das Schiff in Ordnung sein. Schoten, Fallen und Rollen werden teilweise erneuert. Das gilt auch für die Lazyjacks. Natürlich wird der Mast und das stehende Gut inspiziert und der Motor gewartet.

Letztlich benötigen auch die Bodenbretter einen neuen Anstrich. Während Reinhard die Lackierarbeiten früher in der Wintersaison wegen der niedrigen Temperauren im häuslichen Wohnzimmer erledigte, muss nun der Salon herhalten. Trotz genauem Hinsehen, ließen sich hier aber im Gegensatz zu früher keine Lackspuren an Gardinen und Polstern finden…

 

Frisch gestrichen

 

 

 

Sprachübungen

 

Noch nie habe ich es so sehr bereut wie jetzt, mich entgegen aller guten Ratschläge in der siebten Klasse für Latein und nicht Französisch als zweite Fremdsprache entschieden zu haben. Zwar sind wir auch hier mit Englisch bislang gut zurecht gekommen, aber Gespräche sind doch sehr begrenzt.

So fasse ich den Entschluss, Französisch zu lernen. Die fließend Englisch sprechenden Hafenmeister halten das allerdings für überflüssig: Wenn, dann solle ich doch lieber „Tahitian“ lernen. Damit käme ich auf den übrigen Inseln viel weiter und leichter wäre es auch, da viele Worte aus dem Englischen kämen. Eine kleine Einführung folgt auf dem Fuße. Die Idee finde ich reizvoll. Wer spricht schon Reo Mao‘hi, wie die korrekte Bezeichnung lautet. Aber global betrachtet erscheint Französisch doch die sinnvollere Wahl zu sein.

So lerne ich seit Monaten mit dem Online-Sprachprogramm Duolingo und in letzter Zeit mit in Deutschland erworbenen Französischbüchern. Und tatsächlich stellen sich erste Erfolge ein: Produktinformationen sind verständlich, die ersten Zeitungsartikel ergeben einen Sinn und telefonisch kann ich mich sogar bis zum gewünschten Gesprächspartner durchfragen.

Aber richtiges Lernen findet natürlich nur unter Menschen statt. Und da unsere Nachbarn mich mehrfach fragen, ob ich nicht mit zum Aquabiking kommen möchte, vernachlässige ich die Frage, ob ich wohl so deutlich während unserer Abwesenheit zugenommen habe, und konzentriere mich lieber auf die Chance, mein Hörverständnis weiter zu üben. Das klappt im Großen und Ganzen recht gut, zumal ich auch sehe, was ich tun soll. Und es macht Spaß.

 

So geht Französisch lernen auch

 

Da die Franzosen für gutes Essen bekannt sind, ist ein beachtlicher Teil der Sprachkurse dem Bereich Nahrungsmittel und Kochen gewidmet. Was liegt da näher als ein Restaurantbesuch mit unseren französischen Freunden. Hier kann Reinhard seine Sprachkenntnisse einbringen. Für einen vorbereiteten Toast muss allerdings auch der Google-Translator ran… und alle haben ihn verstanden.

 

Restaurantausflug

 

Das ist nicht selbstverständlich, wenn Google-Translator ins Spiel kommt: Als wir nicht verstehen, welcher Teil des Rinds (z.B. Schulter oder Hüfte) für Bœuf Bourguignon verwendet wird, schlägt das Übersetzungsprogramm „Bohrfutter“ vor. Wie lecker!

 

 

Im wahrsten Sinne Regenzeit

Kreuzfahrt in der Regenzeit

 

Schon während unserer Abwesenheit haben uns unsere Bootsnachbarn berichtet, dass es auf Tahiti viel regnen würde. Und als wir spätabends aus dem Flugzeug steigen, haben wir im ersten Moment den Eindruck, die Tür zu einer Dampfsauna zu öffnen. Aber in den nächsten Tagen herrscht nur eitel Sonnenschein. Findus liegt wohlbehalten und von unserem Nachbarn Jean-Yves sogar am Wasserpass gereinigt in der Box. Die Temperaturen sind erträglich. Beste Voraussetzungen also um anzukommen. Aber nach knapp zehn Tagen ziehen trübe Wolken am Horizont auf.

In der Zwischenzeit ist unser Webmaster Gerald mit seiner Frau Kristina auf Kreuzfahrt in der Karibik unterwegs. Dort ist schließlich auch die richtige Saison dafür und die Fotos, die uns erreichen, zeigen vergnügte Urlauber und bestes Urlaubswetter. Sie haben also alles richtig gemacht. Im Gegensatz zu den Kreuzfahrtpassagieren, die in Papeete einsteigen und die günstige Nebensaison für einen Urlaub in der Südsee nutzen. Es herrscht starker NW-Wind, in Böen bis 8 Beaufort und dazu regnet es in Strömen.

 

Video: Regen, Regen, nichts als Regen

 

Die Zeitschrift des Tourismus-Office enthält eine Übersicht der An- und Ablegezeiten der verschiedenen Kreuzfahrtschiffe. Doch das Wetter scheint dieser Planung einen Strich durch die Rechnung zu machen: Das Kreuzfahrtschiff „Marina“ ist für 5:00 Uhr morgens angekündigt. Tatsächlich legt es aber schon am Vorabend gegen 18:00 Uhr an und einige Passagiere verlassen fluchtartig mit ihren Rollkoffern das Schiff. Scheint kein großer Spaß gewesen zu sein.

Das können wir uns gut vorstellen, denn bei dieser Windrichtung kommt der Schwell auch genau in die Marina. Selbst am Steg schaukelt Findus so stark, als ob wir auf See unterwegs wären. Und das sind nur die Ausläufer. Draußen muss sich eine hohe See aufgebaut haben. Am vorgelagerten Riff brechen sich große Wellen. Wir nutzen die Schaukelei für einen DVD-Abend und schauen „Kon-Tiki“, die Geschichte von Thor Heyerdahls Expedition, die bewies, dass schon vor tausenden von Jahren Menschen mit Flößen von Peru über den Pazifik gefahren sind. Das Floß zerschellte dann am Riff von Raroia, wo wir vor nicht allzu langer Zeit selbst noch waren. Die Kenntnis der Gegebenheiten und die aktuelle Schiffsbewegung lassen uns die Pazifiküberquerung auf dem Floß hautnah miterleben.

 

Video: Schiffsbewegungen

 

 

Blizzard über Tokyo

 

Nichtsahnend machen wir uns am 22. Januar gegen 11:00 Uhr auf den Weg zum Flughafen. Unser Flug nach Auckland via Brisbane ist zwar erst für 19:30 Uhr geplant, aber die Zeit ist zu knapp für einen weiteren Tag in Tokyo.

Es ist kalt, der Himmel ist grau und ein leichter Nieselregen hat eingesetzt. Ungemütlich, aber nicht außergewöhnlich. Wir vertreiben uns den Tag im Narita-Airport. Auf einer großen Leinwand wechselt sich Tourismus-Werbung mit aktuellen Nachrichten aus der ganzen Welt ab. Wir staunen nicht schlecht, als ein Bild von Martin Schulz vom SPD-Parteitag gezeigt wird. Der Text ist für uns leider nicht zu entziffern, da er ausschließlich auf japanisch ist. Zum Glück wechselt die Anzeigetafel für die abgehenden Flüge regelmäßig zwischen japanischer und lateinischer Schrift.

 

Wo steht unser Flug?

 

Wir gehen etwas essen, gucken uns in den Geschäften um und natürlich besuchen wir die Toiletten, in Japan ein ganz besonderes Highlight. Schon die Toilette in unserem Hotel hatte eine besondere Ausstattung: Neben Dusch- und Bidetfunktion ist die Klobrille beheizt. Vermutlich eine ganz besondere Extraausstattung. Für uns fühlt es sich eher so an, als ob da gerade jemand seit Stunden drauf gesessen hätte. Am Flughafen fehlt dieses Extra. Aber dafür gibt es auf der Damentoilette eine andere Besonderheit. Zuerst denke ich, dass hier Musik abgespielt werden kann.

Und ganz verkehrt liege ich damit nicht, denn hier kann der „Flushing Sound“ eingeschaltet werden. Wir hatten schon vor langer Zeit einen Bericht darüber gesehen, dass der Wasserverbrauch in Japan sehr hoch war, weil Japanerinnen während der Toilettenbenutzung ständig auf die Klospülung drücken um damit etwaige Geräusche zu übertönen. Deshalb wurden die Toiletten mit diesem ganz besonderen „Soundsystem“ ausgestattet. Es kommt mir doch ziemlich bizarr vor.

 

Toilettenaustattung in Japan

 

 

Um 16:00 Uhr öffnet der Qantas Schalter und wir checken frohen Mutes ein. Am Gate steht ein Fernseher, auf dem ein Sumoringer-Wettkampf läuft. Während Reinhard sich auf einer Bank ausruht, schaue ich mir das Spektakel eine Weile an. Zwischendurch gibt es immer wieder Berichte von Schneefall irgendwo in Japan. Denke ich. Die Fenster am Gate sind beschlagen, draußen hat die Dämmerung eingesetzt. Eigentlich sollte langsam das Boarding beginnen, tut es aber nicht. Hinter mir steht der Flugzeugkapitän und telefoniert. Ich höre etwas von jeder Menge Probleme und so langsam fangen die Wartenden an zu verstehen, dass es kein Schneefall irgendwo in Japan ist, sondern ein Blizzard, also ein ausgewachsener Schneesturm, über Tokyo und leider auch über dem Narita-Airport.

 

Unsere Maschine im Schnee

 

Die folgende Informationspolitik macht uns nicht gerade glücklich und zufrieden. Regelmäßig gibt es Durchsagen, dass im Moment keiner weiß, wie es weitergehen soll. Danke für Ihre Geduld!

Dann hält der smarte Co-Pilot eine kleine Rede. Der Flug fällt aus, aber es wird noch auf die Entscheidung gewartet, ob unser Gepäck wieder entladen wird. Bitte bleiben Sie am Gate. Danke für Ihre Geduld!

Mittlerweile ist es 23:00 Uhr. Es werden Decken und ca. fünf Kopfkissen verteilt. Langsam werden wir hungrig. Zum Glück hat noch ein kleiner Shop geöffnet. Sandwichs sind natürlich aus, aber Instant-Nudelgerichte gibt es noch. Sie kochen für uns Gestrandete auch das Wasser. Leider ist die Schlange lang und der Wasserkocher erstaunlich langsam. Als ich endlich unsere heißen Nudelportionen in der Hand halte kommt prompt die Durchsage, dass wir jetzt vom Personal hinuntergeführt werden. Was soll das denn heißen?

Captain und Crew sind schon längst weg und die Belegschaft am Schalter weiß auch nicht so richtig was passiert. Auf meine Frage, was uns denn unten erwarten würde, erhalte ich ein wenig aufschlussreiches Schulterzucken.

Wie die Lemminge setzen wir uns in Bewegung. Ich kleckere mit den heißen Currynudeln so vor mich hin. Vorsichtig ausgedrückt war meine Stimmung schon mal besser. Von Qantas ist niemand in Sicht. Das Personal von Japan Airlines gibt sich dagegen redlich Mühe uns weiterzuhelfen. Letztendlich müssen wir unser Gepäck abholen, wieder zur Immigration („nicht ausgereist“ prangt jetzt in unseren Pässen) und durch den Zoll. In der Eingangshalle werden Schlafsäcke, Wasser und Cracker verteilt. Anschließend suchen wir uns ein kuscheliges Plätzchen auf dem kalten Flughafenboden. Gar nicht so einfach, bei mehreren Tausend. Tatsächlich finden wir ein paar Stunden Schlaf.

 

 

In der Zwischenzeit hat meine Schwester Brigitte mit „Reisefieber“, dem Hamburger Reisebüro, das unsere Reise organisiert hat, gesprochen. Im Gegensatz zu Qantas erweist sich „Reisefieber“ als überaus hilfreich und teilt uns unsere voraussichtliche neue Flugzeit mit. Um 14:00 Uhr soll es nach Brisbane gehen. Ankunftszeit dort 23:50 Uhr, Weiterflug nach Auckland am nächsten Tag um 8:15 Uhr. Sollte uns da etwa noch eine weitere Nacht auf einem Flughafen bevorstehen?

Beim Einchecken fragen wir nach einem Hotelgutschein für die bevorstehende Nacht und bitten um Organisation der Unterbringung. Dabei sehen wir unsere Situation schon sehr realistisch: Landen um 23:50 Uhr, Gepäck abholen, Immigration und Zoll und rechtzeitig am nächsten Tag wieder zum Einchecken am Flughafen sein lässt nicht viel Zeit für einen Hotelbesuch. Der scheinbar einzige Mitarbeiter von Qantas ist gegen 11:00 Uhr vor Ort. Er nimmt sich unseres Problems an und tatsächlich werden wir auf einen Direktflug mit Air New Zealand von Tokyo nach Auckland umgebucht.

Was er uns nicht erzählt, ist, dass es natürlich auch bei Air New Zealand einen Flugausfall gab. Vor dem Schalter wartet schon eine riesige Schlange, um für den Flug um 18:30 Uhr einzuchecken. Wir erzählen mehrmals brav unsere Geschichte von Flugausfall und Umbuchung und werden einer Schlange zugewiesen. Da wir auch Opfer des gestrigen Flugausfalls sind, sollen wir selbstverständlich mitkommen. Nach drei Stunden Anstehen wähnen wir uns endlich am Ziel. Der erste Koffer liegt auf der Waage als wir freundlich darüber aufgeklärt werden, dass wir von Qantas auf den heutigen Flug (23.01.) umgebucht worden seien, dieser aber aufgrund der Aufarbeitung des Flugausfalls vom gestrigen Tag auf den 24.01. verschoben sei. Ich glaube, mich zu verhören. Aber mir wird bestätigt, dass wir auch die nächste Nacht auf dem Flughafen verbringen dürfen.

Wir sind seit Tagen unterwegs, das Jetlag ist deutlich zu spüren und bei dieser Aussicht steigt mein Adrenalinspiegel deutlich an. Es folgt eine intensive Diskussion mit dem Chef vom Dienst, an dessen Ende unsere Boardingpässe stehen. (Anm. R.: Seitdem ich Karen kenne, habe ich noch nie so einen „temperamentvollen“ Auftritt von ihr erlebt. Und das noch auf Englisch.)

Mit dem „Final Call“ erreichen wir das Flugzeug und können unser Glück kaum fassen, tatsächlich abzuheben.

Wir kommen gut in Auckland an, unser Gepäck leider nicht. Auch egal. Wir sind so müde, dass wir im Stehen schlafen könnten und ein Blick auf unsere Gepäckscheine zeigt uns, dass das Gepäck bis nach Papeete eingecheckt wurde. Trotzdem bestehe ich zu Reinhards Leidwesen auf einen Besuch beim Serviceschalter. Gegen 13:00 Uhr sind wir endlich im Hotel. Hier wollen wir nur kurz ein bisschen ausruhen und dann mit dem Bus nach Auckland fahren. Um 16:00 Uhr wache ich das erste Mal auf. Allerdings nicht für lange. Um 22:00 Uhr werden wir beide wach. Das war es wohl sowohl mit Auckland als auch mit Abendessen. Wir schlafen weiter.

Zum Glück herrscht beim Abflug klare Sicht, so dass wir noch ein bisschen von Neuseeland zu sehen bekommen.

 

Neuseeland von oben

 

Wir sind im Flugzeug in bester Stimmung. Sind wir doch traditionell polynesisch mit Blumen begrüßt worden.

 

Südseefeeling

 

Und auch am Flughafen in Papeete werden wir wunderbar in Empfang genommen: Eine kleine Musikgruppe spielt und unser Nachbar Françoise, der uns vom Flughafen abholt, hängt uns zur Begrüßung Blumenkränze um den Hals. Wir haben das Gefühl nach Hause zu kommen. Unser Gepäck ist übrigens auch mit uns angekommen. Hat Reinhard ja gleich gesagt.