Heimathafen verlassen vor 1860 Tage 2 Stunden 12 Minuten

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Tonga im Wandel

Megayacht „Aquijo“; 87x15m; Cayman Islands

 

Neiafu hat nur einen kleinen Hafen. Kreuzfahrtschiffe und Megayachten müssen deshalb vor Anker liegen. Tausende von Besuchern werden aber mit Börtebooten (Tender) übergesetzt und im Hafen mit einem traditionellen Kunsthandwerk-Markt empfangen und die Brass-Band der Schule spielt Rock‘n Roll und Glenn Miller Hits dazu.

 

 

Die drei Inselketten von Tonga wurden schon vor 2000 Jahren bevölkert und sind trotz vieler Übernahmeanstrengungen stets unabhängig geblieben. Allerdings tobten auf den Inseln bis zur Errichtung eines Königreichs Mitte des 19.Jh. erbitterte Stammesfehden. Zunächst zeigten die Niederlande und Großbritannien Interesse, 1876 auch Deutschland, das Kriegsschiffe stationieren durfte. Tonga erhielt jedoch 1900 in einem Freundschaftsvertrag den Schutz der Briten, ist Mitglied im Commonwealth und in den UN.

 

Erinnerung an die Rückgabe der Insel

 

Im Park von Neiafu auf Vava’u stoßen wir auf ein Denkmal. Es erinnert an die Übergabe der 160 Inseln an Gott durch König George Tupou V. Damit wurde das Feudalsystem im Jahre 2008 beendet und eine Demokratie eingeführt. Die Christianisierung zeigt auch heute noch deutliche Auswirkungen bei den 120.000 Einwohnern Tongas, aber wohl noch stärker ausgeprägt auf Samoa, das nördlich liegt. Die Kleidung ist nicht so freizügig wie in anderen Ländern des Pazifiks. Sonntags dürfen keine Geschäfte gemacht werden, auch sportliche Aktivitäten sind verboten. Und angeblich taucht man auch nicht unter einem Schiff durch, wenn eine Frau an Bord ist.

Das Leben ist sehr gemächlich und die Menschen sind sehr freundlich. Die Infrastruktur ist trotz enormer Zuschüsse, auch aus der EU, noch stark verbesserungsbedürftig. Geschäfte, Restaurants, Tauchschulen und Bootscharter (z.B. Sunsails und Moorings Yacht Charter) werden zumeist von Zugezogenen oder Firmen aus Europa und China geführt. Auch viele Neuseeländer und Australier haben sich hier niedergelassen und machen hier Geschäfte. Hier finden die Einheimischen Arbeit, lokale Selbstständige sind die Ausnahme. Noch zählt Tonga zu den ärmsten pazifischen Ländern.

 

Abendstimmung

 

Die Seglergemeinde trifft sich abends in den am Hafen gelegenen Lokalitäten, die unterschiedliche Veranstaltungen von der Regatta bis zum Tanz anbieten.

Wir melden uns bei einer Session im „Refuge“ an. Vor uns spielt „Inki“ auf verschiedenen Flöten und asiatischen Instrumenten. Nach uns zur fortgeschrittenen Zeit spielt ein Altrocker.

Unsere „Band“ besteht aus Karen (Gesang), Martin (Bass) und mir (Keybord, Gitarre, Akk.). Wir spielen Jazz-Standards, Songs der 60er und 70er Jahre und Shantys. Das Auditorium singt teilweise bei den Songs lautstark mit und schunkelt sogar zur Akkordeonmusik. Unser Einsatz wird mit freiem Essen und Trinken belohnt.

Im Dinghy können wir aber selbst bei totaler Finsternis noch unser Schiff finden und die Instrumente und uns selbst trocken heimbringen.

 

Open Mic

 

 

Tonga – Wale und mehr

Landfall In Tonga

 

Die Segelbedingungen sind seit Französisch-Polynesien deutlich rauher geworden: Viel Wasser ist über gekommen, die See oftmals hoch und unruhig, der Wind bisweilen in Sturmstärke und die Nächte so kühl, dass wir mehrere Lagen Kleidung tragen mussten.

Auf dem Törn nach Vava’u/ Tonga haben wir endlich wieder angenehme Segelbedingungen. Es scheint, dass wir am Ende der „dangerous middle“ genannten Strecke angekommen sind. Nur die Kühle in der Nacht ist geblieben.

Wir haben Niue an einem Freitag verlassen und kommen nach zwei Tagen am Montag an. Den Sonntag haben wir verloren, als wir die Datumsgrenze überschritten haben. Nachdem wir in den letzten Jahren immer weiter hinter die deutsche Zeit zurück gefallen sind, sind wir nun UTC +13 Stunden voraus.

Das Einklarieren erfolgt in Neiafu/Vava’u (Nordinsel vom Königreich Tonga) problemlos und noch gerade rechtzeitig vor dem Ende der Bürozeiten, weshalb wir von hohen Overtime Fees (Gebühren) verschont bleiben.

Wir liegen nun im großen Mooringfeld der „Refuge Bay“ und genießen in vollen Zügen an einem Ort zu sein, an dem es endlich wieder ein „Social Life“ gibt.

 

Refuge Bay

 

Wir treffen uns mit Freunden zum mexikanischen Abend im Restaurant „Refuge“, besuchen die „Fakalady Night“ (zu Deutsch: Travestieshow) im „Dancing Rooster“, erfreuen uns an der Gemüsevielfalt auf dem Markt (endlich wieder Tomaten) und ordern extra gestaltete FindUs-T-Shirts bei „Coffee and Tees“.

 

 

Jeden Morgen gibt es um 8:30 Uhr eine Funkrunde mit guten Informationen zu lokalen Geschäften und aktuellen Veranstaltungen und nach all den ruhigen Orten macht es einfach wieder Spaß, ein bisschen Rummel zu haben. Und dazu sind die Preise hier deutlich niedriger als in Französisch-Polynesien, auf den Cookinseln und auf Niue.

 

Da mein letzter Tauchgang mit Flasche schon lange her ist, buche ich einen Tauchgang bei Beluga-Diving. Zum Glück hat der niederländische Inhaber Huib recht, dass man Tauchen genauso wenig verlernt wie Fahrradfahren. Und so komme ich nach ca. 45 Minuten wieder munter an der Wasseroberfläche an.

 

Aufstieg

 

Neben Tauchen hat Beluga auch „Whale-Watching“ im Programm. Das gibt es in vielen Ländern. Die Besonderheit in Tonga ist, dass man hier auch mit den Walen schwimmen kann. Das steht definitiv auf meiner „Bucket List“ und da es nur mit entsprechenden Profis in kleinen Gruppen erlaubt ist, buchen wir gemeinsam mit unseren Freunden von „Sarayu“ den nicht ganz günstigen Ausflug. Diese Chance bietet sich wohl nur einmal im Leben.

Morgens früh um 7:15 Uhr geht es los. Wir sind vorbereitet, dass es eine Weile dauern kann, bis wir den ersten „schwimmbaren“ Wal finden: Zum einen bewegen sich Wale ziemlich schnell fort und zum anderen tauchen sie ab, wenn sie keine Gesellschaft möchten.

Wir sehen eine Gruppe von drei Walen, die sich an der Oberfläche tummeln und spielerisch ihre Schwanzflossen auf das Wasser schlagen. Auch das ist nicht der richtige Ort, um ins Wasser zu gehen. Nach mehrstündiger Fahrt und mehreren bereits beeindruckenden Walsichtungen ist es dann so weit: Wir sind im Wasser und unter uns schwimmt eine Gruppe aus vier Walen durch. Es ist atemberaubend, wie diese riesigen Tiere einem Raumschiff gleich anmutig durch das Wasser gleiten. Sogar den Aufstieg zum Atmen erleben wir hautnah mit.

 

Giganten der Meere

 

An anderer Stelle schwimmen wir mit kleineren Gruppen, aber sie sind so schnell, dass wir sie schon nach wenigen Sekunden aus den Augen verlieren. Doch ihren Gesang können wir auch noch aus großer Entfernung hören.

Überhaupt muss es immer ganz schnell gehen. Kaum hat unser Guide Wale gesichtet, heißt es mit Schnorchel und Flossen aus dem noch langsam fahrenden Boot zu springen und hinter dem Guide her zu schwimmen.

Nachdem wir alle glücklich, geschafft und durchgefroren sind, bekommen wir noch die Gelegenheit, an zwei weiteren besonderen Spots zu schnorcheln: Coral Gardens und Mariner‘s Cave.

Beim Coral Gardens schwimmen wir ca. 900 m am Riff entlang und haben auch bei größerer Tiefe eine klare Sicht auf den Korallenhang, der erfreulicher Weise noch aus vielen lebenden Korallen besteht. Leider keine Selbstverständlichkeit.

 

Coral Gardens

 

Um in die Mariner‘s Cave zu kommen, muss man, je nach Wasserstand, 2-6m tief und weit tauchen, um unter einem Felsvorsprung hindurch in eine Grotte zu gelangen. Auf dem Weg nach innen herrscht dazu noch Dunkelheit.

Ich passe, aber Reinhard, der auch sonst ohne Flasche bis zu 8 m tief tauchen kann, taucht durch. In der Grotte, die gute 10 m tief ist, sieht es im Licht einer Taschenlampe so aus, als ob ein Sternenregen von der steinernen Kuppel fällt. Und auch aus der Grotte heraus ist der Blick beeindruckend. Ein schöner Abschluss eines unvergesslichen Tages.

 

Grotteneingang

 

Blick ins Helle