Heimathafen verlassen vor 1827 Tage 7 Stunden 53 Minuten

Palmerston, das Atoll der Marsters

Palmerston-Shuttle

 

Auf unserem Weg nach Westen liegt Palmerston. Eine kleine Insel in einem zu den Cookinseln gehörenden Atoll.

Als Captain Cook im Jahr 1774 hier kurz landete, benannte er die Insel nach Lord Palmerston, dem damaligen First Lord der Admiralität. Zu diesem Zeitpunkt war die Insel noch unbewohnt. Dies änderte sich im Jahr 1863, als der englische Zimmermann William Marsters mit seiner polynesischen Frau, deren Schwester und einer weiteren Frau, die sie unterwegs getroffen haben auf Palmerston anlandete. Er unterteilte die Insel in drei gleich große Bereiche, für jede Frau ein Drittel. Mit diesen Frauen gründete er seine „Marsters-Dynastie“ mit 26 Kindern.

Heute leben noch 42 Nachfahren auf Palmerston und verwalten sich nach den von William Marsters aufgestellten Regeln nach wie vor selbst. Viele weitere Nachfahren leben mittlerweile in Australien oder Neuseeland. Auf den drei Inselabschnitten wohnen die Familien von Bill Marsters, Edward Marsters und Bob Marsters. Sie leben hauptsächlich vom Fang von Papageifischen, die nach Rarotonga verkauft werden.

Nähert sich eine Yacht Palmerston, beginnt ein Wettrennen zwischen den Familien, wer Gastgeber der Crews ist. Dabei ist der erste Kontakt entscheidend, egal ob per Funk oder durch persönlichen Empfang und Zuweisung einer Mooring am Außenriff.

Bei uns und den Crews von Beachland und Sarayu ist Bob Marsters an erster Stelle. Nach den auf Palmerston geltenden Regeln holt er uns jeweils am Vormittag mit seinem Aluminium Fischerboot von Findus ab und bringt uns am Nachmittag zurück. Der Weg durch das Riff bedarf schon einiger Ortskenntnis und so nehmen wir diese Möglichkeit gerne wahr. Aber damit nicht genug der Gastfreundschaft: Wir werden am ersten Tag um die Insel geführt und erhalten einen kurzen Einblick in die Geschichte der Marsters.

 

Bob skizziert die Regierung Palmerstons

 

Hauptstraße

 

Wohnhaus von William Marsters

 

Die letzte Ruhestätte finden die Bewohner auf dem Friedhof ihres Inselabschnitts.

 

Friedhof

 

Grabstein von William Marsters

Es gibt eine Schule für die Kinder von 7 bis 15 Jahren. Die weitere Schulbildung findet dann auf der Hauptinsel Rarotonga statt.

 

Palmerston Lucky School

 

An einem kleinen Häuschen können wir sogar einen Zugangscode für das Internet erwerben.

 

Telekommunikationsstation

 

Viele Familien haben Palmerston in den letzten Jahren verlassen. Die Häuser wurden einfach aufgegeben. Auch die Jugendlichen zieht es zum großen Teil nach Australien oder Neuseeland. Auch drei der sechs Kinder von Bob leben in Australien und Rarotonga. Nur die Nachbarstochter von Bob hält ein Leben außerhalb von Palmerston für zu gefährlich.

Nach dem Rundgang geht es zum Lunch zu Bob. Seine Frau Tepou hat reichlich vorbereitet: Es gibt u. a. Papageifisch, Huhn, Schwein und herzhafte Pfannkuchen. Eine große Auswahl für uns Yachties, obwohl wir gar nicht erwartet wurden; mit Ausnahme von Sararyu, die auf ihrem Katamaran eine große Lieferung Obst und Gemüse von Aitutaki mitbringen. Organisiert wurde der Transport über das Zollbüro. Wir hatten ebenfalls angeboten, Sachen nach Palmerston zu transportieren, unsere Findus wurde aber als zu klein befunden. Bei den Mengen, die unsere Nachbarn in Bobs Boot befördern, können wir die Einschätzung nur teilen.

 

Essplatz im Freien

 

Ein bisschen gewöhnungsbedürftig ist, dass die Gastgeber uns beim Essen zusehen und erst selbst essen, nachdem wir fertig sind. Sie leisten uns Gesellschaft, genauso wie einige der zahlreichen Hühner.

 

Kleine Versammlung

 

Jeden Tag werden wir abgeholt und ausgiebig verpflegt. Auch unsere Wäsche dürfen wir hier waschen. Ansonsten sind wir frei, die Insel zu erkunden. Wir umrunden sie, was im langsamen Tempo einen Spaziergang von 30 Minuten bedeutet. Dabei sehen wir das Wrack der RiRi, die im Jahr 2011 Schiffbruch erlitt, als der Wind auf West drehte und die Mooring am Außenriff nicht hielt. Den Ratschlag Bobs, einen zusätzlichen Anker auszubringen, wollte der Captain nicht befolgen. Das zum Glück unverletzte Skipperpaar wurde von anderen Seglern mit nach Tonga genommen. Aber für das Boot gab es keine Rettung.

 

RiRi

 

Am Strand treffen wir auch auf eine der vielzähligen Krabben. Natürlich zieht sie sich sofort in ihr Haus zurück. Aber was bei Schnecken im Wattenmeer funktioniert, funktioniert auch auf der anderen Seite der Welt. Leichte Schaukelbewegungen locken den Bewohner für ein Foto aus dem Haus.

 

Hamcrab

Wir fühlen uns wie auf einer verlassenen Insel. Und so versucht Reinhard auch gleich, eine Kokospalme zu erklimmen.

 

Hoch hinaus

 

Nach zwei Tagen haben die anderen beiden Crews Palmerston verlassen. Wir warten lieber auf ein besseres Wetterfenster, denn der Wind ist so stark, dass Bob uns an einer zweiten Mooring vertäut. Bei unserer Nähe zum Riff und dem anscheinend zweifelhaften Zustand der Moorings sind wir über einen zusätzlichen Halt dankbar. Außerdem sind wir, wie alle Bewohner Palmerstons auch, zum Geburtstag eines Zweijährigen eingeladen. Eine der vielen Gelegenheiten, um gemeinsam zu essen. Vorher machen wir noch mit Bob, Tepou und den beiden Töchtern Musik. Mit der Ukulele in der Hand, marschiert Bob anschließend voraus zur Geburtstagsfeier, wo Reinhard auch mit seinem Akkordeon aufspielt.

 

Musik, Musik, Musik

 

Wir werden auch bei der Feier herzlich aufgenommen und am Ende des Nachmittags dürfen wir nicht gehen, ohne uns ein paar Portionen des guten Essens mit aufs Boot zu nehmen.

Wir revanchieren uns für die Gastfreundschaft u. a. mit Lebensmitteln, Angelequipment, Kosmetikartikeln, Kugelschreiber, Buntstiften und der Bezahlung der Mooring. Das Versorgungsschiff kommt nur alle paar Monate und es gibt keine Möglichkeit, in der Zwischenzeit etwas einzukaufen. Wir empfinden den Besuch auf Palmerston als eine große Bereicherung. Einerseits, weil es so ungewöhnlich ist, von Fremden in dieser Form aufgenommen zu werden, andererseits, weil wir sehen, welche harten Bedingungen ein Leben im vermeintlichen Paradies haben kann. Neben den Versorgungsschwierigkeiten und der fehlenden ärztlichen Versorgung – es gibt lediglich eine Krankenschwester, die Tabletten ausgibt – ist es auch die fehlende Mobilität. Einfach die Insel zu verlassen, um der Nachbarinsel einen Besuch abzustatten, ist nicht möglich. Möchte man nach Rarotonga, muss man dort auch in der Regel mindestens zwei Monate bleiben, bevor das Versorgungsschiff einen auf einer zweitägigen Fahrt wieder zurück bringt. Und kommt ein Zyklon, was zum Glück nicht so oft der Fall ist, binden sich die Bewohner in der Mitte der Insel an den Palmen fest. Da haben wir es doch deutlich einfacher.

 

 

Cookinseln – Ankunft auf Aitutaki

Air Rarotonga

 

Nach vier Tagen Überfahrt kommen wir kurz nach Sonnenaufgang und bei ablaufendem Wasser an der Küste Aitutakis an. Die Insel liegt im Norden der südlichen Cookinseln in einem Atoll und es gibt nur zwei Möglichkeiten, direkt anzulanden: Mit einem kleinen Flugzeug oder einem kleinen Schiff. Durch das Riff ist ein künstlicher Kanal gebaut, der in den kleinen Hafen führt. Bei Niedrigwasser beträgt die Wassertiefe ca. 1,40 m. Das ist auch für uns zu flach und so warten wir fünf Stunden beigedreht vor der Passeinfahrt mit back gestellter Fock. Genügend Zeit, um ausgiebig zu frühstücken, zu duschen und den Salon, der in den letzten Tagen zum Schlafen diente, wieder aufzuräumen. Schließlich kommen auf Aitutaki der Health-Officer und ein weiterer Mitarbeiter der Biosecurity an Bord.

Als wir den Pass gegen 13:00 Uhr befahren, stehe ich vorne am Bugkorb und dirigiere Reinhard mit Handzeichen durch den engen Kanal, der mit Untiefen und Korallenköpfen gespickt ist. Hochwasser ist erst in drei Stunden, aber für uns reicht die Wassertiefe bereits jetzt aus. Letztendlich ist bei unserer Einfahrt die flachste Stelle 1,90 m tief und alles verläuft unproblematisch.

Damit die Offiziellen an Bord kommen können, machen wir zuerst an der Hafenmauer fest. Dort wartet schon Jeffrey von der „Flying Fish“, den wir bereits von Bora Bora kennen, auf uns. Kurz nach dem Anlegen kommt Lenny, der Health-Officer, mit seinem Scooter angefahren. Im Gepäck hat er eine Sprayflasche in Reisegröße gegen Ungeziefer. Um die Cookinseln auch weiterhin von den durch Mücken übertragenen Krankheiten wie Dengue, Zika usw. frei zu halten, wird gesprayt. Zum Glück nicht in der Vorderkajüte, in der wir schlafen und auch nicht in der Pantry. Viel Raum zum Sprühen bleibt da nicht mehr und nach fünf kurzen Sprühstößen werden im Cockpit die Formalien erledigt. Mit der kleinen Sprayflasche kommt er wohl ein ganzes Jahr aus. Sein Kollege Kenneth, der gerade vom Fischen kommt, konfisziert wegen der Fruchtfliegengefahr unsere letzten beiden Zitronen und dann dürfen wir auch schon die gelbe Zoll- und Quarantäneflagge runternehmen und Land betreten. Die nächste Station ist eigentlich der Zollbeamte, aber der ist schon um 14:30 Uhr nicht mehr in seinem Büro. Uns wird gesagt, dass er morgens um 9 Uhr besser erreichbar ist. Also wird die Einklarierung dann am nächsten Tag erledigt.

Wir verholen uns von der Kaimauer an den kleinen Ankerplatz neben „Flying Fish“. Da hier durch die Tide eine starke Strömung herrscht, ist es nicht ratsam, nur vor Anker zu liegen. Wir bringen deshalb am Heck noch eine Leine aus, die an einer Kokospalme befestigt wird.

 

Festmachen in der Südsee

 

Über Aitutaki haben wir gelesen, dass die Möglichkeiten zur Verproviantierung sehr eingeschränkt sind. Einen großen Supermarkt gibt es in der Tat nicht, aber direkt um die Ecke ist ein Markt. Und hier finden wir zum ersten Mal nach zwei Monaten wieder Tomaten. Später entdecken wir weitere Einkaufsmöglichkeiten, vom Biogärtner bis zum Warehouse und viele kleine Lebensmittelgeschäfte.

 

Aitutaki Market

 

Die 1.200 Einwohner Aitutakis fahren eher Scooter als Auto. Dabei gibt es weder eine Altersbegrenzung nach unten oder oben. Schon die Kleinsten werden auf dem Sozius mitgenommen. Und so mieten auch wir uns für drei Tage zum Preis von insgesamt 60 NZD (ca. 36 Euro) ein etwas altertümliches Exemplar, um die Insel zu erkunden. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt auf der gesamten Insel 40 km/h. Die müssen wir aber eher schätzen, da der Tacho nicht mehr funktioniert. Und auch die Bremsen haben schon bessere Tage gesehen. Da muss Reinhard schon das ein oder andere Mal die Motorbremse betätigen, indem er die schwergängigen Gänge runter schaltet. In Neuseeland, zu denen die Cookinseln von 1901-1965 gehörten und mit dem sie seit ihrer Unabhängigkeit in freier Assoziation verbunden sind, ist schon das Fahrradfahren ohne Helm verboten; hier brauchen wir keinen für den Scooter und die Normalbekleidung besteht aus Shorts, T-Shirt und Flip Flops. Mein Sicherheitsbedürfnis wird im Linksverkehr und auf zeitweise steilen Straßen auf eine harte Probe gestellt. Zum Glück herrscht kaum Verkehr und nach einer kurzen Eingewöhnung kann ich unsere Ausflüge genießen.

 

 

Die Insel hat lange weiße Strände und die Lagune mit mehreren kleinen Inseln wie „One Foot“ oder „Honeymoon“ ist ein echter Hingucker.

 

Ein Stück vom Himmel

 

Wer mag, kann mit Blick auf das Außenriff und unter Palmen eine Runde Golf auf dem kleinen Golfplatz spielen.

 

Golfplatz unter Palmen

 

Da in den nächsten Tagen mit schlechtem Wetter und stürmischem Wind zu rechnen ist, werden wir wohl noch etwas länger als ursprünglich geplant auf Aitutaki bleiben. Aber das macht uns gar nichts. Schließlich heißt es hier nicht umsonst: „Slow down you are in heaven.“

 

Findus im Himmel

 

 

 

Maupiti

 

Wir dachten, wir hätten bereits die schönsten Inseln und Atolle gesehen, aber Maupiti hat uns eines Besseren belehrt. Das Timing für die Passeinfahrt passt und das Wetter auch. Vier Tage haben wir auf die Passierbarkeit warten müssen, bis die einlaufenden Wellen sich von über drei Metern auf 1,30 m beruhigten und die auslaufende Strömung sich von 8 kn auf 3,5 kn reduziert und gefahrlos wird. Auch das Versorgungsschiff, welches nur einmal im Monat kommt, hatte vorher keine Chance durch den engen Pass zu fahren. Selbst die lokalen Fischer mussten im Hafen bleiben. Deshalb sind alle Lebensmittelläden ausverkauft und die Snacks und Restaurants können nur Chicken mit Fritten oder Chao Men (Nudelgericht) anbieten.

Nachdem unser Anker gefallen ist, kommen unsere französischen Freunde, die gerade einen Kurzurlaub in einer Pension machen, mit dem Paddelboot vorbei.

 

Wiedersehen mit Freunden

 

Wir verabreden für den nächsten Tag, den Teurafaatiu, mit 385 m höchsterBerg des Atolls, zu besteigen. Dort soll eine tolle 360 Grad Aussicht sein. Der steile „Weg“ ist eher etwas für Bergsteiger und endet mit einer seilgesicherten kleinen Felsbesteigung.

 

Seilsicherung

 

Ich streike und obwohl ich im Gegensatz zu Karen ohne Murren in den Mast klettere, bin ich nicht zu bewegen, die letzten 20 Höhenmeter im Felsen zu erklimmen; es geht allerdings auch steil nach oben. Das macht wiederum Karen nichts aus.

 

„No Hands“

 

Auf der ungesicherten Spitze stellt sich dann aber tatsächlich die atemberaubende gute Aussicht ein. Die hatte ich allerdings etwas tiefer auch, nur halt keine Rundumsicht.

 

 

Am nächsten Tag ist klar, dass dieser für die nächsten Tage schon wieder die letzte Chance sein wird, aus dem Pass zu fahren. Wir sind die einzigen Segler, die sich fürs Bleiben entscheiden. So schnell wollen wir Maupiti noch nicht verlassen und nehmen gerne in Kauf, ein paar Tage eingeweht zu sein.

Auf einem bequemen großen Sattel und mit verkehrsuntüchtigen Fahrrädern mit Rücktritt ohne Vorderbremse steht eine Umrundung der Insel an. Die Küstenstraße ist nur 9 km lang und man bekommt einen guten Eindruck vom Inselleben. An der Straße entlang stehen die Häuser meist auf Betonstelzen nur einen Meter über dem Wasserspiegel oder sind in die Berge gebaut. Da es an einem Friedhof mangelt, ruhen die Verstorbenen in einem Betongrab im Garten. Teilweise sind diese Gräber auch überdacht und fast immer mit Blumen geschmückt. Für die 1200 Einwohner sind vier Kirchen ein sonntäglicher Treffpunkt. Die Gläubigen sind schick gekleidet. Der Gesang, der bis zum Ankerplatz hinüber schallt, ist immer mehrstimmig und entspricht dem Lebensgefühl der Polynesier.

 

Fahrradtour

 

Die Bürger wollen keinen großen Tourismus und haben deshalb auch keine großen Hotelanlagen zugelassen. Es gibt nur mehrere Pensionen. Die Gäste landen mit ATR Turboprop Maschinen, für die eine kurze Piste ausreicht, und werden dann von den Vermietern mit kleinen Booten vom Flugplatz abgeholt.

 

Flugplatz

 

Wir freuen uns über unseren Ankerplatz in der Lagune. Tagelang sind wir ganz allein dort. Wir genießen diesen Platz und gleichzeitig heißt es für uns auch, nun wirklich endgültig Abschied von Französisch-Polynesien zu nehmen.

 

Findus allein vor Anker

 

 

 

Endlich Bora-Bora!

 

„Endlich Bora Bora!“ sagt der Captain.

Dabei geht die Meinung unter den Langfahrtseglern über Bora Bora sehr auseinander. Immer wieder hören wir, dass die Insel viel zu touristisch sei und die Einheimischen unfreundlich wären. Einige Segler haben diese Insel sogar auf dem Weg zu den Cook Inseln ausgelassen. Das kommt für uns gar nicht in Frage. Sang doch Tony Marshall schon vor vielen, vielen Jahren in der deutschen Version von „Bora Bora“ … „mein Paradies im Sommerwind, wo alle Menschen glücklich sind“. Klingt echt kitschig, aber die Polynesier besingen ihre Insel selbst als Perle der Südsee. Da kann es doch gar nicht so schlecht sein. Und das ist es auch nicht.

Natürlich läuft hier nicht jeder mit einem Dauerlächeln durch die Gegend, aber man sollte vielleicht auch bedenken, dass die Menschen im Paradies ebenfalls einen Alltag zu bewältigen haben, der nicht nur aus Blumenkränzen, Tänzen und Gesang besteht. Trotzdem begegnen wir fast ausschließlich überaus freundlichen und hilfsbereiten Menschen und oft werden mit „Iaorana“ (Hallo) gegrüßt. Prachtvolle Hotelanlagen, Privatvillen und -strände konterkarieren aber auch das Leben in armseligen Hütten.

 

 

Mehrmals sind wir im Hauptort Vaitape, der keinen besonderen Charme hat. Durch den Ort führt zwar eine Asphaltstraße, Zugänge und Wege sind aber wie auf den anderen Inseln auch eher staubig und steinig. Es gibt zwei Supermärkte, einige Textilgeschäfte, einen kleinen Baumarkt und natürlich Souvenirläden und Perlengeschäfte. Unser Ankerplatz in der Lagune ist dagegen mit Abstand der schönste unserer bisherigen Reise.

 

Traumhafter Ankerplatz

 

Dieser Platz gefällt nicht nur uns Seglern. Auch Mantarochen kommen hier zu den größeren Korallen, um sich von den dort lebenden Fischen putzen zu lassen. Wir können unser Glück nicht fassen, als zwei dieser beeindruckenden Tiere mit einer Spannweite von 3-4 m direkt unter uns durchgleiten.

 

Mantarochen

 

Eine ganz andere Unterwasserattraktion liegt gegenüber von unserem Ankerplatz: Hier ist ein Segelschiff gesunken. Vermutlich vor nicht allzu langer Zeit, denn es noch nicht allzu stark bewachsen.

 

Boot unter Wasser

 

Für uns ist ganz klar, dass Bora Bora auf jeden Fall ein Traumziel ist.

Doch für uns heißt es nun Abschied nehmen. Ein Jahr waren wir in Französisch-Polynesien. Jetzt haben wir ausklariert, was hier bedeutet, dass man sieben verschiedene Formulare ausfüllen muss, die unterschiedlich aufgebaut sind, aber im Ergebnis immer wieder die gleichen Angaben abfragen. Die Bürokratie existiert auch im Paradies in ihrer schönsten Ausprägung.

Nun wollen wir sehen, ob wir noch Abstecher nach Maupiti und Maupihaa auf unserem Weg zu den Cook Inseln machen können. Beide haben schmale Pässe: Den Pass nach und von Maupiti kann man nur durchqueren, wenn die Welle aus Südost maximal 2 m ist. Aus dem Pass nach Maupihaa strömt immer das Wasser nach außen und im ungünstigen Fall beträgt die Geschwindigkeit 9 Knoten. Das wäre für uns nicht zu schaffen.

 

Tahaa

 

Tahaa

 

Tahaa, die Insel, die sich mit Raiatea eine Lagune teilt, ist bekannt für ihre Vanille. Was liegt da näher, als eine Vanille-Tour zu machen? Einen entsprechenden Anlauf haben wir schon kurz nach unserem Werftaufenthalt gemacht. Als wir dann aber die Zusage für eine Tour erhielten, hatten wir bereits das gute Wetterfenster für den Törn nach Huahine genutzt. Zurück auf Tahaa versuchen wir es erneut. Ein paar Tage Wartezeit müssen wir wohl einplanen. Die nutzen wir für verschiedene Aktivitäten:

Wir schnorcheln im Korallengarten beim Motu Maharare beim Außenriff auf der Westseite von Tahaa. Die Fische scheinen es gewohnt zu sein, hautnah Menschen um sich zu haben. Sie lassen sich überhaupt nicht von unserer Anwesenheit stören. Im Gegenteil: Ein Exemplar kommt ganz nah und glotzt direkt in das GoPro-Objektiv.

 

Näher ran geht nicht

 

Gegenüber vom Motu Maharare liegt die Bucht Tapuama. Hier können wir an einer der drei ausgelegten Moorings festmachen. Bezahlen müssen wir nichts. Ein guter Service, da die Bucht fast 30 m tief ist. Von unserem Platz haben wir einen wunderbaren Blick auf Bora Bora.

 

Bora Bora

 

Außerdem können wir bequem mit dem Dinghy an Land, wo es ein kleines Geschäft mit dem nötigsten, aber auch die Ma‘a Viti Pizzeria gibt. Einfach, aber gut.

 

Pizzeria á la Südsee

 

Das beste ist für uns aber der Besuch der „Iaorana Pearl Farm“. Sie liegt in der Vaiora-Bucht, südlich von uns, und ist gut mit dem Dinghy zu erreichen. Hier dürfen wir die Ernte der Perlen miterleben. Die „Iaorana Pearl Farm“ ist die größte Perlenfarm der Gesellschaftsinseln. Sie hat 1.000.000 Austern auf 52 ha. Täglich werden die Körbe unter Wasser gesäubert, alle drei Monate jede einzelne Auster. Letzteres geschieht an Land. Die endemischen Austern bekommen am Anfang kleine gelbe Süßwasserperlen einer Muschel aus dem Mississippi eingesetzt. Nach 18 Monaten hat sich hierum eine Schicht gebildet und eine kleine Südseeperle ist reif für die Ernte. Die Farbe entspricht der dominierenden Farbe im Regenbogen der Austernschale. Mehr grau, schwarz, grün oder gelb; je nachdem, für welchen Markt sie bestimmt sind, denn in Deutschland werden die grauen Perlen, in China die schwarzen und in den USA die grün schimmernden Perlen bevorzugt. An die Stelle der geernteten Perle wird eine neue Süßwasserperle eingesetzt, die in ihrer Größe dem geernteten Exemplar entspricht. Nach weiteren 18 Monaten wird auch diese Perle geerntet und wieder eine der Größe entsprechende Süßwasserperle eingesetzt. Kann die Auster nicht mehr für die Perlenzucht verwendet werden, wird das Perlmutt in China zu Knöpfen, das getrocknete Fleisch in China zu Austernsoße und der obere getrocknete Muskel in Australien zu Suppe verarbeitet.

 

Perlenfarm

 

 

Was aber nicht so recht klappt, ist unsere Vanille-Tour. Für den nächsten freien Termin müssten wir immer noch einige Tage auf Tahaa bleiben. Nachdem wir schon seit Tagen auf die Silhouette von Bora Bora geblickt haben, wollen wir endlich los. Wahrscheinlich wären wir nach der Überfahrt von Huahine besser gleich in die Haamene Bucht auf der Ostseite gefahren und von dort aus zu Fuß ins Vanilletal gewandert, um eine Vanillefarm zu besuchen. Aber umkehren möchten wir auch nicht mehr. Also verzichten wir auf diese Attraktion und segeln nach Bora Bora.