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La Tahitienne 2018

Alles grünt und blüht

 

François, unser Nachbar und Freund, nimmt uns auf einen Ausflug ins Landesinnere mit. Über 15 km Buckelpiste und durch Wasserläufe, die nur mit geländegängigen Fahrzeugen zu meistern sind, geht es vorbei an wunderschönen Wasserfällen.

 

 

Allerdings hat sich wegen abnehmender Regengüsse die Anzahl der Wasserfälle schon reduziert und die reißenden Flüsse bleiben zumeist wieder in ihrem Flussbett. Bei „Hochwasser“ ist ein Teil der Strecke unbefahrbar. Dies wird durch Markierungen auf Steinen angezeigt. Steht das Wasser bis „rot“, gibt es kein Durchkommen. Doch auch ohne Wasserstand bis zu den roten Markierungen ist die Fahrt dank der vielen Schlaglöcher und teilweise überfluteten Straßen abenteuerlich.

 

Rot heißt „Stopp“

 

Auf meiner Liste der Freizeitaktivitäten taucht ein ganz besonderer Punkt auf: Die Teilnahme am Wohltätigkeitslauf „La Tahitienne 2018“.

Die über 5.500 Teilnehmerinnen unterstützten mit ihrer Teilnahme den Kampf gegen Brustkrebs. Die Strecke ist mit 3 km zwar kurz, aber bei den hiesigen Temperaturen und einer Luftfeuchtigkeit um die 80% sind die Anforderungen an den Kreislauf deutlich erhöht. Auf jeden Fall ist es eine schweißtreibende Angelegenheit.

Umso erfrischender sind gekühlte Apfel- und Orangenviertel, die nach dem Zieleinlauf auf die Teilnehmerinnen warten.

 

La Tahitienne 2018

 

An Bord laufen weiterhin auch die Vorbereitungen für die neue Segelsaison, denn das Ende der Zyklon- und Regenzeit naht. Findus wird von innen und außen geputzt. Polieren gehört selbstverständlich ebenso zum Programm. Auch technisch muss das Schiff in Ordnung sein. Schoten, Fallen und Rollen werden teilweise erneuert. Das gilt auch für die Lazyjacks. Natürlich wird der Mast und das stehende Gut inspiziert und der Motor gewartet.

Letztlich benötigen auch die Bodenbretter einen neuen Anstrich. Während Reinhard die Lackierarbeiten früher in der Wintersaison wegen der niedrigen Temperauren im häuslichen Wohnzimmer erledigte, muss nun der Salon herhalten. Trotz genauem Hinsehen, ließen sich hier aber im Gegensatz zu früher keine Lackspuren an Gardinen und Polstern finden…

 

Frisch gestrichen

 

 

 

Sprachübungen

 

Noch nie habe ich es so sehr bereut wie jetzt, mich entgegen aller guten Ratschläge in der siebten Klasse für Latein und nicht Französisch als zweite Fremdsprache entschieden zu haben. Zwar sind wir auch hier mit Englisch bislang gut zurecht gekommen, aber Gespräche sind doch sehr begrenzt.

So fasse ich den Entschluss, Französisch zu lernen. Die fließend Englisch sprechenden Hafenmeister halten das allerdings für überflüssig: Wenn, dann solle ich doch lieber „Tahitian“ lernen. Damit käme ich auf den übrigen Inseln viel weiter und leichter wäre es auch, da viele Worte aus dem Englischen kämen. Eine kleine Einführung folgt auf dem Fuße. Die Idee finde ich reizvoll. Wer spricht schon Reo Mao‘hi, wie die korrekte Bezeichnung lautet. Aber global betrachtet erscheint Französisch doch die sinnvollere Wahl zu sein.

So lerne ich seit Monaten mit dem Online-Sprachprogramm Duolingo und in letzter Zeit mit in Deutschland erworbenen Französischbüchern. Und tatsächlich stellen sich erste Erfolge ein: Produktinformationen sind verständlich, die ersten Zeitungsartikel ergeben einen Sinn und telefonisch kann ich mich sogar bis zum gewünschten Gesprächspartner durchfragen.

Aber richtiges Lernen findet natürlich nur unter Menschen statt. Und da unsere Nachbarn mich mehrfach fragen, ob ich nicht mit zum Aquabiking kommen möchte, vernachlässige ich die Frage, ob ich wohl so deutlich während unserer Abwesenheit zugenommen habe, und konzentriere mich lieber auf die Chance, mein Hörverständnis weiter zu üben. Das klappt im Großen und Ganzen recht gut, zumal ich auch sehe, was ich tun soll. Und es macht Spaß.

 

So geht Französisch lernen auch

 

Da die Franzosen für gutes Essen bekannt sind, ist ein beachtlicher Teil der Sprachkurse dem Bereich Nahrungsmittel und Kochen gewidmet. Was liegt da näher als ein Restaurantbesuch mit unseren französischen Freunden. Hier kann Reinhard seine Sprachkenntnisse einbringen. Für einen vorbereiteten Toast muss allerdings auch der Google-Translator ran… und alle haben ihn verstanden.

 

Restaurantausflug

 

Das ist nicht selbstverständlich, wenn Google-Translator ins Spiel kommt: Als wir nicht verstehen, welcher Teil des Rinds (z.B. Schulter oder Hüfte) für Bœuf Bourguignon verwendet wird, schlägt das Übersetzungsprogramm „Bohrfutter“ vor. Wie lecker!

 

 

Im wahrsten Sinne Regenzeit

Kreuzfahrt in der Regenzeit

 

Schon während unserer Abwesenheit haben uns unsere Bootsnachbarn berichtet, dass es auf Tahiti viel regnen würde. Und als wir spätabends aus dem Flugzeug steigen, haben wir im ersten Moment den Eindruck, die Tür zu einer Dampfsauna zu öffnen. Aber in den nächsten Tagen herrscht nur eitel Sonnenschein. Findus liegt wohlbehalten und von unserem Nachbarn Jean-Yves sogar am Wasserpass gereinigt in der Box. Die Temperaturen sind erträglich. Beste Voraussetzungen also um anzukommen. Aber nach knapp zehn Tagen ziehen trübe Wolken am Horizont auf.

In der Zwischenzeit ist unser Webmaster Gerald mit seiner Frau Kristina auf Kreuzfahrt in der Karibik unterwegs. Dort ist schließlich auch die richtige Saison dafür und die Fotos, die uns erreichen, zeigen vergnügte Urlauber und bestes Urlaubswetter. Sie haben also alles richtig gemacht. Im Gegensatz zu den Kreuzfahrtpassagieren, die in Papeete einsteigen und die günstige Nebensaison für einen Urlaub in der Südsee nutzen. Es herrscht starker NW-Wind, in Böen bis 8 Beaufort und dazu regnet es in Strömen.

 

Video: Regen, Regen, nichts als Regen

 

Die Zeitschrift des Tourismus-Office enthält eine Übersicht der An- und Ablegezeiten der verschiedenen Kreuzfahrtschiffe. Doch das Wetter scheint dieser Planung einen Strich durch die Rechnung zu machen: Das Kreuzfahrtschiff „Marina“ ist für 5:00 Uhr morgens angekündigt. Tatsächlich legt es aber schon am Vorabend gegen 18:00 Uhr an und einige Passagiere verlassen fluchtartig mit ihren Rollkoffern das Schiff. Scheint kein großer Spaß gewesen zu sein.

Das können wir uns gut vorstellen, denn bei dieser Windrichtung kommt der Schwell auch genau in die Marina. Selbst am Steg schaukelt Findus so stark, als ob wir auf See unterwegs wären. Und das sind nur die Ausläufer. Draußen muss sich eine hohe See aufgebaut haben. Am vorgelagerten Riff brechen sich große Wellen. Wir nutzen die Schaukelei für einen DVD-Abend und schauen „Kon-Tiki“, die Geschichte von Thor Heyerdahls Expedition, die bewies, dass schon vor tausenden von Jahren Menschen mit Flößen von Peru über den Pazifik gefahren sind. Das Floß zerschellte dann am Riff von Raroia, wo wir vor nicht allzu langer Zeit selbst noch waren. Die Kenntnis der Gegebenheiten und die aktuelle Schiffsbewegung lassen uns die Pazifiküberquerung auf dem Floß hautnah miterleben.

 

Video: Schiffsbewegungen