Heimathafen verlassen vor 1770 Tage 7 Stunden 40 Minuten

Archiv für November 2013

Umrundung von Cabo de Sao Vicente am 17.11.2013 um 12 Uhr

 

Bei bestem Segelwetter konnte ich heute mutterseelenallein auf dem Atlantik das südwestlichste Kap Portugals runden. Nun bin ich an der Algarve und in der Straße von Gibraltar angelangt. Doch soweit ich auch sehen kann, finde ich kein einziges Geschäft. Das ist aber auch nicht tragisch, da diese am heutigen Sonntag sowieso geschlossen hätten. Ich werde mir irgendwo einen schönen Liegeplatz hier unten suchen und dann zum Shopping gehen, schließlich steht Weihnachten bald an. Außerdem muss ich noch meine To-Do Liste abarbeiten, wie z.B. Schiff schrubben, neues Kabel verlegen, Segel säubern und trocknen, Beiboot einpacken etc. Damit wäre dann das vorletzte Stück auf der Reise zu den Kanaren abzuhaken. Vielleicht sieht man sich im Dezember in der Heimat, bevor es im Januar dann weiter geht?

Umrundung von Cabo de Sao Vicente (17.11.2013)

Umrundung von Cabo de Sao Vicente (17.11.2013)

 

 

Datum: 17.11.2013 – 12:00 Uhr

Position: N 37 0 25.76 / W 9 0 8.57

Richtung: 38.86

Position in Google Maps

 

 

Sesimbra im November

 

Die Etappe zur Algarve nähert sich dem Ende. Bei bestem Segelwetter bin ich heute von Sesimbra nach Sines gefahren, mit Delphinbegleitung, was ich auf einem Videofilm festgehalten habe. Von hier aus steht noch ein längerer Schlag von über 80 sm an. Da muss wohl wieder eine Nachtfahrt eingeschoben werden, denn Häfen gibt es auf dem letzten südwestlichen Teil von Portugal nicht, allenfalls eine nur bedingt sichere Ankerbucht bei Arrifana. Das Wetter ist zwar gut, aber von den Bergen kommen heftige Fallböen und beim Runden eines jeden Kaps frischt der Wind aus abgelenkten Richtungen auf.

Mit dem Runden des Cabo de Sao Vicente werde ich dann mit östlichem Kurs die Fahrt fortsetzen, Grobrichtung: Straße von Gibraltar. Aus dieser Richtung kam das Cargoschiff „Wiebke“ mit Julia als Offizier(in) an Bord. Das ist Klaus‘ und Antjes (Segelvereinigung Brunsbüttel) Schwiegertochter, die ebenfalls wie ihr Sohn Benjamin zur See fährt. Leider näherten wir uns aber in Südportugal nicht unter 30 sm an, eine Funkverbindung kam somit leider nicht zustande. Ich konnte nur auf der AIS-Schiffsstandort-Seite ihre Vorbeifahrt wahrnehmen. Karen und ich hatten zuletzt im Hafen vor der Schleuse in Brunsbüttel bei unserer Abreise unverhofft Besuch von den Beiden und wir hatten noch geulkt: „Na, dann sehen wir uns bestimmt irgendwann!?“ Vielleicht ein anderes Mal. So Long!

Sesimbra im November (14.11.2013)

Sesimbra im November (14.11.2013)

 

 

Datum: 14.11.2013 – 11:58 Uhr

Position: N 38 26 34.27 / W 9 6 9.46

Richtung: 242.36

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Ober- und Unterstadt von Lissabon werden mit einem Aufzug verbunden

 

Wenn man von der Unterstadt in Lissabon in die Oberstadt wechseln möchte, kann das mit dem Aufzug geschehen oder aber zu Fuß. Ich habe das Baujahr 1902 gelesen und mich für einen mühsamen Aufstieg auf eigenen Sohlen entschieden. Dafür wurde ich aber mit vielen Eindrücken belohnt, die die Stadt zu bieten hat. Ich habe bestimmt 6 Meilen zu Fuß gemacht. Die tolle Restauration der Stadt, die vielen Geschäfte, Restaurants und Weinlokale mit Fado-Musik sind schon ein Erlebnis. In einem Tag ist ein Besichtigungsprogramm gar nicht zu schaffen. Ich werde wohl noch mehr Meilen machen mit der S-Bahn und meinen ausgelatschten Wanderschuhen. Vielleicht bekomme ich zu Weihnachten ein neues Paar.

 

Lissabon Aufzug (09.11.2013)

Lissabon Aufzug (09.11.2013)

 

 

Datum: 09.11.2013 – 11:12 Uhr

Position: N 38 42 43.40 / W 9 8 17.21

Richtung: 238.49

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Cascais

Der Wind kam endlich wieder aus den richtigen Richtungen und so konnte ich den Törn fortsetzen.

Seit zwei Tagen bin ich in Lissabon, d.h. in Cascais, einem Nobelvorort. Hier liegt man ruhiger, als in der Metropole selbst. Die Marina ist schon luxuriös und die Preise sind entsprechend, aber zur Zeit ist bekanntlich Nebensaison. Zur Begrüßung gibt es dort erst einmal als Geschenk eine Flasche Rotwein aus der Region. Ansonsten ist die Anlage ein eigenes Zentrum mit vielen Restaurants, Bars, Shops und Servicebetrieben jeglicher Art. Mit der S-Bahn fährt man direkt ins Herz von Lissabon.

Über die Festtage zum Ende des Jahres werde ich wohl in der Heimat sein, um dann im Januar zu einer Rundreise auf den Kanaren zu starten. Dazu haben sich schon neue Gäste angesagt. Aber jetzt gilt es erst einmal den Süden Portugals bei sonnigen 20 Grad zu erkunden. Ehrlich gesagt, das lässt sich aushalten.

Cascais (08.11.2013)

Cascais (08.11.2013)

Marina de Cascais (08.11.2013)

Marina de Cascais (08.11.2013)

 

Datum: 08.11.2013 – 14:14 Uhr

Position: N 38 41 30.24 / W 9 25 4.64

Richtung: 8.72

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Das Ungetüm von Nazare

 

Die wirklichen Ausmaße von der hier bei Surf-Meisterschaften abgerittenen 30m Welle sind bei Spiegel-Online zu sehen: Video vom „Ungetüm in Nazare„. Ich war da, allerdings im Hafen. Selbst da schaukelte es enorm. Die einfach weggerissene und ersetzte Backbordmole konnte ich bei der Ausfahrt fotografieren.

Backbordmole von Nazare (31.10.2013)

Backbordmole von Nazare (31.10.2013)

 

Datum: 31.10.2013 – 11:53 Uhr

Position: N 39 36 25.20 / W 9 4 38.38

Richtung: 55.74

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So hatte ich mir die portugiesische Küste nicht vorgestellt. Hier sind zwar immer noch sommerliche Temperaturen von 20 Grad, aber auch unberechenbares Wetter und verdammt hohe Wellen.

In der Zwischenzeit bin ich in Peniche angekommen. Wieder habe ich Wartezeiten, da ich bei Gegenwind und Gegenstrom wohl kaum bei immer noch 3-4 m hohen Wellen den Hafen verlassen werde.

Segeln macht stets angeleint im Cockpit nur bedingt Spaß. Meine Schleppangel musste auch schon dran glauben. Selbst die gesicherte Kaffeetasse fliegt da aus der Halterung. Obwohl der Ritt die Welle runter mit mehr als 9 Knoten schon geil ist.

Da trinke ich lieber im Java House ein einheimisches Bier. Es ist kaum zu glauben – hier gibt es auch Flensburger in Flaschen – für 2,95 Euro !

Bei der Einklarierung wurde ich übrigens von der netten freundlichen Zollbeamtin an Bord gefragt: „Sind Sie allein?“ Ich stutzte und fragte zurück: „Sind Sie allein?“ Ihre portugiesischen Augen blitzten und Sie korrigierte, ob ich an Bord allein wäre? Ich bejahte die Frage. Aber meine Antwort, auf ihre Frage, ob ich Tiere an Bord hätte, die ich mit „Ja!“ beantwortete, machte sie aber erst richtig nervös. Als ich ihr aber meine Stammcrew in Form von ausgestopften Katzen, nämlich Findüs und Findus zeigte, war sie erleichtert. Schließlich war es kurz vor Feierabend, und wer füllt da noch gerne Formulare aus… für einen Lohn von 1.200,00 Euro monatlich ohne Überstundenbezahlung. Und die sollen jetzt noch auf 800,00 Euro gekürzt werden. Da ist so eine menschliche Begegnung doch Gold wert?

Im Hafen kamen bei „FindUs“, bekanntlich eine Catalina 34 aus den USA, alle 12 Fender einschließlich Kugelfender zum Einsatz und alle Leinen auf 6 Klampen, 2 Winschen und den Steg verteilt, die an und für sich nur für den Panamakanal vorgeschrieben sind, aber an Bord sind. Außerdem wurden die Boote so verholt, dass beim Aufschaukeln die Masten nicht gegeneinander stoßen konnten. Ein Holländer mit seiner „Lilly“, einer Catalina 38, lag morgens quer in der Doppelbox. Am seitlichen Ausleger war ein Bolzen gebrochen. Nun hing der Ausleger am Schiff fest, was quer zum Steg abgespannt war. Das spricht doch irgendwie für die Solidität der Schiffe.

Meine fast 90jährige Mutter hält ihren Sohn im zarten Alter von 60+ natürlich für waghalsig. Dem konnte ich aber gegenüberstellen, dass es die richtige Entscheidung war, vorzeitig in Ruhestand zu gehen, denn in der Flensburger Universität wäre ich vom gleichen Orkan „Christian“ vom abgedeckten Dach und Deckeneinbruch an meinem Dienstplatz erschlagen worden und die Nachzahlung wäre auch dahin.